Stellen Sie sich vor: Schädliche Chemikalien, die, einmal in die Umwelt gelangt, nie wieder verschwinden. Sie reichern sich im Boden, im Wasser, in Tieren und schließlich auch in uns Menschen an – unbemerkt, unsichtbar,
aber mit langfristigen Folgen. Genau das geschieht mit den sogenannten PFAS, einer großen Gruppe von Industriechemikalien, die auch als „Ewigkeitschemikalien“ oder „Ewigkeitsgifte“ bezeichnet werden.
Lange Zeit war vor allem von beschichteten Pfannen, Outdoor-Jacken oder Löschschaum die Rede, wenn es um PFAS ging. Heute wissen wir jedoch: Das Problem ist noch größer. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass auch in der Landwirtschaft eine erhebliche Belastungsquelle liegt. Bestimmte Pestizide enthalten PFAS-Verbindungen, darunter Trifluoressigsäure (TFA), diebesonders langlebig ist. Mit jedem Einsatz gelangen diese Stoffe großflächig in unsere Umwelt, wo sie sich dauerhaft anreichern und schließlich in unsere Nahrungskette übergehen.
Die Folgen sind vielschichtig: PFAS können das Hormonsystem beeinträchtigen, das Krebsrisiko erhöhen und das Immunsystem schwächen. Gleichzeitig geraten Ökosysteme durch die ständige Belastung zunehmend unter Druck. Besonders kritisch ist dabei die Kombination aus Allgegenwärtigkeit und Beständigkeit – jede Ausbringung von PFAS-haltigen Pestiziden bedeutet eine dauerhafte Belastung für kommende Generationen.
Für die Europäische Union entsteht daraus eine besondere Verantwortung. Sie hat sich im Rahmen des Green Deal und der „Zero Pollution“-Strategie ambitionierte Ziele gesetzt, um Umwelt und Gesundheit zu schützen. Der Umgang mit PFAS in Pestiziden ist dabei ein zentraler Prüfstein: Bislang ist gemessen an der Dramatik des Ausmaßes viel zu wenig an verbindlicher Regulierung passiert.
Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA muss endlich ihrem Auftrag gerecht werden, unabhängig und im Sinne der Verbraucher:innen zu handeln – und darf sich nicht länger als Sprachrohr der Industrie gebären.
Diese Publikation möchte dazu beitragen, die Problematik sichtbar zu machen. Sie fasst die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu PFAS-Pestiziden zusammen, zeigt Risiken für Umwelt und Verbraucher:innen auf und präsentiert konkrete politische Handlungsoptionen. Unser Ziel ist es, die Debatte zu öffnen – über Fachkreise hinaus – und die Dringlichkeit klar zu machen, jetzt auf europäischer Ebene zu handeln.
Die Regulierung von PFAS in Pestiziden ist kein Randthema. Sie betrifft unsere Lebensmittel, unsere Gesundheit und unsere Umwelt unmittelbar. Deshalb laden wir Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft ein, die vorliegenden Erkenntnisse als Anstoß für entschiedenes Handeln zu verstehen. Gemeinsam müssen wir den „Ewigkeitsgiften“ Einhalt gebieten – damit Gesundheit und Umwelt auch für zukünftige Generationen geschützt bleiben.