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Neues Deutschland / Wirtschaft und Umwelt  / Von Haidy Damm

Messe stand im Zeichen der EU-Ökoverordnung
 Am Wochenende ging die Ökomesse Biofach in Nürnberg zu Ende. Politisch stand die Ablehnung der Revision der EU-Ökoverordnung oben auf der Tagesordnung.

Mit 44 000 Fachbesuchern ist die Biofach die weltgrößte Messe der Branche. Zwischen veganer Kosmetik, Steaks aus Tofu oder Lupinen, Milch aus Mandeln, Soja oder von der Bio-Kuh wurden in Nürnberg auch politische Themen verhandelt. Besonders die von der EU-Kommission angestrebte Totalrevision der EU-Ökoverordnung ist der Branche seit längerem ein Dorn im Auge. Ihr Protest scheint Früchte zu tragen.
 

 Die Ökoverordnung entstand 1992. Dass sie überarbeitet werden muss, sind sich alle einig. Doch die bisherigen Vorschläge lehnt die Branche ab. »Den aktuell positiven Trend darf die Politik nicht durch falsche Maßnahmen abwürgen«, forderte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Branchenverbandes Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft. Unterstützung kommt jetzt aus der Politik. So appellierte die niederländische Landwirtschaftsministerin, Sharon Dijksma, an EU-Kommissar Phil Hogan: »Ich bitte Dich, Phil: Lege einen neuen Vorschlag vor.« Die Niederlande exportieren Bioprodukte im Umfang von rund einer Milliarde Euro. »Weniger und einfachere Regeln sind dabei ein Muss, denn die Bauern sollen Bauern und keine Buchhalter sein«, erklärte Dijksma.

 Hogan erklärte sich bereit, den Vorschlag wie angekündigt zurückzuziehen, wenn bis Mitte 2015 keine Einigung erzielt werde. In seine Richtung zielte auch das Ergebnis eines Treffens am Rande der Messe zwischen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und dem grünen Europa-Abgeordneten Martin Häusling, Berichterstatter im Parlament zur geplanten Revision. Man stimme in den wesentlichen Punkten überein, hieß es. In der Kritik stehen besonders Pestizidgrenzwerte für Ökoprodukte, die durch konventionell arbeitende Nachbarbetriebe entstehen. »Damit wird die Ökoproduktion erschwert, und Dörfer werden zu juristischen Kampfzonen«, erklärte Häusling. In den nächsten Monaten wollen sowohl der Europäische Rat als auch das Europaparlament ihre Standpunkte zum Kommissionsvorschlag erarbeiten, um diese dann im Trilog mit der Kommission zu verhandeln.

 Die Biobranche in Deutschland setzt so viel Geld um wie nie, ist aber weit vom angestrebten Ziel von 20 Prozent der Produktion entfernt. Ein vom Landwirtschaftsminister angekündigter »Zukunftsplan Öko« reicht der Opposition nicht. »Wenn Christian Schmidt jetzt erst mal zwei Jahre lang an einer Zukunftsstrategie für den Ökolandbau tüfteln will, verschenkt er viel zu viel Zeit«, kritisierte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Er forderte, die Bundesregierung müsse besonders im Forschungsbereich zulegen. »Während hunderte Millionen in konventionelle Forschung und Bioökonomie fließen, muss die Ökoforschung derzeit mit einem Bruchteil davon auskommen.«

 Neben Bioprodukten finden auch fair gehandelte Produkte in Deutschland zunehmend Anklang, 2013 lag der Umsatz bei 650 Millionen Euro. Damit liege man beim Absatz nach Großbritannien international auf Platz zwei, sagte der Geschäftsführer des Transfair-Vereins, Dieter Overath. Der Anteil von Waren mit Fairtrade-Siegel, die zugleich Biostandards erfüllen, stieg demnach im vergangenen Jahr von zwei Dritteln auf drei Viertel.

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