Grüne Europagruppe Grüne EFA

Antibiotika

08.12.2019

1. Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket

Was ist das EU-Tierarzneimittelpaket?
Das EU-Tierarzneimittelpaket besteht aus insgesamt drei Verordnungsvorschlägen der Europäischen Kommission. Das Europäische Parlament wird diese Gesetzesvorschläge 2015 diskutieren und weiterentwickeln. Das Augenmerk meiner Arbeit im Europäischen Parlament an den Verordnungsvorschlägen wird dabei besonders darauf liegen, wie der Einsatz von Antibiotika geregelt wird. Momentan werden Antibiotika sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin leider viel zu oft und falsch eingesetzt - mit verheerenden Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie auch die Umwelt. Als Schattenberichterstatter für alle drei Verordnungsvorschläge werde ich mich dafür einsetzen, dass die Verordnungen die richtigen Prioritäten setzen.

Weiterlesen: Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket (pdf)

08.12.2019

Antibiotika in der Tierhaltung: Nur klare Reduktionsziele helfen, den Missbrauch zu begrenzen

Brüssel - Die deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie hinkt, was den Agrarbereich anbelangt, im europäischen Vergleich den tatsächlichen Erfordernissen hinterher und wird auch kaum Erfolg haben, prophezeit der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling:

„Melden, forschen, überwachen - wenn das alles ist, was der Bundesregierung zum drängenden Problem der Resistenzen von Antibiotika in der Tierhaltung einfällt, dann wird sich bald zeigen, dass dieses Paket  bei weitem nicht ausreichen wird. Was fehlt, sind klare Reduktionsziele. Nur so, und das zeigt sich in anderen EU-Ländern deutlich, lässt sich der überbordende Verbrauch in den Griff bekommen.

Andere EU-Länder machen es in der Nutztierhaltung vor: In Schweden gelang es, innerhalb acht Jahren den Verbrauch von Antibiotika im Stall um 40 Prozent zu verringern, und in den Niederlanden wurde er in den vergangenen fünf Jahren sogar halbiert.  Die Beispiele belegen, dass nur klar formulierte Ziele helfen, aber keine auf Freiwilligkeit basierenden blassen Erklärungen, den Missbrauch erfolgreich einzudämmen. 

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat aus meiner Sicht die Brisanz überhaupt nicht erkannt. Heute werden in Deutschland mehr Antibiotika an gesunde Tiere verabreicht als an kranke Menschen.  Die Tierhaltung ist nach wie vor das zentrale Problembereich bei der Antibiotika-Resistenz. Hier muss man hart durchgreifen, statt sich auf gutes Zureden zu verlassen.“

 


Veranstaltungshinweis:
„Wider Wider jede Vernunft - Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung“
am 13. Mai 2015, 18 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin (Livestream)

08.12.2019

Antibiotika-Boom in der Mast riskiert Menschenleben!

Brüssel - Zum morgigen Europäischen Antibiotika-Tag erklärt Martin Häusling, agrar-politischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

„In Europa sterben Jahr für Jahr mindestens 25.000 Menschen aufgrund von Antibiotikaresistenzen. Die Weltgesundheitsorganisation warnt in ihrem Bericht vor der `postantibiotischen Ära` als einer der größten aktuellen Bedrohungen für die Menschheit. Das ist alarmierend! Die Gefährdung unserer Gesundheit entsteht nicht allein dadurch, dass Antibiotika in der Humanmedizin häufig zu leichtfertig verschrieben werden. Die meisten Risiken entstehen, weil in Deutschland doppelt so viele Antibiotika in der Tiermast verabreicht werden wie in der Humanmedizin.

Wie groß das Risiko geworden ist, zeigt die vorsorgliche Praxis mancher Kliniken: In einigen Landstrichen ist es bereits Routine, Landwirte in Quarantäne zu nehmen, wenn sie ins Krankenhaus kommen, und zwar wegen der vielen antibiotikaresistenten Keime, die sie in sich tragen. Dieses Beispiel zeigt, dass die Entwicklung unseres Landwirtschaftsmodells in die völlig falsche Richtung läuft!“, so Häusling.

