Wo stehen wir – und worum geht es?

In den kommenden zwei Monaten entscheidet sich, ob die EU ihre Regeln für gentechnisch veränderte Pflanzen grundlegend lockert. Sollte das Europäische Parlament den Ergebnissen der laufenden Verhandlungen in den beiden noch ausstehenden Abstimmungen zustimmen, würden für sogenannte „Neue Genomische Techniken“ ([1]NGTs) – also neue Verfahren der Gentechnik wie CRISPR/Cas – künftig deutlich schwächere Vorschriften gelten. Ein tiefgreifender Paradigmenwechsel im europäischen Gentechnikrecht. Aus grüner Sicht geht er in die falsche Richtung: Er schwächt das Vorsorgeprinzip, gefährdet Transparenz und Biodiversität und stärkt die Macht großer Saatgut- und Chemiekonzerne.

Befürworter der Gentechnik-Deregulierung behaupten, dass neue Gentechnikverfahren schneller klimaresistente Pflanzen hervorbringen, den Pestizideinsatz reduzieren und die Landwirtschaft an die Folgen der Klimakrise anpassen könnten. Zudem führen sie an, dass Europa im internationalen Wettbewerb mit Ländern wie den USA oder China innovationsfähig bleiben müsse. ABER: viele dieser Versprechen sind bislang rein spekulativ. Die eigentlichen Probleme der Landwirtschaft – etwa Monokulturen, Verlust der Biodiversität, Bodendegradation und wirtschaftlicher Druck auf Bauernhöfe – werden so nicht gelöst werden können. Aus grüner Sicht braucht Europa statt einer Deregulierung der Gentechnik vor allem eine agrarökologische Transformation mit mehr Vielfalt auf den Feldern, resilienten Ökosystemen, weniger Pestiziden, regionalen Wertschöpfungsketten und einer Landwirtschaft, die innerhalb planetarer Grenzen wirtschaftet.

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