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Nitrat

23.09.2019

EuGH verurteilt Deutschland in Sachen Grundwasserschutz

Deutschland ist Schlusslicht beim Gewässerschutz, was uns alle teuer zu stehen kommt

Den Beschluss des obersten EU-Gerichtes zur Gewässerverschmutzung mit Nitrat kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments:

„Das Urteil ist klar und unmissverständlich: Das Landwirtschaftsresort hat die drängenden Probleme der übermäßigen Ausbringung von Gülle und Kunstdünger jahrelang ausgeblendet. Angedrohte Strafzahlungen in sechsstelliger Höhe scheinen als Druckmittel nicht auszureichen, um Deutschland zum Handeln zu bewegen. Aufgrund einer verfehlten Politik, sind bedrohliche Nitratkonzentrationen im Oberflächen- und Grundwasser zu verzeichnen. Ich bin empört darüber, dass die Bundesregierung ihrer Verantwortung nicht gerecht wird und zusieht, wie die Gesundheit gefährdet wird. Wasserverbände machen schon seit Langem wiederholt darauf aufmerksam, dass ein "Weiter-So" die Verbraucherinnen und Verbraucher teuer zu stehen kommt, wenn Denitrifikationsanlagen zur Trinkwasseraufbereitung zum Einsatz kommen müssen.
Zwar wurde das Düngerecht reformiert, diese Reform wird Deutschland aber auch nicht von seiner Schuld freisprechen. Erst diese Woche attestierte Prof. Taube, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik des BMEL, dass die seit 2018 gültigen Verschärfungen nicht ausreichen, um unser Wasser ausreichend vor Einträgen zu schützen. Im Gegenteil, zu viele Ausnahmeklauseln, wie beispielsweise bei Düngeobergrenzen, ermöglichen einen laxen Umgang bei der Ausbringung von Dünger. Das dürfte der Europäischen Kommission nicht sonderlich gefallen, die ja Deutschland damals verklagt hat.
Die neue Landwirtschaftsministerin muss jetzt sofort nachbessern und endlich eine vernünftige gesetzliche Grundlage für den Schutz der Gewässer und der Umwelt schaffen.“
 
Hintergrund
Schon seit Langem hätte Deutschland das "Dünge-Paket" reformieren müssen. Dies geschah aber erst vor einem Jahr mit Wirkung zum 01.01.2018.
Deutschland wurde bereits im Herbst 2016 wegen fehlenden Bemühungen beim Grundwasserschutz von der Europäischen Kommission vor dem EuGH verklagt. Hauptvorwurf war die in vielen Regionen Deutschlands steigende Nitratbelastung des Grundwassers und die fehlende Nachbesserung der gesetzlichen Grundlagen im Jahr 2012 gemäß den Anforderungen der europäischen Nitrat-Richtlinie.
Messungen ergaben, dass im Durchschnitt 28 Prozent der Messstationen im Zeitraum 2012 bis 2015 den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser überschritten. Nur Malta hat diesen Wert im gleichen Zeitraum überschritten.

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23.09.2019

Nitrat-Richtlinie: Bundesregierung kann oder will nicht für sauberes Trinkwasser sorgen

28 Jahre nach Inkrafttreten der EU-Richtlinie zum Schutz des Wassers vor Nitrat, zehn Jahre nach den ersten Mahnschreiben aus Brüssel und mehr als ein Jahr nach einem klaren Urteil des Europäischen Gerichtshofs EuGH schafft es die deutsche Bundesregierung nicht, das Problem der Überdüngung in den Griff zu bekommen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss, kommentiert:

„Die Bundesregierung versagt auf ganzer Linie und spielt, aus welchen Gründen auch immer, auf Zeit. Statt sich ernsthaft um den Schutz unseres Grund- und damit unseres Trinkwassers zu bemühen, bietet die Regierung stets nur wachsweiche Lösungen an. Die Kommission kritisiert zu Recht, dass keine verlässlichen Gutachten und kein Gesetzentwurf vorliegt sowie noch nicht in allen Bundesländern rote Zonen (am höchsten belastete Regionen) ausgewiesen sind.
Das kann am Ende nicht nur teuer werden, wenn der EuGH Deutschland ein zweites Mal verurteilen sollte. Strafen in Millionenhöhe drohen dann. Diese Missachtung bestehenden Rechts gefährdet die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Diese Politik des Verschleppens hintertreibt zudem das Konzept der europäischen Gemeinschaft.
Andere Nachbarländer haben die Nitrat-Richtlinie aus dem Jahr 1991 umgesetzt. Doch die Bundesregierung versucht weiter, das Problem auszusitzen. Die Nachbarstaaten rügen deshalb nicht zu Unrecht eine Wettbewerbsverzerrung aufgrund von übermäßiger Gülledüngung in den Hotspots der Schweine- und Geflügelindustrie und überbordendem Mineraldüngereinsatz in den Gemüse- und Wein-Intensivzonen. Es ist lächerlich zu behaupten, wie dies der Bauernverband tut, dass Pflanzen verhungern würden, wenn Stickstoffdüngung reduziert wird. Biobauern machen vor, dass es anders geht.
Zum Glück, muss man in dieser Situation sagen, gibt es ein EU-Umweltrecht, dass dieser unkontrollierten Umweltbelastung einen Riegel vorschiebt. Es bleibt ein Rätsel, warum Deutschland immer noch keinen ausreichenden Beweis vorgelegt hat, dass die eingeleiteten Verbesserungen auch wirklich Früchte tragen. Das lässt nur den Schluss zu, dass die Vorschläge zu dünn sind, um wirklich zu greifen. Es macht die Bundesregierung lächerlich beim Rapport in Brüssel sich ihre Unfähigkeit bescheinigen zu lassen. Das hätten sie einfacher haben können, indem sie ein schlüssiges, belegtes Konzept in der Hand hätten.“