Die Europäische Kommission hat nun zwei Vorschläge vorgelegt, die das Recht für Tierarzneimittel und Arzneifuttermittel modernisieren und harmonisieren sollen. Der Kommission geht es vor allem um Erleichterungen der Entwicklung und Vermarktung von Tierarzneimitteln. Europa ist nach Nordamerika der zweitwichtigste Tierarzneimittelmarkt der Welt.

„Die Gabe von Arzneifuttermitteln zur generellen Vorbeugung von Krankheiten oder als Wachstumsförderer ist in der EU bereits verboten. Die Kommission will dieses Verbot nun auch dann durchsetzen, wenn die Verschreibung des Tierarztes theoretisch möglich wäre. Das ist alles ein Herumschrauben an kleinen Rädchen. Solange das Verbot der prophylaktischen Antibiotika-Verabreichung nicht konsequent in der EU kontrolliert und durchgesetzt wird, nützen legislative Verschärfungen wenig. Die Kommission muss die Mitgliedstaaten dazu bringen, dass das Verbot auch eingehalten wird!“, kritisiert Häusling.
„Außerdem brauchen wir eine Ausrichtung auf ein europäisches Landwirtschaftsmodell, dessen Ziel es sein muss, weitgehend ohne Antibiotika auszukommen.“

Weitere Informationen:
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament - Martin Häusling
Tel. +32-2-284-5820, Fax +32-2-284-9820 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

08.12.2019

Antibiotika/Tierhaltung - Kampfansage an Antibiotikaresistenzen

Reserveantibiotika sollen künftig den Menschen vorbehalten bleiben. Auch der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird in der Zukunft nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich sein, die Mehrheit des Abgeordneten des Europäischen Parlaments hat die Ergebnisse der Verhandlungen mit dem Rat und der Europäischen Kommission („Trilog“) angenommen. Ziel ist, die Antibiotikaresistenz in der Tierhaltung einzudämmen.
Martin Häusling, Schattenberichterstatter der Grünen/EFA-Fraktion für die neuen EU-Gesetze zu Tierarzneimitteln, kommentiert:

„Antibiotikaresistenzen sind eine der drängendsten globalen Gefahren. Bislang werden doppelt so viele Antibiotika in der Tiermast wie in der Humanmedizin eingesetzt. Es ist ein großer Erfolg, dass Reserveantibiotika künftig den Menschen vorbehalten bleiben sollen. Bessere Haltungsbedingungen und die Separierung kranker Tiere helfen, den Antibiotikaeinsatz runterzufahren. Jetzt geht es darum, dass die neuen Vorschriften auch umgesetzt werden. Umfassendes Datenmaterial zum Verkauf und zur Verwendung von Antibiotika sind ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den übermäßigen Antibiotika-Einsatz. Wir Grünen/EFA konnten durchsetzen, dass die neue Verordnung die Datenerhebung zur Verwendung antimikrobieller Arzneimittel auf jedem Bauernhof in der Europäischen Union vorschreibt.“

Hintergrundinformationen im Briefing zur neuen Tierarzneimittel-Verordnung

08.12.2019

Antibiotikaresistenzen - G-7 muss den Missbrauch stoppen

Brüssel - Der G-7-Gipfel muss den Missbrach von Antibiotika in der Tiermast ernst nehmen und konkrete Schritte in die Wege leiten, verlangt der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling.

„Ich begrüße, dass Kanzlerin Angela Merkel die Antibiotikaresistenzen zum Schwerpunktthema der deutschen G-7-Präsidentschaft machen will. Damit könnte sie ein Zeichen setzen, denn bisher haben gerade auch  die Bundesregierung und die europäische Politik die Bedeutung dieses Themas leider überhaupt nicht erkannt.

Statt allein den Aspekt auf die unnötige und falsche Verwendung der Antibiotika in der Humanmedizin  zu legen, muss der Tierbereich eine viel stärkere Gewichtung erfahren.  Denn der missbräuchliche Einsatz dieser Wirkstoffe in der Mast hat verheerende langfristige Folgen, die sich dann zeitversetzt in der Humanmedizin niederschlagen. Immer noch werden in der Tiermast doppelt so viele Antibiotika verabreicht wie im Humanbereich.

