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Klimawandel

16.07.2021

Neue EU-Waldstrategie: Nur natürliche Wälder helfen im Klimawandel

Die von der EU-Kommission präsentierte Waldstrategie wird den aktuellen Herausforderungen nicht gerecht, meint Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments:

„Ich stimme der Kommission in einem Punkt zu: Wälder sind ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel und gegen den Verlust der biologischen Vielfalt. Sie können die Auswirkungen des Klimawandels abfedern, können die Folgen von Hochwasserkatastrophen bremsen, die Auswirkungen von Dürren mildern und kühlend wirken.
Doch diese Wirkung setzt voraus, dass die Wälder stabil, intakt und mindestens halbwegs naturnah belassen werden. Davon sind wir oftmals weit entfernt.
Das zeigt sich etwa beim Programm, mit drei Milliarden Bäumen die Folgen der vergangenen trockenen und heißen Sommer zu übertünchen. Denn niemand weiß ernsthaft, welche Baumarten überhaupt bei weiter steigenden Temperaturen dem künftigen Klima trotzen können. Statt hektisch in teure Pflanzaktionen zu verfallen, wäre es in vielen Fällen besser, dem Wald Zeit für einen natürlichen Wandel zu lassen. Damit wäre ihm und uns langfristig viel stärker gedient.
Derzeit findet viel zu wenig ökologisch geprägter Waldumbau statt. Es entsteht der Eindruck, dass eine Plantagenform lediglich durch eine neue ersetzt wird, dass die nicht an örtliche Verhältnisse angepassten Fichten nun durch Douglasien ersetzt werden. Diese passen nicht in hiesigen Öko-Systeme.
Wir müssen uns zudem leider verabschieden von der Vorstellung, dass nur die Amazonas-Regenwälder keine CO2-Senken mehr sind, weil dort Abholzung und Brandrodung die Natur aus dem Gleichgewicht werfen. Wir stehen auch in Europa vor der akuten Gefahr, dass dies auch auf hiesige Wälder zutrifft.
Wälder mit Plantagencharakter versagen im Kampf gegen den Klimawandel. Wir brauchen artenreiche, strukturierte, vielfältige Wälder, keine grün verputzten Bretter, von denen einst der österreichische Schriftsteller Robert Musil sprach. Hinzukommt die drohende Ausbeutung, wenn Holz in industriellem Maßstab in die Öfen bisheriger Kohlekraftwerke geworfen wird. Solche Strategien vernichten eine reiche Waldnatur und zerstören alle Hoffnung auf den wirksamen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel, den wir so dringend benötigen.“

 

14.07.2021

Erneuerbare Energien: Verfeuern von Holz in Kraftwerken und Industrie ist keine Option!

Die Europäische Kommission präsentierte heute ihre Vorstellungen für die Neuauflage der Erneuerbaren Energien Richtlinie (RED II) innerhalb des „fit for 55“-Pakets von Gesetzesvorschlägen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments, wird die Vorschläge als verantwortlicher Grüner im Umweltausschuss bearbeiten. Er kommentiert:

„Nein, nein und nochmals nein. Das Verbrennen von Holz im industriellen Maßstab, vor allem in bisherigen Kohle-Kraftwerken, zur Energiegewinnung kann gar nicht klimafreundlich sein. Das gilt auch für aus Übersee importierte Pellets und andere Holzrohstoffe.
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Das bedeutet aber nicht, dass der beim Verbrennen freigesetzte Kohlenstoff eins zu eins durch die Neupflanzung von Bäumen wieder gebunden werden könnte.
Wälder sind keine bloße Ansammlung von Bäumen. Das greift viel zu kurz. Wälder, die diesen Namen verdienen, sind komplexe Ökosysteme. Ein über Jahrzehnte gewachsener Mischwald bietet unvergleichbar mehr an Ökosystemleistungen als ein aus dem Boden gestampfter Plantagenwald. Unsere Wälder sind Garanten für Artenvielfalt, für den Klima- und Wasserschutz, für Erholung und Gesundheit. Sie sind aber keine beliebig ausbeutbaren Rohstofflager, die man anzapft, um irgendwelche Lücken zu schließen.
Die jetzt von der Europäischen Kommission vorgelegten Vorschläge verkennen die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs: Die Nachhaltigkeitskriterien der Kommission sind viel zu harmlos und setzen nicht die dringend benötigten Botschaften. Der SuperGAU für das Klima und für die Biodiversität wäre, wenn Deutschland und andere Länder sich durch die Kommissionsvorlage nun ermuntert sähen, aus Kohlekraftwerken Holzkraftwerke zu machen. Das ist Umweltzerstörung, und zwar finanziert von den Steuerzahlern.
Das Verbrennen von Resthölzern in Privathaushalten geht in Ordnung. Zu anderen energetischen Zwecken taugt das Verpulvern von Holz nicht, denn der Schaden ist weit größer als der Nutzen. Stattdessen müssen wir Wind- und Sonnenenergie ausbauen – diese Energieträger sind als einzige wirklich nachhaltig. Ich werde mich in den nächsten Monaten für eine gründliche Überarbeitung der Kommissionsvorlage einsetzen.“

 

21.06.2021

Sonderbericht des EU-Rechnungshofes: So wird das nichts mit den Klimazielen in der Landwirtschaft!

Zum Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofes (EURH) zu Klimaschutzleistungen der GAP-Zahlungen, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Die Klimapolitik der EU fordert, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55% gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Mit der Verabschiedung der Verordnung zur Anrechnung der Emissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) 2017 sollten diese Sektoren in den neuen Rahmen für die Energie- und Klimapolitik der EU für den Zeitraum 2012-2030 einbezogen werden. Dass die Maßnahmen der letzten GAP-Periode hier offensichtlich nichts bewirkt haben, zeigt der heute veröffentlichte Bericht des EURH ganz klar, obwohl von 2014 bis 2020 über ein Viertel aller EU-Agrarausgaben – mehr als 100 Milliarden Euro – in Maßnahmen mit dem Label „Klimaschutz“ geflossen sind. Auch ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Europäischen Kommission hatte aufgezeigt, dass die Kohlenstoffemissionen des Agrarsektors seit 2010 stagnieren.

Der immer wieder betonte Rückgang seit 1990 lässt sich vor allem auf die Unterbrechungen der landwirtschaftlichen Produktion in den neueren EU-Mitgliedstaaten nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 und dem komplexen Übergang zur Marktwirtschaft in diesen Ländern sowie auf die Einführung der Nitratrichtlinie im Jahr 1991 zurückführen, und kann daher nicht aus Klimaschutzmaßnahmen stammen. Nach einer Berechnung der Europäischen Umweltagentur (EEA) nahmen die Emissionen zwischen 2010 und 2017 sogar wieder um 4 % zu.

