Grüne Europagruppe Grüne EFA

Den Informellen Agrarrat der EU-Landwirtschaftsminister*innen unter der Leitung von Julia Klöckner kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Eigentlich sollten auf diesem Treffen zentrale Themen für die Zukunft der Europäischen Agrarpolitik besprochen werden, denn die Zeit drängt. Das Einläuten der dringend notwendigen Agrarwende, hat jedoch Agrarministerin Julia Klöckner, die den Vorsitz inne hat, bisher – trotz eindeutiger wiederholter Hinweise ihrer eigenen beratenden Wissenschaftler - nicht wirklich ambitioniert verfolgt. Anstatt die Weichen für die Vereinbarkeit der aktuell verhandelten Agrarreform mit der Farm to Fork- und Biodiversitätsstrategie ihrer Parteikollegin und EU-Kommissarin von der Leyen zu stellen, will Frau Klöckner zunächst die Wirtschaftlichkeit der Strategie überprüfen. Damit teilt sie, wie gehabt, die Vorbehalte des Vorsitzenden des Europäischen Dachverbands der Landwirte (COPA), Joachim Rukwied und zeigt ein mindestens unterkomplexes Verständnis der Zusammenhänge.
Beim Bauernverband hat man sich inzwischen in großer Eintracht mit dem Industrieverband Agrar (den Düngemittel- und Pestizidherstellern) auf die Argumentation eingeschossen, die Strategie stelle eine Gefährdung der Ernährungssicherung dar. Doch alle Gutachten der letzten Jahre sagen das Gegenteil: Wenn wir NICHT umsteuern, gefährden wir die Ernährungssicherheit!
Doch von solchen Argumenten bleiben die Agrarminister wohl unbehelligt, denn anders als während der finnischen Ratspräsidentschaft, wurden diesmal Umwelt- und Bioverbände wieder ausgeladen.
Eine langfristige Ernährungssicherung wird es ohne die Aufrechterhaltung unserer Lebensgrundlagen, Böden, Wasser und Artenvielfalt nicht geben. Denn in kaputten Ökosystemen können wir Europa nicht ernähren. Wenn Deutschland jetzt nicht voranschreitet und Europa ein Zeichen gibt, die aktuelle Agrarpolitik mit ihren pauschalen, vorwiegend bedingungslosen Flächensubventionen umzukrempeln, wird aus Herrn Rukwieds Behauptung eine „self fulfilling prophecy“. Wenn unsere Ressourcen keine Ernten mehr hergeben, dann müssen wir langfristig wirklich mehr aus anderen Ländern importieren.
Außerdem müssen wir auch über soziale Fairness bei den GAP-Subventionen reden. Die prekären Arbeitsbedingungen von europäischen Arbeitern in der Landwirtschaft dürfen nicht weiter unthematisiert bleiben. Betriebe müssen sich an Mindeststandards halten, um Subventionen zu erhalten.“

Siehe auch:

STUDIE zur Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik: „Fundamente statt Säulen: Vorschläge für eine Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik"

 

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