Was wir brauchen, sind Tierhaltungssysteme, die den prophylaktischen Einsatz überflüssig machen und die vor allem die Verwendung als Wachstumsförderer ein für alle mal stoppt. Auch der Einsatz der lebensrettenden Reserveantibiotika muss in der Tiermast untersagt werden. Das heißt: Massentierhaltung beenden und agrarpolitisch auf Klasse statt Masse setzen. Europa darf sich nicht weiter zum Billiglieferanten für fragwürdige Fleischexporte machen. Das schadet allen und nur so ist das Problem wachsender Resistenzen in den Griff zu bekommen. – in Europa und weltweit.“

08.12.2019

Bessere Berücksichtigung von Umweltrisiken im europäischen Tierarzneimittelrecht gefordert

Bericht von der Veranstaltung des Umweltbundesamtes in der NRW-Landesvertretung am 04.03.2015
Am 04.03.2015 fand in der NRW-Landesvertretung eine Veranstaltung des Um-weltbundesamtes und der Finnish Safety and Chemicals Agency zu Umweltrisiken von Tier-arzneimitteln statt. Damit wurde die Diskussion über die verstärkte Integration von Umweltas-pekten in die neue EU-Tierarzneimittel-Verordnung eröffnet.

150304 Umweltrisiken im Bereich Tierarzneimittel 8x

Von links nach rechts:
Mathilde Harvey (Rapporteur for European procedures, French National Agency for Veterinary Medecinal Products (Anses - ANMV); Thomas Heberer (BVL); Prof. Thomas Backhaus (University of Gothenburg); Martin Häusling (MdEP); Helen Clayton (EU Commission, Directorate-General for the Environment); Ariane van der Stappen (European Commission, Directorate-General for Health and Consumers); Dr. Wolfgang Seidel (UBA/German Environment Agency)

Kompletter Bericht(entnommen aus dem EU-Wochenbericht der NRW-Landesvertretung)

Präsentation von Martin Häusling: Umwelteinwirkungen von Tierarznei

08.12.2019

Ekelfleisch aus Übersee: EU-Kommission muss Konsequenzen aus US-Fleischskandal ziehen

Vor dem Hintergrund von Enthüllungen über katastrophale Zustände in der US-amerikanischen Fleischindustrie verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europaparlament und Mitglied im EU-Umweltausschuss, Konsequenzen für den Import von Fleisch aus den USA in die EU:

„Es sind ekelhafte Zustände in der US-amerikanischen Fleischerzeugung, über die die britische Tageszeitung The Guardian aus bislang unveröffentlichten US-amerikanischen Regierungsdokumenten heute berichtet. Offenbar tragen Schlampereien, sorgloser Umgang mit kranken Tieren, mangelhafte Hygiene und eine Verseuchung mit Fäkalien in der Fleischproduktion dazu bei, dass jeder siebte US-Amerikaner jedes Jahr an einer Lebensmittelinfektion erkrankt. Das ist erheblich mehr als bei uns in Europa und nicht hinnehmbar.
Das kommt dabei heraus, wenn man den Verbraucherschutz nicht ernst nimmt und die Landwirtschaft bis in den letzten Winkel industrialisiert.
Da nicht ausgeschlossen ist, dass derart produziertes Fleisch aus den USA auch nach Europa gelangt, erhebt sich die Frage, welche Konsequenzen die EU nun unternimmt. Besorgniserregend ist vor allem der Umstand, dass diese unhaltbaren Zustände offenbar schon Jahre anhalten und unter Umständen auch den EU-Behörden wenigstens ansatzweise bekannt sein müssten.
Aus meiner Sicht muss die Kommission jetzt ernsthaft über Import-Beschränkungen für Schweine-, Hühner- und Rindfleisch aus den USA nachdenken.
Wenn sich bestätigt, dass die Zustände schon länger bestehen, muss die Kommission in jedem Fall umfassender reagieren, als beim brasilianischen Gammelfleischskandal. Damals verhängte die EU nur für einzelne Betriebe einen Importstopp. Die EU muss die Verbraucher vor Ekelfleisch aus Übersee wirksam schützen!“

08.12.2019

EU-Tierarzneimittelverordnung ab Herbst 2018 in Kraft

Am 5.6. haben sich das Europäische Parlament, der Europäische Rat und die Europäische Kommission im Rahmen der sogenannten Trilog-Verhandlungen auf die neue EU-Tierarzneimittelverordnung geeinigt, an denen ich als grüner Verhandlungsführer für das Europäische Parlament beteiligt war. Diese Verordnung wird ab Herbst 2018 in Kraft treten und eine bisherige EU-Richtlinie ersetzen.