Solange die Maßnahmen der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) keine konsequenten Vorschläge zum Abbau der Tierzahlen mit ihren enormen Soja-CO2-Emissionsimporten, zum Moor und Grünlandschutz und zur Besserstellung der Weidehaltung beinhalten, werden die größten Emissionsquellen auch nicht verringert. Und wenn der größte Anteil an landwirtschaftlichen Emissionen, der durch die Herstellung und Anwendung von Mineraldünger entsteht[1], einfach unthematisiert bleibt, weil die Herstellung der Industrie zugerechnet wird, - solange wird sich auch an einer ehrlichen Klimabilanz der europäischen Landwirtschaft nichts ändern.

Moore und Grünland müssen geschützt werden. Und der Humusabbau bei Ackerböden muss beendet werden - 75 % der Anbauflächen in der EU zeigen einen organischen Kohlenstoffgehalt von unter 2%! Das sind neben einer Besteuerung von Mineraldünger die Stellschrauben an denen massiv gedreht werden muss. Dabei geht es aber nicht um sogenannte CO2-Zertifikate, mit denen C im Boden verbuddelt werden soll und die weniger halten, als sie versprechen. Dabei geht es um eine Landwirtschaft, die Ressourcen schont, mit Nährstoffen effizient umgeht, Stickstoff über Eiweißpflanzen bindet und klimastabile Anbausysteme wie Ökolandbau, Agroforstsysteme und Permakultur fördert. Denn das sind in der Regel auch die klimafreundlichsten, die am emissionsärmsten sind. Dass der Rechnungshof der sogenannten Präzisionslandwirtschaft - ohne jeglichen Nachweis - eine höhere Wirkung bescheinigt als diesen klimaangepassten Anbaumethoden ist allerdings definitiv lächerlich. Da sind offensichtlich ein paar Studien nicht gelesen worden.“

 

Weitere Infos:

Martin Häusling: Positionspapier zu CO2-Zertifikaten

Martin Häusling: Hintergrundpapier zu LULUCF

Allan Mathews: Climate measures in agriculture

Studie: „Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft…..“

ARC2020: Precision Farming – or “The Emperor’s New Clothes”?

 

[1] Sutton, M., Howard, C. et al. (Eds.) (2011): The European Nitrogen Assessment: Sources, Effects and Policy Perspectives. Cambridge University Press.

08.06.2021

Heißes Finish: EU-Parlament positioniert sich zur Biodiversitätsstrategie

Das Europäische Parlament stimmt heute seine Position zur ‚EU-Biodiversitätsstrategie für 2030‘ ab. Seit der Abstimmung im Umweltausschuss vor zwei Wochen sind noch zahlreiche Änderungsanträge konservativer und liberaler Abgeordneter eingegangen, die die Position erheblich abzuschwächen drohen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses, kommentiert:

„Biodiversität ist Leben. Über eine 1 Million Arten sind aktuell vom Aussterben bedroht, das bedroht ganz klar auch unser Überleben hier auf der Erde. Handeln ist dringend angesagt. Die Europäische Kommission hat mit ihrer Biodiversitätsstrategie einen guten Vorschlag auf den Tisch gelegt, wie die drängenden Herausforderungen angegangen werden können. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat sich konstruktiv mit der Vorlage der EU-Kommission auseinandergesetzt und diesen in einigen Bereichen zielführend erweitert[1].

Nun, bei der Plenarabstimmung, zeigt sich, dass gerade die Abgeordneten der Konservativen und Liberalen es nicht wirklich ernst meinen mit dem Schutz unserer Lebensgrundlagen. Sie haben Änderungsanträge eingereicht, die - sollten sie eine Mehrheit finden - die Anstrengungen unsere Ökosysteme wieder zu regenerieren und Arten zu schützen, regelrecht torpedieren.

Das zeigt genau die gleiche Haltung, wie schon bei der unseligen Verwässerung der Reformpläne zur Agrarpolitik. Nichts dazu gelernt und den Gong nicht gehört! Wie man derart gegen sämtliche Gutachten der letzten Jahre zur Bedrohung unserer Ressourcen handeln kann, ist mir unbegreiflich.

Die konservativen und liberalen Parteien haben, insbesondere in Bezug auf die Waldnutzung, offensichtlich sehr eigene, nicht gerade wissenschaftlich untermauerte Vorstellungen von Nachhaltigkeit: Den ökonomischen Nutzen der Wälder wollen sie gefördert sehen, dafür machen sie auch kurzerhand Holz zu einem CO2-neutralen Rohstoff – was Unsinn ist!

Als regelrechte Heilsbringer sehen sie dagegen die digitale Landwirtschaft. Dabei finden sie freiwillige Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz völlig ausreichend. Doch gerade die fehlenden - genauen, messbaren und verpflichtenden - Zielvorgaben haben uns ja zu dem aktuellen Artenschwund geführt, das ist vielfach wissenschaftlich belegt.

Sollte das Europäische Parlament heute aufgrund der politischen Mehrheit der Konservativen und Liberalen eine schwache Position in Bezug auf den Schutz der Biodiversität verabschieden, so wäre das ein unverzeihliches Armutszeugnis und verantwortungslos gegenüber kommenden Generationen. Ich appelliere dringend an die Kolleginnen und Kollegen von EVP, ECR und ReNew heute die richtige Wahl zu treffen.“

 

Weiterführende Links:

Bericht des Europäischen Parlaments zur Biodiversitätsstrategie: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-9-2021-0179_EN.pdf

Änderungsanträge von Konservativen und Liberalen: https://www.europarl.europa.eu/plenary/en/report-details.html?reference=A9-0179-2021

PM Martin Häusling vom Mai 2020 zur Biodiversitätsstrategie: https://martin-haeusling.eu/presse-medien/pressemitteilungen/2537-1-einschaetzung-zur-eu-biodiversitaetsstrategie-und-farm-to-fork-strategie-es-geht-um-die-sicherung-unserer-lebensgrundlagen.html

 

[1] Der Umweltausschuss spricht sich so dafür aus, mit Hilfe eines EU-Biodiversitätsgesetzes die gesetzlichen Grundlagen bis 2050 zum Schutz der Artenvielfalt festzulegen. Dazu gehören auch verbindliche Zielvorgaben bis 2030.Bis 2050 sollen die Ökosysteme der Welt wiederhergestellt, resilient und ausreichend geschützt sein. Alle Register müssen gezogen werden damit der verheerende Artenschwund gestoppt und - wo möglich – rückgängig gemacht wird.

30 Prozent der Land- und Meeresflächen der EU sollen dafür unter Schutz gestellt werden. Mindestens ein Drittel davon sollen komplett ungestört bleiben von menschlichen Einflüssen – zu diesen Gebieten werden auch die verbleibenden Primärwälder der EU gezählt.

Die Bestände aller geschützter Arten und Habitate sollen in einen günstigen Erhaltungszustand gebracht werden. Bienen und andere Bestäuber müssen besser geschützt werden, der Umweltausschuss sprach sich auch deshalb gegen die Wiederzulassung von Glyphosat aus und für eine Überarbeitung der EU-Bestäuber Initiative.

