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Süddeutsche Zeitung - Chemikalien im Essen will niemand. Die EU-Kommission versucht deswegen, für die Chemikalie Bisphenol A (BPA) einen strengeren Grenzwert vorzuschreiben/ Von Thomas Kirchner, Brüssel

Die EU-Kommission trifft auf Widerstand mit ihrem Plan, für die Verwendung der Chemikalie Bisphenol A (BPA) in Lebensmittelverpackungen lediglich einen strengeren Grenzwert vorzuschreiben. Ein parteiübergreifende Gruppe im Europäischen Parlament fordert, den Stoff für Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, komplett zu verbieten. Die Abgeordneten haben gegen den Vorschlag der Kommission einen Einspruch eingelegt, über den an diesem Donnerstag der Umweltausschuss des Parlaments abstimmt. Wird er angenommen und erhält auch im Plenum die Zustimmung von zwei Dritteln der Abgeordneten, muss die Kommission ihren Plan überarbeiten.
Über Lebensmittel kann der Stoff in den Körper gelangen

BPA wird genutzt, um Kunststoffe wie Polycarbonate oder Epoxidharz herzustellen. Daraus werden Verpackungen, Trinkflaschen, Spielzeug, Brillengläser, Thermopapiere, und auch bei der Innenbeschichtung von Konservendosen kommt BPA zum Einsatz. Über die Lebensmittel kann der Stoff in den menschlichen Körper gelangen und der Gesundheit schaden. BPA gilt als "endokriner Disruptor", der auf das Hormonsystem einwirkt. Er wird mit Herz- und Kreislauferkrankungen, Unfruchtbarkeit oder Fettleibigkeit in Verbindung gebracht. Der deutsche Hersteller Covestro (früher Bayer) hält die Verwendung von BPA im Lebensmittelbereich für unbedenklich. Weltweit werden jährlich etwa sechs Millionen Tonnen BPA produziert.

In Babyflaschen ist BPA seit 2011 verboten. Dies soll nun auch für Schnabeltassen gelten. Außerdem will die EU-Kommission die Menge, die höchstens in ein Lebensmittel gelangen darf, unter Hinweis auf neuere Erkenntnisse zu möglichen Gefahren stark begrenzen. Der Wert soll von 0,6 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel auf 0,05 Milligramm sinken.

Risikofreies Essen könne es aber nur bei einem BPA-Verbot geben, meint der EU-Abgeordnete Martin Häusling (Grüne). Gefährdet seien auch Schwangere und Teenager. Der chemischen Industrie stünden genügend Ersatzstoffe zur Verfügung, wie Frankreich zeige, das Bisphenol A 2015 aus der Lebensmittelproduktion verbannte. "Dass die Industrie Betriebsabläufe umstellen muss, rechtfertigt keine Gesundheitsrisiken."

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