08.12.2019

Exzessiven Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung endlich beenden!

Die neusten veröffentlichten Daten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigen dringenden Handlungsbedarf. Dem maßlosen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden,  so der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen, Martin Häusling:

„Die vorgelegten ausgewerteten Zahlen des BVL belegen ganz eindeutig: Wir brauchen endlich eine Gesetzgebung in Deutschland und Europa, die den übermäßigen  Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung eindämmt.
Es ist nicht zu tolerieren, dass im Jahr 2011 alleine im Kreis mit der Postleitzahl 49, also in den Hochburgen der Massentierhaltung in der intensiven Mast (u.a. Osnabrück, Münster Vechta) etwa ein Drittel der gesamten Antibiotikamenge ‑ ca. 700 Tonnen ‑ verabreicht wird (siehe Karte).
Über die Datenerfassung hinaus brauchen wir einen Reduktionsplan wie in Dänemark oder den Niederlanden, der Reduktionsziele verbindlich festschreibt. Zum anderen muss die Verschreibungspraxis der Tierärzte überprüft werden.

08.12.2019

Haltungsbedingungen verbessern anstatt Medikamentierung von Nutztieren vereinfachen!

Brüssel - Zum Reformpaket zum EU-Recht zu Tierarzneimitteln und Arzneifuttermitteln erklärt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

„Als Schattenberichterstatter im Agrarausschuss und im Umweltausschuss werde ich mich dafür einsetzen, dass die Verordnungsvorschläge die richtigen Prioritäten setzen. Bislang liegt der Schwerpunkt zu sehr auf den Verkaufsinteressen der Pharmaindustrie und nicht darauf, die Verabreichung von Arzneimitteln – auch Antibiotika - möglichst zu verringern.
Antibiotikaresistenzen sollen eingedämmt werden durch das Verbot, Arzneifuttermittel präventiv oder als Wachstumsförderer zu verwenden.
Die Verabreichung von Antibiotika als Futterzusatz, statt als Arzneimittel gezielt per Spritze oder Pille, erreicht immer größere Gruppen von Tieren und muss daher generell ausgeschlossen werden, denn sie beschleunigt die Resistenzbildung enorm. Arzneimittel haben im Futter als genereller Zusatz nichts verloren.
Die Einschränkung des Einsatzes von für die menschliche Behandlung wichtigen Reserveantibiotika reicht nicht, der Einsatz muss verboten werden.
Insgesamt muss viel mehr an den Ursachen für Erkrankungen gearbeitet werden: Einheitliche Genetik, Hochleistungszucht und zu enge Haltungsbedingungen.
Wir brauchen robuste Rassen statt maximaler Leistung, mehr Auslauf für die Tiere und eine Verringerung der Viehdichte.“


Briefing zum Reformpaket: hier.

08.12.2019

Mitschnitt der Veranstaltung zur Studienvorstellung "Masse statt Klasse"

150513 VA HBS Antibiotika 2Wider jede Vernunft - Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

Podiumsdebatte mit anschließender Publikumsdiskussion und Vorstellung der Studie „Masse statt Klasse – Eine Haltung, die krank macht“

Mittwoch, 13. Mai 2015, 18.00 bis 21.00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Studie zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, 2015
Birkel K. 2013: Masse statt Klasse. Eine Haltung, die krank macht. Über den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und die Zunahme von resistenten Bakterien.
Aktualisierte Auflage 2015
http://www.martin-haeusling.eu/images/BroschuereAntibiotika_Neu2015_WEB.pdf

 

Studie zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, 2013
Birkel K. 2013: Masse statt Klasse. Eine Haltung, die krank macht. Über den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und die Zunahme von resistenten Bakterien.
http://www.martin-haeusling.eu/images/publikationen/130622_BroschuereAntibiotika_END.pdf

Diese Studie entstand anlässlich des Berichtes des Europäischen Parlaments zum Kampf gegen Antibiotikaresistenzen für den Martin Häusling Berichterstatter einer Stellungnahme (Opinion) im COMAGRI war.