12.05.2021

Aktionsplan ohne Rechtsdurchsetzung:EU-Kommission legt Papiertiger für Null-Schadstoff-Ziel vor

Die Verschmutzungskrise ist neben dem Klimawandel und dem Artensterben die dritte große globale Umweltkrise. Sie wird aber häufig übersehen, obwohl es in keinem anderen Bereich so große direkte Gesundheitsfolgen gibt. Jeder achte Todesfall in der EU ist verursacht durch Umweltverschmutzung. Luftverschmutzung allein ist heute verantwortlich für mehr als 400.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr. Chronischer Stress durch Lärmbelastung zählt ebenso zu den Ursachen vieler Krankheiten wie Gifte in vielen alltäglichen Produkten. Am heutigen Mittwoch, 12. Mai 2021, stellt die EU-Kommission deshalb als Teil des Europäischen Green Deal ihren Null-Schadstoff-Aktionsplan für Luft, Wasser und Boden vor. 

Bis 2050 soll eine giftfreie Umwelt entstehen, in der die Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung auf ein Niveau reduziert wird, das nicht mehr gesundheitsschädlich oder gefährlich für natürliche Ökosysteme ist. Dieser ambitionierten Vision fehlt jedoch das Fundament. Anstatt konkrete Aktionen zur Erreichung des Ziels vorzuschlagen, beruft die EU-Kommission sich auf die bessere Umsetzung bereits beschlossener Gesetze und zuvor im Europäischen Green Deal oder der Biodiversitäts- und Chemikalienstrategie angekündigter Maßnahmen. So soll durch die vollständige Umsetzung aller bestehenden Regeln zur Luftqualität die Zahl der vorzeitigen Todesfälle um 55% bis 2030 gegenüber 2005 reduziert werden. Doch wie die heutige mangelhafte Umsetzung verbessert werden soll - dafür legt die Kommission keinen konkreten Plan vor. 

Mit diesen Ankündigungen bleibt die EU-Kommission in vielen Teilen weit hinter den Forderungen des Europaparlaments zurück. Wir haben in den letzten Wochen drei ambitionierte Entschlüsse bzgl. Verschmutzung von Luft, Gewässern und Böden gefasst. Neben vielen wichtigen Details fordern wir unter anderem: 

  • die Anpassung der EU-Luftqualitätsstandards an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Der Null-Schadstoff-Aktionsplan will die Luftqualitätsnormen nur stärker an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation anzupassen, aber nicht komplett angleichen. 
  • verbindliche Regeln hinsichtlich Dekontaminierung unserer Böden. Die EU-Kommission will die Wiederherstellung verschmutzter Bodenökosysteme nur prüfen.  
  • die konsequente Umsetzung aller EU-Umweltgesetze in allen Mitgliedstaaten. Wir erwarten von der EU-Kommission zügig und systematisch Vertragsverletzungsverfahren bei Verstößen gegen EU-Umweltrecht einzuleiten. Der Aktionsplan erwähnt Vertragsverletzungsverfahren nicht und verspricht nur verbesserte Kooperation mit den Mitgliedstaaten zur Durchsetzung von EU-Recht. 

 

 

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss ist der verantwortliche Grüne Berichterstatter für den Null-Schadstoff-Aktionsplan:

„Die Namensgebung ist ambitioniert: In einer Welt, in der man Pestizidrückstände auf Gletschern in den Alpen und in der Arktis findet, Feinstaub so gut wie überall in der Luft und hormonverändernde Substanzen in Alltagsgegenständen, hätte man die Absicht, eine moderne Industriegesellschaft auf „Null-Verschmutzung“ umzustellen vor Jahren noch extremen Öko-Aktivismus genannt.

Doch die Nachrichten aus der Wissenschaft über den Zustand unserer Ökosysteme und deren schwindende Artenvielfalt, über den Zustand von Wasser, Luft und Boden müssen letztendlich Konsequenzen haben. Nun präsentiert die Kommission den schon im Green Deal angekündigten Zero Pollution Action Plan. Ganz so ambitioniert, wie der Titel es verheißt, ist der Plan dann aber nicht. Die Nullverschmutzungsziele für 2030 sind zwar begrüßenswert, basieren aber größtenteils auf bereits rechtlich vereinbarten oder kürzlich angekündigten Zielen.

Für Wasser und Luft gibt es schon Regelwerke zu ihrem Schutz. Hier werden allerdings die Zielwerte zur Feinstaubreduktion und Gewässergüte in den Mitgliedstaaten immer wieder gerissen. Das müsste konsequenter geahndet werden. 

Vom Medium Boden ist im Aktionsplan besonders viel die Rede. Gibt es doch hier noch keine EU-weite Regelung zu seinem Schutz. Und es liegt viel im Argen: Durch Düngung, Pestizide und Medikamente aus der Tierhaltung wird er tagtäglich trotz angeblich „guter fachlicher Praxis“ massiv belastet. Hier müssten konsequenterweise Regelungen angepasst werden, denn das was in der Agrarpolitik nach wie vor erlaubt ist, ist schon lange keine gute fachliche Praxis mehr.

Eine konsequente Umsetzung des Zero-Pollution-Prinzips bedeutet letztendlich ein Umsteuern der gesamten Produktionskette unserer Gesellschaft bis hin zu einem Cradle-to-Cradle-Prinzip, also einer schadstofffreien Kreislaufproduktion. Das ist ambitioniert. Es ist wichtig, dass die Kommission in den nächsten Jahren konkreter wird und Regelungsvorschläge zur Transformation unserer Wirtschaft auf naturbasierte Lösungen vorlegt. Es darf nicht bei hellgrünen Rhetorikmaßnahmen mit bombastischen Titeln bleiben.“

 

Sven Giegold, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament Berichterstatter der Grünen/EFA-Fraktion für Luftqualität und die Chemiewende, erklärt:

“Der Null-Schadstoff-Aktionsplan der EU-Kommission legt den Finger auf die offene Wunde der EU-Umweltpolitik. Zehntausende Todesfälle könnten jedes Jahr vermieden werden, wenn EU-Umweltrecht von den Mitgliedstaaten vollständig umgesetzt wäre. Er wird seinem Namen jedoch nicht gerecht: Handfeste Aktionen finden sich nur spärlich. Wenn ein Aktionsplan steht und fällt mit der verbesserten Durchsetzung von EU-Recht, müssen Vertragsverletzungsverfahren entschieden vorangetrieben werden. Die zauderhafte Linie der Kommission bei der Durchsetzung des Umweltrechts gefährdet unsere Gesundheit und die Glaubwürdigkeit des Europäischen Green Deals. Neue Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland und andere EU-Länder sind lange überfällig, etwa wegen der chemischen Belastung unserer Gewässer und hoher Ammoniakemissionen. Wo Verfahren schon eröffnet sind, muss die Kommission diese schneller zu einem Abschluss vor dem Europäischen Gerichtshof bringen.

