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Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-12/chlorpyrifos-insektizid-verbot-eu-pestizide

Autor*in: Redaktion / Die Zeit vom 6. Dez 2019

 

Chlorpyrifos darf in Deutschland und mehreren EU-Ländern bereits nicht mehr eingesetzt werden. Damit behandeltes Obst gelangt aber über den Import weiter in den Handel.

Die EU-Kommission hat den Einsatz des Insektizids Chlorpyrifos verboten. Wie ein Sprecher mitteilte, wird die im Januar auslaufende Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels nicht verlängert. Das habe der zuständige Ausschuss entschieden. Damit folgte die Kommission einer Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die vor Gefahren besonders für Kinder warnt.

Chlorpyrifos, das im Obstanbau und besonders bei Zitrusfrüchten eingesetzt wird, darf in Deutschland und in sieben anderen EU-Ländern bereits seit einigen Jahren nicht mehr verwendet werden. Auch im US-Bundesstaat Kalifornien ist es seit Kurzem verboten. Besonders in Südeuropa sowie in Drittstaaten werden aber weiterhin Obstplantagen damit behandelt. Über den Import gelangen entsprechende Früchte dann auch in Deutschland in den Handel.

Die Efsa hat ihre Untersuchungen zu dem Mittel noch nicht abgeschlossen. Die Kommission hatte die Behörde aber wegen der auslaufenden Zulassung um eine Stellungnahme zu bereits vorliegenden Ergebnissen gebeten. Die EU-Agentur bescheinigte Chlorpyrifos daraufhin "mögliche genotoxische sowie neurologische Auswirkungen" und außerdem Gefahren für die menschliche Gesundheit. Demnach könnten sich Rückstände des Giftes äußerst negativ auf die Entwicklung von Kindern auswirken.

Grüne fordern umfassende Reform des Zulassungsverfahrens

Die mehrheitlich getroffene Entscheidung im Ausschuss muss noch formell bestätigt werden. Die EU-Mitgliedstaaten dürfen dann eine dreimonatige Übergangsphase erlauben, um in den jeweiligen Ländern alle Produkte zurückzunehmen und aus den Lagern zu entfernen, die den Wirkstoff Chlorpyrifos enthalten. Anschließend dürften keine solchen Mittel mehr auf den Markt gelangen oder in der EU angewendet werden, sagte der Sprecher.

Der Grünen-Europapolitiker Martin Häusling sprach von einem "guten Tag für die Umwelt und die europäischen Verbraucher". Die Entscheidung komme allerdings "15 Jahre zu spät", ein solches Mittel hätte "niemals zugelassen werden dürfen". Sein Parteifreund Harald Ebner forderte deshalb eine "umfassende Reform" hin zu einem herstellerunabhängigen Zulassungsverfahren für Pestizide. Außerdem müsse sich die Bundesregierung für ein "weltweites Ende" von Chlorpyrifos einsetzen.

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