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„Schockiert“ über den „gigantischen Landschaftsverbrauch“ von 71 Hektar für ein Logistikgebiet in Neu-Eichenberg hat sich am Freitag der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling gezeigt.

Von Michael Caspar / Göttinger Tageblatt vom 18. Aug 2018

Hebenshausen. „Jeden Tag werden in Deutschland 100 Hektar Fläche trotz aller Warnungen zubetoniert“, erklärte Häusling nach einer Begehung der Fläche zwischen Hebenshausen und Eichenberg-Bahnhof. Die Bundesrepublik müsse endlich „die Wende“ schaffen. Der Klimawandel zeige, dass nachhaltiges Wirtschaften „kein Nebenthema“ sei. Die Gemeinde Neu-Eichenberg betreibe derzeit eine „Planung wie aus dem letzten Jahrhundert“.

Gemüse-Kollektiv Dorfgarten gegen das Logistikprojekt

Häusling ermutigte die rot-schwarze Mehrheit in der Gemeindevertretung, die das Projekt auf den Weg gebracht hat, ihre „falsche Entscheidung“ zu korrigieren. Das griff Simon Arbach vom Gemüse-Kollektiv Dorfgarten auf, das zwei Hektar bewirtschaftet. Die Politik dürfe sich nicht von der Angst lähmen lassen, bei einem Platzen des Projekts auf Planungskosten in Höhe von 1,2 Mio. Euro sitzen zu bleiben und die Fläche von der Hessischen Landgesellschaft für einen siebenstelligen Betrag kaufen zu müssen. Solche Summen ließen sich aufbringen, wenn es einen entsprechenden politischen Willen gebe, meinte Arbach.

Kritik an Altbürgermeister Wolfgang Fischer

„Wir Grünen haben seit Beginn der Diskussion um ein Logistikgebiet davor gewarnt, dass die Gemeinde auf den Planungskosten sitzen bleiben kann“, erklärte Karl-Heinz Riechel vom grünen Ortsverband Neu-Eichenberg. Das sei vom damaligen Bürgermeister Wolfgang Fischer (SPD) „abgetan“ worden. Durch die derzeit von der Gemeindevertretung beratenen Änderungen des seit 2009 rechtskräftigen Bebauungsplans würde der Schutz der Bürger „weiter herabgesetzt“. So würden die Hallen nun 15 statt 13,5 Meter hoch. Ein Sicht- und Lärmschutzwall entfalle, weil er „nicht ins Landschaftsbild“ passe. Die bisherigen Planungen zum Brandschutz und zur Trinkwasserversorgung überzeugten die Grünen nicht. „Fragwürdig“ sei die Anbindung des Gebiets über eine T-Kreuzung an die stark befahrene Bundesstraße 27.

Pfarrer Christian Neie-Marwede meldet sich zu Wort

Nach Einschätzung des Neu-Eichenberger Pfarrers Christian Neie-Marwede macht sich die Gemeinde mit der Abänderung „freiwillig zur Marionette eines Großinvestors“, der Dietz AG, die nach eigenen Angaben 150 Mio. Euro in Neu-Eichenberg investieren und mindestens 2000 Arbeitsplätze schaffen will. Der Lutheraner warf der Gemeindevertretung eine Politik der „Selbstzerstörung“ vor. Mehre Anwohner meldeten sich beim Treffen mit Häusling zu Wort. Sie fürchten, dass der Lärm und das Licht des Logistikgebiets, das nachts so hell „wie ein Flughafen“ leuchten werde, sie krank mache. Der Verkehr werde so zunehmen, dass Kinder nicht mehr unbeaufsichtigt draußen spielen könnten.

Gruppe Linke/Piraten/Partei im Göttinger Kreistag legt Resolutionsantrag vor

Unterdessen hat die Gruppe Linke/Piraten/Partei im Göttinger Kreistag das Thema aufgegriffen. Sie haben einen Resolutionsantrag auf den Weg gebracht. Der Kreistag solle sich gegen das Logistikprojekt aussprechen, fordert die Gruppe. Die überörtlichen Verkehre, Licht- und Lärmemissionen hätten Auswirkungen auf Teile der Gemeinde Friedland.

Quelle: http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Wirtschaft/Regional/Gruener-Europaabgeordneter-schockiert-ueber-Plaene-zum-Sondergebiet-Logistik-in-Neu-Eichenberg

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