08.12.2019

Tierarzneimittel: Verbrauchergesundheit wichtiger als erleichterter Marktzugang!

Brüssel -  Die Vorschläge der EU-Kommission für ein neues  Tierarzneimittelrecht gehen nach Ansicht des agrarpolitischen Sprechers der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling, am Hauptproblem, der ausufernden Antibiotika-Anwendung, vorbei:
„Statt sich endlich um eine Eindämmung des Antibiotika-Verbrauchs zu kümmern und damit das aktuelle Kernproblem zu lösen, will die Kommission die Zulassungs-bestimmungen für neue Tierarzneimittel lockern. Die Behauptung, es gebe zu wenig Mittel, aber ist nicht belegt und trifft aus meiner Sicht auch gar nicht zu.
Die Probleme, die wir in der Tierhaltung haben, sind ganz anders gelagert und hängen fast immer mit den Antibiotika zusammen: Das völlig unambitionierte Tierarznei-mittelpaket der Kommission will zwar die Anwendung von Reserve-Antibiotika, die für die Behandlung von Menschen oft der letzte Rettungsanker sind, zurückdrängen. Aber die Vergabe dieser Mittel im Stall will die EU-Kommission nicht verbieten, sondern allenfalls einschränken. Ihre Vorschläge zu diesem Punkt sind schwammig, denn sie lassen jede Menge Ausnahmen zu. Reserve-Antibiotika haben aus meiner Sicht in der Tierhaltung nichts zu suchen und müssen allein der Behandlung kranker Menschen vorbehalten bleiben.
Ungelöst ist zudem das Problem der prophylaktischen Vergabe von Antibiotika. Denn das Verbot der vorbeugenden Anwendung wird in der Praxis kaum kontrolliert. Nach wie vor werden zwei Drittel der Antibiotika im Tierbereich, nur ein Drittel in der Humanmedizin eingesetzt. Allein dieses Missverhältnis zeigt, dass dringend gegengesteuert werden muss.
Dazu gehört das Ende der Metaphylaxe, wenn, weil ein Schwein krank ist, alle anderen 999 gesunden Tiere im Stall ebenfalls medikamentös behandelt werden, obwohl die Masse der Tiere die Arznei gar nicht benötigt. Mit dieser unnötigen Praxis muss Schluss sein. Es muss die individuelle Behandlung des Tiers auch in großen Ställen möglich sein. Denn die mögliche Massenbehandlung an sich gesunder Tiere ist das Einfallstor  für Missbrauch.“

08.12.2019

Tierarzneimittel: Weniger Antibiotika und Stärkung von Homöopathie

Straßburg -  Das Europäische Parlament hat an diesem Donnerstag über die neue EU-Verordnung für Tierarzneimittel abgestimmt. Dabei geht es um den Umgang mit Antibiotika in der Tierhaltung. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion kommentiert:
 
"Um Antibiotikaresistenzen effektiv zu begrenzen, müssen alle EU-Mitgliedsländern zusammenarbeiten. Resistente Keime machen nicht an Ländergrenzen halt. Antibiotika-Einsatz muss in der Tierhaltung konkret vorliegenden Krankheitsfällen vorbehalten bleiben und darf keineswegs genutzt werden, falsche Haltungsbedingungen auszugleichen.  Der Grünen/EFA-Fraktion ist es gelungen, dass den Vorbeugemaßnahmen zum Antibiotikaeinsatz ein höherer Stellenwert eingeräumt wird. Die vorsorgliche Antibiotikabehandlung ganzer Herden wird nur noch in wenigen Ausnahmefällen erlaubt. Eine EU-weite Datenerhebung zum Verkauf und zur Verwendung antimikrobieller Tierarzneimittel wie vom Europäischen Parlament gefordert, kann darüber hinaus helfen, den Antibiotikaeinsatz einzudämmen.
 
Hersteller müssen in Zukunft auch prüfen, ob die Herstellung und Verwendung von Arzneimittel negative Auswirkungen auf die Umwelt hat wie zum Beispiel Wasserverschmutzung oder die Freisetzung gefährlicher Substanzen. Die Herstellung muss dann entsprechend angepasst werden. Für die meisten Krankheiten gibt es Alternativen zu Antibiotika. Es ist gut, dass die Mehrheit der Abgeordneten dem grünen Änderungsantrag gefolgt ist und homöopathischen Tierarzneimitteln in der EU-Verordnung keine erschwerten Anwendungsbedingungen auferlegt wurden."


