Grüne Europagruppe Grüne EFA

Vor dem Hintergrund illegaler Holzimporte aus dem Amazonas nach Europa verlangt, Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss, den völligen Stopp der Einfuhr von Holz aus brasilianischen Wäldern:

„Der Raubbau an den brasilianischen Regenwäldern darf keinesfalls auch nur die indirekte Rückendeckung der EU bekommen. In einem Brief an die zuständigen EU-Kommissare für Handel und Umwelt sowie den als EU-Vizepräsident für den Green Deal zuständige Kommissar Frans Timmermans habe ich deshalb gefordert, die Importe aus Brasilien unverzüglich einzustellen. Die Schiffslasdungen müssen zurückgewiesen werden.
Im Hintergrund stehen Informationen über unerlaubten Holzhandel, die über die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet wurden (s. FAZ 9.3.20). Danach sollen im vergangenen Jahr aus Brasilien Hunderte von Schiffsladungen mit Tropenholz ins Ausland exportiert worden sein, die keine Bewilligung der brasilianischen Umweltbehörde hatten. Als der Zoll in Europa und in den USA auf diese verbotene Praxis stießen, wurden zwar die brasilianische Umweltbehörde Ibama informiert. Doch statt die Fälle zu verfolgen und zu ahnden, wurden sie im Nachhinein von Brasilien genehmigt!
Bei dieser unglaublichen Praxis geht es nicht um Einzelfälle, sondern um eine Systematik, die der weiteren Vernichtung von unschätzbar wertvollen Wäldern Tür und Tor öffnet. Bei dieser Praxis, die offenbar zur Regel wurde, darf die EU nicht mitspielen. Denn sie führt auch dazu, dass die Herkunft der Hölzer nicht mehr nachverfolgt werden kann und Kunden im Ungewissen bleiben, wenn sie Tropenhölzer kaufen.
Allein aus dem Bundesstaat Pará soll mehr als die Hälfte von insgesamt 3000 Ladungen das Land ohne Bewilligung verlassen haben. Das entspricht einer Menge von rund 27 000 Kubikmeter Holz. Unternehmen hatten Genehmigungen für diese Lieferungen beantragt, diese jedoch vor der Autorisierung exportiert. Andere Schiffsladungen verließen das Land, ohne eine Genehmigung einzuholen. Exporte gingen unter anderem auch nach Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Belgien.
Regierungsdaten zufolge schreitet gerade in Pará die illegale Waldvernichtung fort. Zwischen Juli 2018 und Juli 2019 wurden dort mehr als 3800 Quadratkilometer Wald zerstört – das entspricht der eineinhalbfachen Fläche des Saarlands. Dabei dringen Holzfäller in unberührte Gebiete vor. Die Zugangswege werden anschließend von Viehzüchtern genutzt, die sich über die restliche Waldfläche hermachen.
Ein Importstopp, wie wir Grüne ihn als einzig sinnvolle Lösung ansehen, ist völlig im Einklang mit den europäischen Zielen zum Schutz der Wälder der Welt, die im Juli 2019 verabschiedet wurden. In dieser Situation muss die EU Brasilien ein deutliches Signal setzen, dass Europa kein Markt für Holz aus dubiosen Quellen ist! Denn der Einschlag dieser Bäume bedeutet eine erhebliche Verschlechterung für das Ökosystem Regenwald im Amazonas und ist ein Schlag ins Gesicht für den internationalen Klimaschutz.“

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