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Eine heute von Germanwatch veröffentlichte, alarmierende Studie zeigt: Jedes zweite Hähnchen aus Großschlachtereien ist mit Antibiotika-resistenten Erregern belastet. „Das gefährdet unsere Gesundheit“, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss die beunruhigenden Ergebnisse:

„Antibiotika-Resistenzen sind weltweit auf dem Vormarsch. Allein in der EU sterben jedes Jahr 33.000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken. In Deutschland sind es 2400 Menschen, die in diesem Zusammenhang unnötigerweise sterben. Das Problem ist seit Jahren bekannt, die bisherigen Anstrengungen Antibiotika-Resistenzen zu reduzieren, reichen nicht aus.

Vor zwei Jahren haben wir mit der Verabschiedung der EU-Tierarzneimittel-Verordnung eine verbindliche Vorlage geschaffen, die die Verwendung von Antibiotika bei Lebensmittel erzeugenden Tieren streng reglementieren sollte. Ich war der verantwortliche grüne Verhandlungsführer und sah es als großen Erfolg an, dass Reserve-Antibiotika von 2022 eigentlich nur noch für Anwendungen am Menschen benutzt werden dürfen. Denn Reserve-Antibiotika, die auch als Notfall-Antibiotika bezeichnet werden, können im Zweifel die letzte Arznei sein, die bei der Behandlung einer bakteriellen Infektion noch wirkt. Wer sie weiter in der Tiermast einsetzt, handelt extrem fahrlässig, denn er gefährdet damit auch unsere Gesundheit.

Inzwischen wird klar, dass die beabsichtigte klare Begrenzung der Anwendung offenbar von der Europäischen Kommission unterlaufen wird. Die Kommission hält sich offensichtlich bei der Ausarbeitung der Liste, die die Reserve-Antibiotika im Einzelnen genau bezeichnet, nicht an das Verhandlungsergebnis. So verhandelt sie aktuell mit den Mitgliedsstaaten über einen Entwurf, nach dem auch Reserve-Antibiotika Tieren weiter verabreicht werden können, wenn es dem Tierwohl dient. 

Das ist skandalös und hintertreibt unsere Absichten zur künftigen Tierarzneimittel-Verordnung. Dazu darf es nicht kommen.

Letztlich kaschieren die routinemäßige Gabe von Antibiotika an Tiere nur ungeeignete Haltungssysteme. Der Fall zeigt wieder einmal, wie dringend wir einen Systemwechsel in der Zucht und Haltung von Lebensmittel liefernden Tieren brauchen.  Reserve-Antibiotika müssen den Menschen vorbehalten bleiben. Ihre Festlegung sollte nach den strengen WHO-Regeln erfolgen.“

 

Weitere Hintergrundinformationen zu den Regelungen zur Antibiotikaverwendung in der Tierhaltung

Pressemitteilung vom 25.10.2018: Kampfansage an Antibiotikaresistenzen – EU-Parlament hat Trilog-Ergebnisse angenommen

 

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