Der Aktionsplan der EU-Kommission verkümmert an den entscheidenden Stellen zum Papiertiger und die EU-Kommission bleibt so leider hinter den Erwartungen des Europaparlaments zurück. Das Europäische Parlament hat sich klar positioniert für eine saubere Umwelt in Europa, für schnellere Vertragsverletzungsverfahren und für ein Ende des Gifts in unserem alltäglichen Leben. 

Dabei zeigt der Plan deutlich, wo die Schwächen des aktuellen EU-Rechts liegen. Selbst mit der angekündigten Reduktion der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung um 55% bis 2030 müssten wir weiterhin knapp 300.000 Tote jedes Jahr beklagen. Es ist ein Armutszeugnis, dass die Luft in Europa weiterhin so schlecht ist. Die EU-Kommission muss deshalb ihren Kurs korrigieren und der Forderung des Europaparlaments folgen. Wenn das Null-Schadstoff-Ziel nicht schon an Tag 1 scheitern soll, müssen die europäischen Luftqualitätsstandards vollständig an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation angepasst werden. Auch beim Schutz und der nachhaltigen Nutzung des Bodens muss die Kommission mehr als nur guten Willen zeigen. Das Parlament hat ganz konkrete Ziele zur Minimierung der Bodenversiegelung, Vermeidung der Bodenverschlechterung bis 2030 und Dekontaminierung schadstoffbelasteter Standorte genannt.Diese müssen durch die EU-Kommission umgesetzt werden.”

05.11.2020

Klöckners Jagdnovelle: Der klimagestresste Wald bleibt schutzlos

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vorgelegte Novelle des Bundesjagdgesetzes bleibt ein unzureichendes Konstrukt, das im Gegensatz zu den Ankündigungen der Ministerin fern von einer „großen Reform“ ist, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss des EP:

„Alles ist möglich, also bleibt fast alles beim Alten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vermag es selbst im Angesicht des durch den Klimawandel ausgelösten Waldsterbens nicht, konsequente Schritte durchzusetzen, um eine natürliche und artenreiche Verjüngung der gestressten Wälder zu forcieren. Dazu müssen die Bestände an Rehwild und an Rothirschen in vielen Bereichen reduziert werden. Das aber ist mit dem im Bundeskabinett vorgelegten Entwurf für ein neues Jagdrecht nur bedingt möglich. Offenbar hat sich die Jagdlobby erfolgreich durchgesetzt, um die Wildbestände hochzuhalten.
Es bleibt zwar bei dem bereits im Sommer angekündigten Mindestabschuss für Rehwild, um dem natürlichen Waldaufwuchs eine Chance zu geben und „eine Naturverjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ zu ermöglichen, was im Prinzip eine richtige Vorgabe ist. Aber nun fügt die Novelle Obergrenzen und einen zahlenmäßigen „Korridor“ ein, innerhalb dessen die Bestände reguliert werden dürfen. Damit aber ist klar: Da im Regelfall der Wildbestand stets zu klein gerechnet wird, bleibt es auch künftig bei hohen Wildbeständen und waldschädigenden Verbiss- und Schälschäden. Sie aber verhindern den gerade im Klimawandel nötigen artenreichen Wald.
Daran werden nur im optimalen Fall die angekündigten Vegetationsgutachten oder die völlig unbestimmte „Möglichkeit“ noch ein „Lebensraumgutachten“ hinzuzuziehen, etwas ändern können. Wer erstellt diese Gutachten? Wer gibt sie in Auftrag? Und vor allem: Was sind die Kriterien, an denen sich ein Gutachter orientieren soll? Zu erwarten steht, dass lediglich Verbiss und Schälung der bekannten Hauptbaumarten, also an Fichte, Kiefer, Buche und Eiche, Grundlage sein werden. Das aber kann keinesfalls ausreichend sein. Basis muss die gesamte natürlicherweise zu erwartende Vegetation sein. Obendrein ist alles auf Freiwilligkeit ausgerichtet, die Rolle der oft wenig sachverständigen Grundstückseigner bleibt schwach, und die Rolle der Behörden steht soweit am Ende des Prozesses, dass sie wohl erst eingreifen können, wenn alles eklatant aus dem Ruder gelaufen ist.
Überdies orientiert sich das Klöckner-Papier allein am Reh- und – wegen der Afrikanischen Schweinepest - am Schwarzwild. Die örtlich ungleich größeren Probleme im Wald und auf umliegenden Feldern aber bereitet das Rotwild. Diese Wildtierart aber wird wegen der Trophäe gehätschelt und stellt besondere Lebensraumansprüche, die hierzulande kaum noch erfüllt werden können. Zu diesem mit viel Tradition und Ideologie versehenem Kapitel schweigt die Ministerin, dabei ist gerade an diesem Punkt die Antiquiertheit des deutschen Jagdrechts offenkundig. Daran will sich Klöckner nicht die Finger verbrennen. Sie bleibt, wie so oft, hinter ihren blumigen Worten mutlos.“

 

16.09.2020

Brandrodungen und Waldbrände in der Klimakrise: Schutz der weltweiten Wälder muss oberste Priorität bekommen

Der Schutz der Wälder der Welt muss in einer Zeit der Klimakrise absoluten Vorrang bekommen. Das verlangt das Europäische Parlament in einem Bericht. Es reagiert damit auf eine Mitteilung der Europäischen Kommission. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss war der zuständige Grüne bei der Erarbeitung der Parlamentsposition:

„ ‚Erst wenn der letzte Baum gerodet ist...‘ - Wer kennt es nicht, dieses vermeintliche Zitat der Cree, mit dem die US-Umweltbewegung in den achtziger Jahren groß wurde. Die Brandrodungen in Brasilien, die brennenden Wälder Kaliforniens, aber auch das immer offensichtlichere Waldsterben in Europa führen uns aktuell schmerzhaft vor Augen, welchen vernichtenden Gefahren die Wälder der Welt ausgesetzt sind.
Zwar ist die Fragilität unseres Ökosystems mittlerweile immer mehr Menschen bewusst. Doch es fehlen noch immer ausreichend ambitionierte und verbindliche politische Handlungen, um unsere ökologischen Lebensgrundlagen zu schützen und zu verbessern. Deshalb müssen die weltweiten Wälder, eigentlich stabile Pfeiler unseres Klimas, dringend mehr Schutz erhalten. Das ist das Bestreben der diese Woche verabschiedeten Parlamentsposition.
Die verpflichtende Sorgfaltspflicht ist das Herzstück der Position: In den Mägen der Europäer sollen keine Lebensmittel mehr landen, für deren Erzeugung andernorts auf der Welt Ökosysteme, gleich ob Wälder, Savannen oder Buschland, vernichtet wurden - wie das beispielsweise beim Soja-Anbau immer noch der Fall ist. Diese Probleme dürfen nicht weiter ausgeblendet oder verniedlicht werden, wie es bislang oft passiert. Stattdessen muss Europa die Versorgung seiner landwirtschaftlichen Nutztiere mit Eiweißpflanzen aus heimischem Anbau sicherstellen. Das ist auch überhaupt kein Problem.
Zum Schutz der Wälder und zu ihrer Wiederherstellung soll es verbindliche Vorgaben geben. Primärwäldern kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu, denn Baum ist nicht gleich Baum. Alte Bäume, die viel Kohlenstoff speichern und Garanten der Artenvielfalt sind, können nicht mal rasch durch Neupflanzungen ersetzt werden. Sie erfüllen die Rolle ihrer Vorgänger erst nach vielen Jahrzehnten. Die illegale Abholzung, die auch in Europa stattfindet, muss dringend gestoppt werden. Stärker als bislang müssen Abholzungen und Umweltauswirkungen bei Handelsabkommen im Fokus stehen.
Jetzt müssen wir schnell Nägel mit Köpfen machen, die Zeit drängt. Zusammen mit der im nächsten Monat verabschiedeten Position des Europäischen Parlaments zur weltweiten Abholzung haben wir ausreichend politischen Rückhalt auf europäischer Ebene um die Probleme endlich anzugehen.“

