Grüne Europagruppe Grüne EFA

Die anscheinend kurz vor dem Abschluss stehenden Verhandlungen zum Freihandelsabkommen MERCOSUR-EU, kommentiert Martin Häusling, Koordinator der Grünen/EFA im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments und Mitglied im Umweltausschuss:
 
„Was mit den Rinderhaltern in Europa und den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Südamerika passiert, scheint bei diesem Kuh-Handel völlig egal zu sein. Dieses Exportmodell ist nach wie vor in Südamerika verantwortlich für systematische Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen sowie für die Zerstörung von Umwelt und Artenvielfalt. Denn die intensive massenhafte Rinderproduktion in sogenannten Feedlots ist mit hauptverantwortlich für das Abholzen von artenreichen Naturwäldern, wie beispielsweise dem brasilianischen Cerrado, oder dem argentinischen Gran Chaco.
In Europa wird bei diesem Deal eine der nachhaltigsten Formen der Tierhaltung, die stark zum Erhalt von Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt beiträgt, – die Weidehaltung – vom südamerikanischen Import von Fleisch fragwürdiger Qualität platt gemacht. Das hat nichts mit fairem Handel und noch weniger mit Nachhaltigkeit zu tun.
Das Abkommen darf so nicht durchgewunken werden. Wo bleibt die von der Kommission versprochene Transparenz bei Freihandelsabkommen? Die Kommission muss die ökologischen und menschenrechtlichen Konsequenzen des Abkommens berücksichtigen und thematisieren. Eine umfassende Wirkungsanalyse und Abwägung muss einem Handelsabschluss vorausgehen.“


Hintergrund:
Das Freihandelsabkommen der südamerikanischen Mercosur-Staaten und Europa scheint nun wirklich kurz vor der Einigung zu stehen. Gemäß der EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström werden diese Woche noch erhebliche Fortschritte verzeichnet. Der Argentinische Außenminister Jorge Faurie geht von einem Abschluss Ende Juni aus. Derzeit sitzen die Chefverhandlerinnen und -verhandler in Montevideo, Uruguay, zusammen, um die letzten Unstimmigkeiten hinsichtlich des Marktzugangs von Agrar- und Industriegütern zu beseitigen.
Exportbefürworter, wie der Brasilianer Roberto Jaguaribe (Präsident der Handelsagentur Apex-Brasil), die im Abkommen eine große Chance für den Agrarsektor sehen, können sich freuen. Nach Zugeständnissen beim Zollabbau für Autoteile und Autos seitens der Mercosur-Staaten, soll die Einfuhr von Rindfleisch in die EU weiter erleichtert werden.  Die scheinbar geeinte Einfuhrquote von 99.000 Tonnen bedienen die Konzerninteressen der lateinamerikanischen Agrarlobby.
 

Weitere Infos: Interview Martin Häusling zu MERCOSUR

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