Heute öffnet die weltgrößte Bio-Lebensmittelmesse BIOFACH in Nürnberg. Martin Häusling, Bioland-Landwirt und EU-Abgeordneter der Grünen Fraktion in den Ausschüssen für Landwirtschaft, Umwelt und Gesundheit, kommentiert die Lage des Bio-Sektors:

„Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in Europa wächst – und trotzdem geht die Umstellung auf ökologischen Landbau zurück, gerade in Deutschland. Das ist absurd und Ausdruck politischer Kurzsichtigkeit.


Wer heute auf Ökolandbau umstellen will, braucht Planungssicherheit, verlässliche Förderung und funktionierende regionale Märkte. Es wird immer wieder behauptet, konservative Parteien stünden für gute Wirtschaftspolitik. In Wahrheit lässt die aktuelle Landwirtschaftspolitik einen riesigen Markt einfach liegen. Statt gezielt in einen wachsenden Zukunftsmarkt zu investieren und gleichzeitig Ökosysteme zu stabilisieren, wird weiter auf Export, Masse und Preisdruck gesetzt – auf Kosten von Umwelt, Tierwohl und regionaler Wertschöpfung im Inland.

Der deutsche Aktionsplan für den ökologischen Landbau muss auch ausreichend finanziell unterlegt sein. Besonders bei der Öko-Tierhaltung, bei Sonderkulturen sowie bei Forschung und Bildung fehlt es an klaren Schwerpunkten und an echter finanzieller Unterlegung.

Weiterhin hapert es bereits an den Lehrplänen, denn der Ökolandbau ist an vielen Ausbildungsstätten nur ein Randthemen. Für eine flächendeckende Transformation müssen Lehrinhalte zum Ökolandbau fest in den Lehrplänen verankert werden.

Auch die landwirtschaftlichen Beratungen sind nicht ausreichend auf die Anforderungen des Ökolandbaus (z. B. geschlossene Nährstoffkreisläufe, Verzicht auf synthetische Pestizide) geschult.

Wenn wir es ernst meinen mit Bio, dann müssen Förderkriterien endlich so gestaltet werden, dass sie ökologische Produktion und Lebensmittelhandwerk im Inland stärken, statt industrielle Strukturen für den Weltmarkt zu subventionieren. Das wäre Klima- und Umweltschutz, kluge Wirtschaftspolitik und aktive Stärkung der ländlichen Räume aus einem Guss.

Für den Bio-Sektor ist der Vorschlag für die GAP nach 2027 fatal. Sollten die 2. Säule und bewährte Länderprogramme einer Renationalisierung und einem Unterbietungswettbewerb zum Opfer fallen, gefährdet das die Zukunftsperspektiven von an langfristigen Zyklen und an Kreislaufwirtschaft ausgerichteten Bio-Betrieben am allermeisten.

Die geplante Gentechnik-Deregulierung mutet Bio-Betrieben einiges zu: ohne verpflichtende Kennzeichnung von gentechnisch-veränderten Pflanzen und ihren Erzeugnissen, fehlt den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Information über dieses mögliche Alleinstellungsmerkmal und somit auch eine zentrale Entscheidungsgrundlage für ihren Kauf und Verzehr. Dieser Verlust von Transparenz untergräbt auch Vertrauen und gefährdet die Existenzgrundlage vieler Bio-Betriebe, Verarbeiter und Händler.

Europa braucht eine Landwirtschaftspolitik, die Nachfrage, Umweltziele und wirtschaftliche Perspektiven zusammendenkt. Der ökologische Landbau ist zentraler Baustein für Klimaresilienz, Ernährungssicherheit, Umweltschutz und regionale Wertschöpfung. Dieses Potenzial weiter zu verspielen, können wir uns schlicht nicht leisten.“

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