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Badische Zeitung - Fachdiskussion im Landhof Rothaus mit dem Grünen Agrarexperten und Europaabgeordneten Martin Häusling.  

BREISACH-GÜNDLINGEN (kff). Der EU-Parlamentarier Martin Häusling war Gast einer Fachdiskussion zur europäischen Agrarpolitik, die bei Frank und Sylvia Hinterseh vom Hofladen des Landhofes Rothaus stattfand.

 Der Politiker ist landwirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen Europafraktion und stellte sich in Gündlingen den Fragen von mehreren Landwirten und Winzern aus der Region, von denen die meisten ökologischen Landbau betreiben oder Biolandbetriebe bewirtschaften. Häusling war auf Einladung der Freiburger Bundestagsabgeordneten der Grünen, Kerstin Andreae, in die Region gekommen.

 Der Agrarexperte nannte die in Brüssel und dem Straßburger Europa-Parlament geführten Diskussionen um die neue Agrarreform spannend, aber auch ernüchternd. Landwirtschaftliche Kleinbetriebe müssten sich ganz andere Gedanken um Vermarktung, Regionalität und Wertschöpfung ihrer Erzeugnisse machen, als agrarindustriell aufgestellte Großbetriebe. Zwischen der Landwirtschaftsstruktur, beispielsweise in Nordostdeutschland und der kleinräumigen bäuerlichen Gliederung im Südwesten lägen Welten, sagte Häusling. Bei den Förderrichtlinien für die Agrarbetriebe in den EU-Ländern fände dies keine ausreichende Berücksichtigung. Häusling äußerte Verständnis für die Kritik, dass immer noch 40 Prozent der EU-Gelder für die Förderung der Landwirtschaft ausgegeben werden. "Das muss man den Wählern gut erklären können, angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50 Prozent in manchen Mitgliedsstaaten der Union", räumte der Politiker ein und sprach sich für einen schrittweisen Abbau der Agrarsubventionen aus.

Sorgen bereiten Häusling rückläufige Zahlen von Neueinsteigern in den ökologischen Landbau. Die Wertschöpfung in diesem Bereich hänge sehr vom Markt für konventionell hergestellte Agrarprodukte ab. "Der Bio-Markt boomt, aber das geht an den Bauern vorbei", so der Europa-Abgeordnete, der selbst einen Biobauernhof in seiner nordhessischen Heimat betreibt. Anreize für junge Landwirte, ökologische Landwirtschaft zu betreiben, könnten durch eine Besteuerung chemischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel erreicht werden, glaubt der Parlamentarier der Grünen.

Bauern haben nichts vom Boom auf dem Bio-Markt

 Als Erfolg des EU-Parlaments sieht Häusling die Verhinderung der Aufhebung des Anbaustopps für Reben. "Die Weinmarktordnung bleibt erhalten und wird in Weinbaurecht umgewandelt, der Anbaustopp gilt weiter bis zum Jahr 2030, die Ausweitung der Weinanbauflächen wurde auf lediglich 1 Prozent begrenzt, damit ist die Deregulierung des europäischen Weinmarktes vom Tisch", fasste der Agrarexperte der Grünen zusammen.

 Die Fachdiskussion, an der sich neben Landwirten auch einige interessierte Verbraucher beteiligten, behandelte darüber hinaus auch Themen wie Grünlandschutz, Genmais, das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA sowie die Begriffsbestimmung Regionalität in Bezug auf landwirtschaftliche Erzeugnisse.

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