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Weinbau InterviewQuelle: https://stories.vrm.de/datenanalyse/wieviel-eu-steckt-im-wein/

 

Wieviel EU steckt im Wein? - Ein Interview per Messenger

 

In welchen Bereichen des Weinbaus bestimmt die EU denn die Regeln und warum?

Der Weinbau wird – genau wie der Rest der Landwirtschaft – innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik geregelt und so unterliegt er auch der Gemeinsamen Marktordnung.

Warum wird das nicht jedem Land selbst überlassen?

Die Gemeinsame Agrarpolitik ist in der EU der einzige vergemeinschaftete Politikbereich. Das macht Sinn, da so im europäischen Binnenmarkt zumindest ähnliche Wettbewerbs- und Qualitätsregeln gelten.

 

Und wenn dem nicht so wäre?

Würde jeder Mitgliedstaat das selber regeln, hätten wir sehr verzerrte Wettbewerbsbedingungen. Die in Europa angebauten Weinmengen lassen sich nur über eine gemeinsame Marktordnung so steuern, dass Preisabstürze vermieden werden.

Wie groß ist der Lobbyeinfluss in diesem Bereich?

Grob gesagt gibt es auf europäischer Ebene zwei Hauptinteressensströme, die von Interessengruppen vertreten werden. Die Weinhändler und weite Teile der EU-Kommission sind an einer Liberalisierung des Marktes und einer Ausweitung der Produktion für den Export interessiert, während die weinbauenden Mitgliedstaaten und das Parlament eher an einer mengenbegrenzenden Marktordnung und regional gestützten Qualitätsorientierung interessiert sind, da große Mengen immer auch auf die Preise drücken.

Und wie ist da zurzeit der Stand?

Nach sehr langer Diskussion haben die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament 2014 dafür gesorgt, dass die Liberalisierungsvorschläge der Kommission mit der Ausweitung der Pflanzungsrechteregelung begrenzt wurden.

Und was passiert, wenn Winzer sich nicht an die Regeln halten?

Winzer können, genau wie andere Landwirte Beihilfen gekürzt bekommen, wenn sie die Regeln der guten fachlichen Praxis verletzen. Darüber hinaus gibt es auch Strafzahlungen, wenn zum Beispiel Nachbarfelder mit Pestiziden kontaminiert werden.

Wie kontrovers wird denn generell über das Thema Wein im Parlament diskutiert?

Während der letzten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik wurden die Liberalisierungspläne der Kommission kontrovers diskutiert, wobei jedoch eine Mehrheit im Parlament immer gegen eine zu starke Ausweitung/Deregulierung der Anbaurechte für Reben war.

Welche neuen Regelungen sind auf EU-Ebene in Planung?

Aktuell soll das Kennzeichnungsrecht novelliert und vereinheitlicht werden.

Heißt das, es wird irgendwann europaweite Siegel geben, die die nationalen ablösen?

Es ist geplant, die Weinkennzeichnung mit der Kennzeichnung für „geschützte geografische Angaben“ und „geschützte Ursprungsbezeichnung“ im Lebensmittelbereich zusammen zu führen. Außerdem ist eine Kennzeichnung der Inhaltsstoffe, ähnlich wie im Lebensmittelbereich, geplant. Eine einheitliche, für den Verbraucher verständliche Regelung, ist hier sicher zu begrüßen.

Wie stehen Sie denn persönlich zu den aktuellen Regelungen?

Ich bin sehr froh, dass wir eine weitere Liberalisierung des Weinmarktes verhindern konnten. Die Europäischen Weinbauländer können im Binnen- wie im Exportmarkt nur mit Qualität punkten, nicht mit Menge. Reine Mengenproduktion geht auch immer auf Kosten der Umwelt. Daher freut es mich, dass gerade der umweltschonende Bioweinbau sich dabei im europäischen und internationalen Qualitätswettbewerb und auch in der Fläche sehr im Aufwind befindet.

Verbesserungswünsche?

Eine Vereinheitlichung der Etikettierung, die auch Nicht-Weinkennern erlaubt, Qualitäten leicht zu unterscheiden und regionale Besonderheiten Wert zu schätzen begrüße ich sehr. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Kriterien klar und wirklich qualitätsbestimmend sind, da ist bei den geschützten Angaben der EU noch Luft nach oben. Die „ geschützte geografische Angabe“ ist beispielsweise zum Schutz regionaler Produkte nur bedingt geeignet, weil hier nur eine der Produktionsstufen, die Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung Verbindung zum Herkunftsgebiet haben muss. Das ist nicht im Sinne der Verbrauchererwartung. Die Etikettierung der Inhalte sollte für Direktvermarkter nicht zu aufwendig sein und auf die für den Verbraucher interessanten Inhaltsstoffe beschränkt werden.

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