 
Briefing von Martin Häusling zum Thema: http://www.martin-haeusling.eu/images/160217_2.Briefing_zum_Stand_des_EU-Tierarzneimittelpakets_Februar_2016_FINAL.pdf
 
Redebeitrag von Martin Häusling in der gestrigen Aussprache zur Verordnung: http://www.europarl.europa.eu/sides/getVod.do?mode=unit&language=DE&vodId=1457550881174

08.12.2019

Trilog Tierarzneimittel abgeschlossen: Antibiotika für Tiere strenger geregelt

Gestern Nacht wurden die Trilog-Verhandlungen über die neue EU-Verordnung zu Tierarzneimittel abgeschlossen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss war der zuständige grüne Verhandlungspartner für die neuen Regelungen. Er kommentiert:

„Antibiotikaresistenzen sind eine der drängendsten globalen Gefahren. Dabei spielt der falsche und häufige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung eine große Rolle. Mit der neuen Verordnung für Tierarzneimittel haben wir jetzt ein Rechtsmittel an der Hand, die Verwendung von Antibiotika zu beschränken. Es ist ein großer Erfolg, dass Reserveantibiotika künftig den Menschen vorbehalten sein sollen. Auch der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird in der Zukunft nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich sein.
Umfassendes Datenmaterial zum Verkauf und zur Verwendung von Antibiotika sind ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den übermäßigen Antibiotika-Einsatz. Nur so können wir gezielt ansetzen. Uns Grünen ist es gelungen, dass die neue Verordnung die Datenerhebung zur Verwendung von antimikrobiellen Arzneimitteln per Bauernhof vorschreibt.
Wenig erfreut bin ich davon, dass sich die Mehrheit der Verhandlungspartner nicht darauf eingelassen hat, die Umweltauswirkungen der Arzneimittel und ihrer Herstellung zu reglementieren. So haben wir die Chance verpasst, Wasserverschmutzung oder die Freisetzung gefährlicher Substanzen einzudämmen“.


Weitere Infos folgen in einem Briefing in den nächsten Tagen.

Hintergrundinfos:

Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket

2. Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket

3. Briefing vom 14.06.2018: EU-Tierarzneimittelverordnung aus grüner Sicht

Studie: https://www.martin-haeusling.eu/images/BroschuereAntibiotika_Neu2015_WEB.pdf

08.12.2019

Umweltausschuss gibt Richtung vor: Antibiotika-Einsatz zurückfahren ist möglich!

Brüssel - Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments wird am heutigen Nachmittag[1] seine Position zur neuen EU-Tierarzneimittelverordnung abstimmen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und verantwortlicher Grüner in den Verhandlungen, kommentiert:

„Uns Grünen ist es in den Verhandlungen für einen Gesetzesvorschlag im vergangenen Jahr gelungen, wichtige Verbesserungen zum Kommissionsvorschlag zu erreichen. Wenn die Abstimmung läuft wie erwartet, dann bestehen nun konkrete Vorgaben, wie der Antibiotikamissbrauch in der Tierhaltung eingeschränkt werden kann.

Klar ist für uns, und dem wird sich die große Mehrheit des Ausschusses voraussichtlich anschließen: Antibiotika dürfen keinesfalls prophylaktisch verabreicht werden. Auch die Herdenbehandlung mit Antibiotika darf nur allerletztes Mittel der Wahl sein[2]. Wir Grünen haben detaillierte Vorgaben für eine Vorbeugung von Krankheiten ausgearbeitet. Sie basiert nicht auf Medikamenten, sondern stellt die Abschaffung falscher Haltungssysteme in den Fokus. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Antibiotika oft nur deshalb verabreicht werden, um schlechte Tierhaltungssysteme auszugleichen. Das muss unterbunden werden.
Fortschritte haben wir auch bei der Verwendung von Reserveantibiotika erreicht. Die meisten dieser Arzneien sollen künftig den Menschen vorbehalten bleiben und nicht mehr für Tiere genutzt werden können[3].