 

19.08.2020

Positionspapier Landwirtschaft und Klimawandel: Das Schaffen stabiler Agrar-Systeme ist wichtiger als Versicherungen gegen Ernteausfälle und Klimaschäde

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Grüne / EFA und Mitglied im Umweltausschuss des Europaparlamentes zur Debatte um Ernteversicherungen:

„Die Folgen des Klimawandels sind in Deutschland und Europa nun im dritten Folgejahr greifbar. Ausgedehnte Dürre- und Hitzeperioden sind auch in den nächsten Jahren zu erwarten. Damit steigt das Risiko für landwirtschaftliche Betriebe, mit den bisherigen Anbauformen auch künftig noch erfolgreich zu wirtschaften.
Doch statt konsequent klimaangepasste Anbausysteme mit Humusaufbau und Artenvielfalt zu fördern, will das Bundeslandwirtschaftsministerium die Risiko-Versicherungen steuerlich erleichtern. Das stellt die Situation auf den Kopf. Risikovorsorge muss in der landwirtschaftlichen Praxis passieren und kann sich nicht im Abschluss einer Versicherung erschöpfen. Der Aufbau und die Förderung klimastabiler Systeme und vorausschauenden Handelns sind die beste Absicherung mit Blick auf die kommenden Jahre. Eine Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel schützt Betriebe zusätzlich gegenüber Schädlingen und Krankheiten, fördert die Artenvielfalt sowie die Grundwasserbildung und ist gleichzeitig Hochwasserschutz.
Es ist überfällig, Vorgaben und Unterstützung für eine systemische Risikovorsorge – insbesondere im Hinblick auf Ertragsrisiken durch den Klimawandel - auch in der Ausgestaltung der GAP ab 2020 verpflichtend zu verankern. Die Förderkulissen müssen dringend auf ihre Klimaziele überarbeitet werden.“

Weitere Infos:
Positionspapier: Stabile Systeme first, Versicherungen second!
Studie „Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft - Oder warum weniger vom Schlechten nicht Gut ist“

 

02.07.2020

Europäisches Parlament berät saubere Lieferketten: Kein Baum darf fallen für Soja-, Mais- oder Palmöl-Plantagen

Kein Wald soll künftig mehr geopfert werden, um Platz zu schaffen für den Anbau von Palmöl, Fleisch, Kakao, Kaffee, Gummi, Mais und anderen Produkten. Am heutigen Vormittag diskutiert der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments rechtlich verbindliche Grundlagen, um „entwaldungsfreie Lieferketten“ zu garantieren und bereits vernichtete Wälder zu rekultivieren. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses, ist der verantwortliche Grüne für die Stellungnahme des EU-Agrarausschusses dazu:

„Die Wälder der Erde sind teilweise in einem katastrophalen Zustand: Klimawandel und Raubbau hinterlassen tiefe Spuren. Hauptgrund für die Abholzungen an vielen Orten der Welt ist die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen. Soja, Rindfleisch und Palmöl allein sind zusammen verantwortlich für 80 Prozent der globalen Abholzung.
Die Menschen in Europa tragen mit ihrem täglichen Verbrauch zur globalen Abholzung bei: Denn für rund zehn Prozent der landwirtschaftlichen Produkte wurden Wälder vernichtet. Das darf so nicht weitergehen. Der Klimawandel allein gebietet dringend eine Änderung dieser für uns oft nur allzu leichtfertig ausgeblendeten ökologischen Folgen: Etwa zwölf Prozent der globalen Klimagase sind auf die weltweite Abholzung zurückzuführen.
Wir haben die ökologische und moralische Pflicht, bei unserem Konsum an das andere Ende der Warenkette zu denken. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Herkunft unserer Produkte „clean“ ist.
Dazu gehört eine verbindliche EU-Gesetzgebung für entwaldungsfreie Lieferketten. Unsere Produkte und Dienstleistungen dürfen keine Abholzung oder Degradierung oder Umwandlung von Ökosystemen verursacht haben und auch keine Menschenrechtsverletzungen an Indigenen und der Lokalbevölkerung hervorrufen.
Freiwillige Maßnahmen genügen nicht, das zeigt die Erfahrung. Wir rufen jetzt die Europäische Kommission auf, die gesetzliche Grundlage für eine verbindliche Sorgfaltspflicht zu schaffen. Handelsabkommen müssen verbindliche Vorgaben enthalten: zum Waldschutz, dem Schutz natürlicher Ökosysteme und dem Schutz der Menschenrechte. Handelsabkommen, die solche Vorgaben nicht enthalten, müssen nachgebessert werden, vor allem das zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ausgehandelte Abkommen.
Wichtig ist mir zudem, dass die EU ihre Abhängigkeit von importierten Forst-Produkten verringert: Der EU-Protein-Plan muss umgesetzt werden; Tierhaltung in der EU muss flächengebunden sein.“

Live im Umweltausschuss dabei sein (9-11 Uhr): https://multimedia.europarl.europa.eu/en/envi-committee-meeting_20200702-0900-COMMITTEE-ENVI_vd

11.06.2020

Studien "Die Vergebliche Suche nach dem Superbaum"

Titel wald

In der am 11.06.2020 vorgestellten Studie beschäftigt sich der Autor und Journalist Stephan Börnecke nach seinem letzten erfolgreichen Dossier „Die unheimliche Artenerosion“  in seiner neuesten Arbeit nun mit den Fragen des ökologischen Waldumbaus in Zeiten des Klimawandels, dem Sinn von Waldschadensberichten, dem Dauerproblem Wildverbiss sowie dem fehlenden Waldschutz im europaweiten Netzwerk Natura 2000. Dabei legt er vor allem Augenmerk auf den Waldkiller Dürre sowie die Schäden an der Waldnatur durch Stickstoff-Emissionen und Wildrudel.

    Download der Waldstudie

Das Webinar zur Vorstellung der Studie am 11. Juni 2020 kann hier nochmal angeschaut werden.

Die Präsentationen der Podiumsteilnehmer*innen sind hier zu finden:

   Stephan Börnecke - Autor (PDF 4,5 Mb) 

   Jörg-Andreas Krüger - Präsident NABU (PDF, 0,5 Mb)

   Prof. Dr. Diana Pretzell - Direktorin Biodiversitätspolitik des WWF (PDF, 4,7 Mb)

   Prof. Dr. Pierre Ibisch - Center for Economics and Ecosystem Management HNEE Eberswalde (PDF, 4,9 Mb)

 

Weitere Papiere zum Thema Wald:

Diskussionspapier Jagd: Überhöhte Wildbestände - Was muss sich wirklich ändern?

Hintergrundpapier zur Waldnutzung: 'Haben wir noch einen Extra-Planeten für Wald?'
 

11.06.2020

Sterbende Wälder im Klimawandel - Schadstoffe reduzieren, Waldbau ändern und Klimawandel bekämpfen

Der deutsche und europäische Wald muss angesichts seiner zentralen Rolle beim Klimaschutz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses. Zur Vorstellung der von ihm herausgegebenen und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfassten Wald-Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum“ sagt Häusling:

„Nach zwei Dürrejahren steht der Wald bei uns buchstäblich in ‚Flammen‘: Das Sterben der Bäume hat dramatische Züge angenommen. Das Katastrophale dabei ist, dass es längst nicht mehr die Fichten- oder Kiefern-Monokulturen allein sind, die auf großen Flächen absterben. Sondern betroffen ist inzwischen auch die Baumart, die natürlicherweise das Waldbild in Mitteleuropa prägen würde: Auch Buchen sterben inzwischen in größeren Parzellen ab.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Eine nie ausreichend gestoppte Schadstoffbelastung aus der Luft, an der Verkehr sowie Verbrennungsprozesse zur einen, aber auch die Landwirtschaft zur anderen Hälfte beitragen, wirkt sich in Zeiten des Klimawandel besonders dramatisch aus. Es muss endlich in der Öffentlichkeit verstanden werden, dass diese Belastung drastisch verringert werden muss und alle Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs aktiviert werden.

Gleichzeitig, und auch das zeigt sich in diesen Jahren, müssen die Förster und Waldbesitzer ihre bisherigen Waldbaumethoden überdenken. Plantagenanbau verbietet sich ohnehin, aber auch freigestellte ältere Buchen sind dem Klimawandel ausgeliefert und zeigen dramatische Ausfallerscheinungen. Etwa dann, wenn der Schirm aufgerissen wird, um inmitten des natürlich gewachsenen Buchenwalds nordamerikanische Nadelhölzer zu pflanzen.

Eins muss auch klar sein: Die Suche nach dem Superbaum, auf den manche hoffen, wird vergeblich bleiben. Es hat überhaupt keinen Sinn, sich weiter auf Douglasien statt auf Fichten zu stützen. Auch Douglasien kommen mit den Folgen des Klimawandels nicht klar, auch sie werden von Borkenkäfern befallen und sind Opfer von Stürmen, während heimische Kiefern noch locker Stand halten.

Was wir brauchen, ist ein natürlicherer Waldbau, der sich weniger als bisher am maximalen Profit orientiert.“

 

Der Journalist und Autor Stephan Börnecke hat die Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum – Der Waldkiller Dürre stellt in den Schatten, dass Stickstoff aus anthropogenen Quellen und Wildrudel der Waldnatur seit Jahrzehnten massiv zusetzen“ im Auftrag von MdEP Martin Häusling verfasst. Diese Studie stellt eine Fortsetzung dar des erstmals im Januar 2016 erschienenen und zuletzt 2019 ergänzten Dossiers „Wir sind dann mal weg – Die (un-)heimliche Arten-Erosion“ zur Rolle der Landwirtschaft beim Verlust der Biodiversität.

Link zur Wald-Studie

11.06.2020

Neue Studie: Sterbende Wälder im Klimawandel - Schadstoffe reduzieren, Waldbau ändern und Klimawandel bekämpfen

Titel waldDer deutsche und europäische Wald muss angesichts seiner zentralen Rolle beim Klimaschutz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses. Zur Vorstellung der von ihm herausgegebenen und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfassten Wald-Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum“ sagt Häusling:

„Nach zwei Dürrejahren steht der Wald bei uns buchstäblich in ‚Flammen‘: Das Sterben der Bäume hat dramatische Züge angenommen. Das Katastrophale dabei ist, dass es längst nicht mehr die Fichten- oder Kiefern-Monokulturen allein sind, die auf großen Flächen absterben. Sondern betroffen ist inzwischen auch die Baumart, die natürlicherweise das Waldbild in Mitteleuropa prägen würde: Auch Buchen sterben inzwischen in größeren Parzellen ab.

Die Gründe dafür sind vielschichtig:

03.02.2020

Europäische Wälder: Ernsthaft in Gefahr

Am 4. und 5. Februar hält die Europäische Kommission eine internationale Konferenz zu ‚Wälder für Artenvielfalt und Klima‘ in Brüssel ab. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss, kommentiert:

„Unsere Wälder leiden sichtbar. Trockenheit, Borkenkäfer und Übernutzung hinterlassen deutliche Spuren. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir in Europa unseren bisherigen Umgang mit unseren Wäldern überdenken. Fingerzeige auf Brasilien und andere Weltteile genügen nicht, wenn es darum geht, die grünen Lungen unserer Erde am Leben zu halten.
Die Europäische Kommission hat mit ihrem Green Deal ein mögliches Instrument ausgewählt, um den Zustand der Wälder längerfristig zu verbessern. Erste Vorstellungen der Forststrategie aber wecken Zweifel daran, dass die Vorhaben in die richtige Richtung gehen. Es steht zu befürchten, dass die Nutzung der Wälder intensiviert werden soll. Das geht in die falsche Richtung, stattdessen sollten mehr Waldflächen unter Schutz gestellt werden und die nachhaltige Nutzung von Wäldern priorisiert werden. Baumplantagen sind nicht zukunftsfähig.
Umweltschutzverbände jedenfalls sind wenig optimistisch, sie befürchten, dass die Biodiversitätsstrategie und die Waldstrategie sich gegenseitig ausspielen. Ihr Protest im Vorfeld der Waldkonferenz sollte ernst genommen werden.“

Weiterführende Informationen:

Protest zur internationalen Waldkonferenz in Brüssel (Robin Wood, EuroNatur, Agent Green):
4. Februar 2020 um 8:45 Uhr über dem Tunnel der Rue de la Loi, direkt westlich des Robert Schumann-Kreisverkehrs in Brüssel

Waldkonferenz „International Conference on Forests for Biodiversity and Climate“: https://ec.europa.eu/info/events/international-conference-forests-biodiversity-and-climate_de

Veranstaltung zur Abholzung in den Karpaten: https://martin-haeusling.eu/themen/eu-umweltpolitik/2471-europas-urwaelder-schuetzen-rodungen-in-den-karpaten-stoppen.html

Wald-Dossier von S. Börnecke: Vorabveröffentlichung des 1. Kapitel unter https://martin-haeusling.eu/presse-medien/publikationen/2288-wald-dossier-von-stephan-boernecke-vorabveroeffentlichung-des-1-kapitel.html

04.12.2019

Weltbodentag 2019: Je mehr Artenvielfalt im Boden, desto fitter für den Klimawandel!

Zum morgigen Weltbodentag 2019 erklärt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„In Zeiten, wo Niederschläge ausbleiben und Ernteerträge einbrechen, ist nicht nur die Frage nach einer klimaverträglichen Landwirtschaft existenziell, sondern vor allem die Frage: Sind unsere Böden fit für den Klimawandel?
Unser aktuelles Agrarsystem überfrachtet Böden mit den falschen Nährstoffen und belastet das Bodenleben durch Monokulturen und Pestizide. Humusverlust und Verlust des Bodenlebens sind die Folge. Bei 45 Prozent der europäischen Böden liegt der Gehalt an organischer Substanz unter der Zwei-Prozent-Marke. Das EU-Forschungsprojekt SOILSERVICE, an dem elf europäische Universitäts- und Forschungsinstitute beteiligt waren, hat schon in seinem Bericht von 2012 eindeutig festgestellt, dass eine intensive Landwirtschaft zu einem Verlust der biologischen Vielfalt im Boden führt. Das bedeutet Bodenverdichtung und geringe Wasserspeicherfähigkeit.
Ein nachhaltiges Humusmanagement muss deutlich mehr in den Fokus der Europäischen Agrarpolitik.
Ökologische Bodenbewirtschaftungstechniken, wie hochwertige organische Düngung und weite Fruchtfolgen machen Böden widerstandsfähiger für Klimaextreme. Ökologisch bewirtschaftete Böden speichern beispielsweise deutlich mehr Wasser als Flächen konventioneller Betriebe und können daher Überschwemmungen und Dürren besser vorbeugen.
Die Artenvielfalt im Boden muss generell deutlich mehr ins öffentliche und politische Bewusstsein rücken:
‚Die Bodenbiologie spielt eine lebenswichtige Rolle für die Bodenfruchtbarkeit und hat erhebliche Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Erträge. Außerdem tragen sie zur Reinigung von Luft und Wasser bei. Müssten diese Funktionen synthetisch erfüllt werden, würde das jedes Jahr Billionen Euro kosten.‘, schrieb die EU Kommission schon 2010.
Diese Erkenntnis muss auch zu Konsequenzen in der Gestaltung der Europäischen Agrarpolitik führen. Daher muss die Kommission das Thema aufgreifen und mit in die Klimastrategie einarbeiten!“

Siehe auch:

Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) (2016): Böden als Wasserspeicher

Studie zur „Klimasmarten Landwirtschaft“

Studie zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft

11.07.2019

STUDIE Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft

181019 Titel Klima

Nominiert für den Salus Medienpreis 2019!

VomMythos der klimasmarten Landwirtschaft – oder warum weniger vom Schlechten nicht gut ist

--> Download der Studie

--> English Version available

 

Die Studie wurde am 19. Oktober 2018 in Berlin präsentiert.

Inhalt: In Zeiten, wo Niederschläge ausbleiben und Ernteerträge einbrechen, ist nicht nur die Frage nach einer klimaverträglichen Landwirtschaft sondern auch die nach einer Klimaanpassung der Landwirtschaft aktueller denn je. Die Studie "Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft -  oder warum weniger vom Schlechten nicht gut ist" zeigt auf, warum das System der sogenannten „modernem“ Intensivlandwirtschaft eher Klimaschädlich als klimasmart ist und warum ein paar Korrekturen mittels Big Data, Präzisionslandwirtschaft und Leistungssteigerung per Hektar oder Kuh daran nicht viel ändern werden.

Wie Ackerbau und Tierhaltung wirklich „klimasmart“ gestaltet werden können, warum man dafür Rinder nicht verteufeln darf und wie man landwirtschaftliche Systeme „resilient“ macht, damit sie Extremwetterlagen möglichst lange  ausgleichen können, das zeigen Dr. Andrea Beste und Dr. Anita Idel in dieser Studie.

 

Studien-Autorinnen

Dr. Andrea Beste, Diplomgeografin und Agrarwissenschaftlerin. Co-Autorin des von BUND und Böll-Stiftung publizierten „Bodenatlas“.

Dr. Anita Idel, Mediatorin (MAB) und Tierärztin, Projektmanagement Tiergesundheit & Agrobiodiversität. Co-Autorin des Weltagrarberichtes.

20.03.2019

Agrarreform als Trauerspiel: Konservative blenden Klima- und Naturschutz komplett aus

Die konservative Mehrheit im Europäischen Parlament blockiert nach Kräften eine zeitgemäße, auf Klimawandel und Erhalt der Artenvielfalt fokussierte Agrarreform. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss, kommentiert den Abschluss der erfolglosen Gespräche der Fraktionen über die Vorschläge der EU-Kommission:

„Wir sind entsetzt, dass eine konservative Mehrheit im Parlament eine derart rückwärts gewandt Agrarpolitik zu betreiben versucht. Die Konservativen blenden die Notwendigkeiten, wie sie durch den Klimawandel und die schwindende Artenvielfalt unübersehbar gesetzt sind, völlig aus. Statt Zeichen zu setzen, um die akuten Umweltprobleme zu lösen, gilt für sie das Motto: Viel Geld für Landwirte, ohne nennenswerte Gegenleistung für die Gesellschaft erbringen zu müssen.
Eine solche Politik missbraucht Boden, Wasser und Natur für eine agrarindustrielle Produktion, die nur wenigen Großagrariern und Konzernen zugute kommt und die auf eine Billigerzeugung für den Weltmarkt abstellt.
Wer behauptet, wie in den Gesprächen geschehen, Landwirtschaft sei per se Klimaschutz, der muss sich vorwerfen lassen, weder von Landwirtschaft noch von Klimaschutz den Hauch eine Ahnung zu haben. Der noch im Kommissionsentwurf vorgesehene Anteil von 40 Prozent der Zahlungen, die an Klimaschutz gebunden sein sollten, wurde von den Konservativen sogar ersatzlos gestrichen.
Während wir Grüne verlangt haben, 50 Prozent der Ausgaben an die Einhaltung von Umweltleistungen („eco-schemes“) zu binden, haben die Konservativen diesen Anteil auf 20 Prozent gekappt. Und die sollen obendrein freiwillig sein, dass heißt, kein Landwirt muss diese Bindung akzeptieren.
Wer so Politik betreibt, blamiert sich, denn er fällt in alte Zeiten zurück und ignoriert die Herausforderung der heutigen Zeit. Es ist traurig, was wir hier in den Gesprächen erleben mussten.“

04.12.2018

Weltbodentag: Unsere Böden sind nicht fit für den Klimawandel!

Zum Weltbodentag 2018 erklärt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Unsere Böden in Europa sind nicht fit für den Klimawandel!
Sie leiden zum einen unter der Trockenheit, wie in diesem Jahr, zum anderen können sie bei Starkregen das Wasser nicht mehr aufnehmen. Die „Regenverdaulichkeit“ und Wasserspeicherfähigkeit sinkt. Ursachen dieser Funktionsstörungen liegen im Rückgang der biologischen Vielfalt im Boden, in Humusverlust, Erosion und Bodenverdichtung.
Das EU-Forschungsprojekt SOILSERVICE, an dem elf europäische Universitäts- und Forschungsinstitute beteiligt waren, hat schon in seinem Bericht von 2012 eindeutig festgestellt, dass eine intensive Landwirtschaft zu einem Verlust der biologischen Vielfalt im Boden führt. Enge Fruchtfolgen, intensive Düngung und ein hoher Pflanzenschutzmitteleinsatz sowie das Fehlen von organischem Material führen zu einer Verschlechterung der biologischen Vielfalt im Boden und zu Humusschwund. Darauf folgt Verdichtung und der Wasserhaushalt ist gestört!
Die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) hat die Lösung in ihrem Papier „Böden als Wasserspeicher“ schon 2016 betont: Ökologisch bewirtschaftete Böden speichern deutlich mehr Wasser als Flächen konventioneller Betriebe und können daher Überschwemmungen und Dürren besser vorbeugen.“
Zitat: Hauptursache hierfür ist eindeutig die signifikant höhere biologische Aktivität ökologisch bewirtschafteter Böden und nicht allein deren Gehalt an organischer Bodensubstanz.
„In der konventionellen landwirtschaftlichen Praxis sind diese Erkenntnisse leider bisher noch nicht angekommen, teilweise werden diese Fakten sogar abgestritten. Doch es ist klar: Um dem Klimawandel zu begegnen, brauchen wir dringend weniger bodenschädigende Stickstoffdüngung, Monokulturen und Pestizide. Wir brauchen mehr agrarökologisches Bodenmanagement, welches die biologische Vielfalt in Böden fördert. So, wie es der Ökolandbau praktiziert und noch darüber hinaus.
Daher muss eine moderne Landwirtschaft die Bodenbiologie deutlich mehr in den Fokus einer nachhaltigen Bewirtschaftung rücken. Es geht nicht nur um die Artenvielfalt auf dem Acker, sondern auch darunter!“

Siehe auch neue Studie: Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft – oder warum weniger vom Schlechten nicht gut ist
Sowie Bodenstudie von 2015: Down To Earth - Der Boden, von dem wir leben: Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft

 

09.10.2018

Übles Spiel zum Klimabericht im Agrarausschuss!

Die Abstimmung über die Stellungnahme des Agrarausschusses zum EU-LIFE-Programm zur Klimapolitik, kommentiert der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europaparlament, Martin Häusling:

„Man wird den Eindruck nicht los, dass die klimaskeptischen Kräfte der Konservativen und Liberalen den Leugner des Klimawandels, John Stuart Agnew, von der europafeindlichen UKIP, vorgeschickt haben, um die Stellungnahme des Agrarausschusses zum von ihnen ungeliebten Klima- und Umweltprogramm LIFE, vor die Wand fahren zu lassen.
So hat die Entscheidung der Konservativen und Liberalen, diesen Berichterstatter zu wählen, den Klimaskeptikern letztendlich das Ruder überlassen. Diese rückwärtsgewandten Allianzen haben verhindert, dass der unsägliche Entwurf von Herrn Agnew im Agrarausschuss noch zu einem für uns Grüne akzeptablen Bericht gedreht werden konnte.
Besonders vor dem Hintergrund des gerade erschienenen Berichts des Weltklimarates (IPCC), der klar sagt, dass Eile und konsequentes Handeln geboten sind, muss man sich als Mitglied des Agrarausschusses fremdschämen ob solcher U-Boot-Strategien.“

Siehe auch Pressemitteilung vom 26.09.2018:
Dinos würden rot werden - Klimaskeptiker als Berichterstatter zur EU-Klimapolitik

21.09.2018

Heiß, heißer, Klima – jetzt zusammen anpacken! Grüne Klimakonferenz in Frankfurt/M.

Grüne Klimakonferenz im Vorfeld des Weltklimagipfels in KatowiceEinladung pic

Freitag, 21. September 2018, ab 9:30 Uhr
Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main

EINLADUNGund PROGRAMM

Anmeldung: http://gruenlink.de/1gxh
Event auf Facebook verbreiten: https://www.facebook.com/events/928676737336517/

30.08.2018

Klimaskeptiker als Berichterstatter: Dinosaurier würden erröten!

Anlässlich der Aussprache zur Stellungnahme des Agrarausschusses zum EU-LIFE-Programm zur Klimapolitik, reagiert der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA des Parlaments, Martin Häusling, empört:

„Wie kann es passieren, dass die Vergabe der Stellungnahme des Agrarausschusses zur Klimapolitik mit John Stuart Agnew (UKIP) an einen Abgeordneten ging, dessen faktenfreie Ausfassung zum Klimawandel allseits bekannt ist? Möglich gemacht haben das Albert Dess (CSU/EVP) und Ulrike Müller (FWG/ALDE), also die Agrarkoordinatoren der Konservativen und Liberalen in einer unheiligen Allianz.
Wer dies erstaunlich findet, muss sich allerdings nur Äußerungen von Albert Dess ansehen. Wiederholt ist auch er in Debatten als Klimaskeptiker aufgetreten und spricht Klimawissenschaftlern auf seiner Homepage öffentlich ihre Kompetenz ab.

Zitat Albert Dess 2015:
„Mehr oder weniger seriöse Wissenschaftler warten tagtäglich mit neuen Hiobsbotschaften auf und versuchen, die Menschen zu verunsichern und ihnen Angst zu machen mit den angeblichen Folgen einer globalen Erwärmung.“[1]

„Dass nun ein Klimaleugner den Bericht für den Agrarausschuss bearbeitet und behauptet, der Klimawandel ginge auf `Sonnenflecken und die gravitative Anziehungskraft der Planeten´ zurück, ist ein Skandal. Solchen trumpschen Anwandlungen widersprechen wir Grüne im Europaparlament aufs schärfste! Klimaskeptiker dürfen nicht über die Finanzierung und Ausstattung von Klimaprogrammen entscheiden.“, so Häusling.

Dave Reay, Professor für Kohlenstoffmanagement an der Universität von Edinburgh, hat sich gegenüber dem Guardian zum Berichtsentwurf von Herrn Agnew wie folgt geäußert: "Es ist passend, dass dieses lächerliche Dokument paläoklimatische Informationen gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel missbraucht - diese abgedroschenen, pseudowissenschaftlichen Argumente lassen Dinosaurier erröten."
Siehe auch Guardian vom 29.08.2018:
https://www.theguardian.com/environment/2018/aug/29/ukip-mep-sparks-outrage-with-report-denying-human-role-in-climate-change

 

[1] https://kurzlink.de/VEaTxgco4

Weitere Informationen:
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament - Martin Häusling
Tel. +32-2-284-5820, Fax +32-2-284-9820 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!