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Das von der Bundesregierung verhängte Einreiseverbot für osteuropäische Saisonarbeitskräfte ist unsinnig und trägt antieuropäische Züge, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Nach dem Motto, alles Böse kommt von außen, sperrt die Bundesregierung Zehntausende von dringend benötigten Saisonarbeiter*innen von der Arbeit in Deutschland aus. Noch vor wenigen Tagen versicherte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, sie ließe die Landwirte nicht im Stich. Genau das aber hat die Regierung jetzt getan. Sie erweist damit der Bevölkerung, den betroffenen Landwirten und den abgewiesenen Saisonarbeitskräften einen Bärendienst.
Es ist völlig unplausibel, zu behaupten, dass von diesen meistens aus Rumänien kommenden Menschen eine zusätzliche Gefahr ausginge. Denn sie kämen in ein Land, das selbst Hotspot der Corona-Pandemie ist. Wie die ausländischen Arbeitskräfte beim Spargelstechen oder beim Pflanzen von Gemüsesetzlingen diese Seuche verstärken sollen, bleibt ein Rätsel. Statt Erntehelfer kollektive die Einreise in die Bundesrepublik zu verwehren, sollte lieber nach besten Kräften für großzügige Unterkünfte mit hohen Hygienestandards gesorgt werden. Die Sicherung der Gesundheit der Arbeitskräfte sollte hier natürlich an erster Stelle stehen.
Dieses überflüssige, auf einen eilfertig agierenden Innenminister Host Seehofer zurückgehende Vorgehen rächt sich bald: Denn nun wird endgültig absehbar, dass wir in Kürze vor einem echten Versorgungsproblem bei Lebensmitteln stehen werden.
Deutschland selbst produziert gerademal ein Drittel des hierzulande verzehrten Obstes und Gemüses. Da unsere Hauptlieferländer, etwa Italien, Spanien und Frankreich, vor denselben Problemen stehen, werden wir spätestens im Sommer und Herbst gravierende Engpässe erleben. Wenn Deutschland beispielsweise keine Arbeitskräfte nach Frankreich passieren lässt, dann kann auch dort Obst und Gemüse weder gepflanzt noch geerntet werden.
Obendrein gilt es auch an die Arbeitskräfte selbst zu denken: Sie kommen zu uns, um mit dem Einkommen ihre Familien und ihre eigene Kleinstlandwirtschaft zu stützen. Fällt die Arbeit in Deutschland weg, bricht für viele die Einkommensgrundlage weg, was gerade in Krisenzeiten katastrophal wäre.“

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