Zudem wird es künftig schwerer sein, Tieren Antibiotika zu verabreichen, die nicht zuvor von einem Tierarzt untersucht worden sind. Auch der Online-Handel ist für Antibiotika nicht zugelassen.

Das Monitoring wird ebenfalls verbessert: Die EU-Mitgliedsländer werden verpflichtet, detaillierte Informationen zum Verkauf und der Verwendung antimikrobieller Tierarzneimittel zu erheben. Diese werden an zentraler Stelle analysiert und sollen ermöglichen, dass die Antibiotika-Eindämmung europaweit geschieht.

Der Gesetzesvorschlag beinhaltet überdies detaillierte Vorgaben zur Reduzierung von negativen Umweltauswirkungen durch Arzneimittel. Danach müssen Medikamente vor ihrer Zulassung eine Umweltprüfung durchlaufen. Dies betrifft auch Tierarzneimittel, die bereits

länger auf dem Markt sind. Kommt es trotzdem zu negativen Umweltauswirkungen, so muss dies europaweit bekannt gegeben werden. Das Europäische Parlament ist sich in diesem Punkt

mit der Kommission einig, dass Zulassungen für Tierarzneimittel überprüft werden müssen, wenn es zu Umweltschäden gekommen ist. Leider haben die anderen Fraktionen unsere Idee nicht mitgetragen, wonach die Umweltauswirkungen auch bei der Produktion von Tierarzneimitteln berücksichtigt werden sollen.

Nachholbedarf besteht weiter bei alternativen Behandlungsmethoden wie etwa der Homöopathie. In der Abstimmung heute werden nur wenige Artikel dazu abgestimmt, die fast alle von den Grünen stammen. Wir hoffen darauf, dass es in diesem Punkt vor der Plenarabstimmung im Sommer Nachbesserungen geben wird. Es ist für uns Grüne wichtig, dass die neue Tierarzneimittelverordnung alternative Heilmittel nicht vom Markt verdrängt.

Ich appelliere an den Ministerrat, seine Verhandlungen ebenfalls zügig abzuschließen, damit wir die neue Verordnung so bald wie möglich fertig stellen können. Die Eindämmung von Antibiotika duldet keinen Aufschub!“

Link zum Briefing

 


[1] 16.30 Uhr, livestream: http://www.europarl.europa.eu/ep-live/de/committees/schedule?committee=ENVI

[2]zur Prophylaxe gibt es Ausnahmen, die von der EMA festgelegt werden; Herdenbehandlung (Metaphylaxe) darf nur auf Rezept und nach Ergreifen aller präventiver Maßnahmen verabreicht werden - Details siehe im Briefing von Martin Häusling zum Thema

[3] die WHO legt fest, welche Reserveantibiotika dies sind

08.12.2019

Was steckt im EU-Tierarzneimittel-Paket?

Im September 2014 hat die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit insgesamt drei Verordnungsvorschläge für Tierarzneimittel und Arzneifuttermittel verabschiedet. Diese werden in den nächsten Monaten im Agrar- (Arzneifuttermittel) bzw. Umweltausschuss (Tierarzneimittel) diskutiert. Als Schattenberichterstatter im Agrar-und Umweltausschuss werde ich mich dafür einsetzen, dass die Verordnungsvorschläge die richtigen Prioritäten setzen. Bislang liegt der Schwerpunkt zu sehr auf den Verkaufsinteressen der Pharmaindustrie und nicht darauf, die Verabreichung von Arzneimitteln möglichst einzudämmen.
Insgesamt muss in diesem Zusammenhang das Ziel sein, Ursachen- statt Symptombekämpfung zu betreiben: Robuste Rassen statt maximaler Leistung, mehr Auslauf für die Tiere und eine Verringerung der Viehdichte kämen der Tiergesundheit zugute und würden die Arzneimittel-Verabreichung stark verringern. Gerade die Verabreichung als Futterzusatz, stellt, die mit Abstand am wenigsten spezifische Behandlungsform dar und muss daher für Antibiotika ganz ausgeschlossen werden.

08.12.2019

Wider jede Vernunft - Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

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Wider jede Vernunft - Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

Podiumsdebatte mit anschließender Publikumsdiskussion und Vorstellung der Studie „Masse statt Klasse – Eine Haltung, die krank macht“

Mittwoch, 13. Mai 2015, 18.00 bis 21.00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin