In Brüssel steht eine Entscheidung an, die direkte Auswirkungen auf unseren Alltag haben kann – auch hier vor Ort: Die Regeln für sogenannte „Neue Gentechnik“ bei Pflanzen sollen gelockert werden. Doch was heißt das konkret?
Das Versprechen mit neusten Verfahren wie der Gen-Schere Pflanzen so zu manipulieren, dass sie widerstandsfähiger sind gegen Trockenheit oder Schädlinge, ist eine Verbrauchertäuschung schlecht hin. „Solche Pflanzen gibt es nicht und die versprochene Klimawirkung ist nicht da.“ so Martin Häusling, Europaabgeordneter für Die Grünen. Weiterhin plant die EU, viele dieser manipulierten Pflanzen künftig deutlich einfacher ohne umfassende Risikoprüfung auf den Markt zuzulassen.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher könnte das Folgen haben:
Nach aktuellem Stand müssten viele dieser Produkte nicht mehr als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden. Das bedeutet: Beim Einkauf wäre oft nicht mehr erkennbar, ob Lebensmittel mithilfe Neuer Gentechnik hergestellt wurden. „Ein grundlegendes Recht für VerbraucherInnen geht verloren, das Recht zu wissen, was wir essen“, so Martin Häusling, Verhandlungsführer der Grünen für die Verhandlungen am Text im Europäischen Parlament.
Auch für die Landwirtschaft in der Region geht es um viel. Häusling, Mitglied im Landwirtschaftsausschuss, befürchtet: „Patente auf veränderte Pflanzen werden zunehmen und kleinere Betriebe sowie die Vielfalt beim Saatgut gerät unter Druck.“
Für Bio-Landwirte aus der Region sieht er die Entwicklung kritisch:
„Für uns als Bio-Betriebe ist Transparenz entscheidend, denn der ökologische Landbau gilt bislang als besonders klar abgegrenzter Bereich: Kein Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen. Wenn ich nicht mehr weiß, ob Saatgut oder Lebensmittel mit Gentechnik in Berührung gekommen sind, wird es schwierig, das Vertrauen der VerbraucherInnen zu erhalten.“ so Häusling weiter.
Zugleich verweist er auf mögliche Folgen für die Praxis:
„Wenn sich gentechnisch veränderte Pflanzen unkontrolliert ausbreiten, kann das auch Auswirkungen auf benachbarte Flächen haben. Das Risiko tragen am Ende die Betriebe vor Ort.“
Auch zivilgesellschaftlich regt sich Widerstand:
Unter dem Motto „Geschwärzte Zutaten – Gen-editierte Lebensmittel kennzeichnen!“ haben europäische Umwelt- und Bio-Organisationen eine Kampagne gestartet. Ziel ist es, auf die mögliche fehlende Kennzeichnung aufmerksam zu machen und Verbraucherinnen und Verbraucher zu informieren. Jede Interessierte kann Informationen erhalten und selbst aktiv werden.
Wie geht es weiter?
Die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten gilt als wahrscheinlich. Der nächste entscheidende Schritt folgt am 19. Mai im Europäischen Parlament. Dort wird über den Gesetzestext abgestimmt – und möglicherweise noch Änderungen eingebracht. Die kommenden Wochen sind daher entscheidend für die Zukunft unserer Lebensmittel – auch hier in der Region.