Grüne Europagruppe Grüne EFA

Klima-, Umwelt-, Natur-, Bodenschutz & Pestizide

17.05.2017

Wiederzulassung Glyphosat: Vorschlag untauglich: Pestizide europaweit vom Acker holen!

Zum Vorschlag der EU-Kommission, das meistverwendete Pestizid Glyphosat unter Auflagen für weitere zehn Jahre in der EU zu genehmigen, erklärt Martin Häusling, agrar- und umweltpolitischer Sprecher:

„Dieser Vorschlag ist ein Schlag ins Gesicht für die dreiviertel Millionen Bürgerinnen und Bürger, die in den letzten Wochen die Europäische Bürgerinitiative Glyphosat mitgezeichnet haben und deren erfolgreicher Abschluss Ende Juni zu erwarten ist.
Keine ihrer Forderungen - ein EU-weites Verbot vorzuschlagen, das Verfahren für die Genehmigung des Pestizids zu reformieren und EU-weit verbindliche Reduktionsziele für den Einsatz von Pestiziden festzulegen – findet sich in dem jetzt vorgelegten Vorschlag wieder.

Der Vorschlag ist damit inhaltlich und im Demokratieverständnis ignorant. Das bestätigt auch die Äußerung des Agrarkommissar Phil Hogans, der wider besseres Wissen von einer Prüfung „bis zum Überdruss“ spricht, obwohl immer noch unaufgeklärte Vorwürfe im Raum stehen, wonach die Hersteller Studien zur Bewertung der Gesundheitsgefahren des Wirkstoffs beeinflusst haben sollen.

Mit diesem unpassenden Vorschlag zur unpassenden Zeit wird das Vertrauen in Europa nicht gestärkt, sondern empfindlich geschwächt. Außerdem ist er vollkommen ungeeignet, dem dramatischen Artenverlust durch eine zunehmend agrarindustrielle Landwirtschaft wirksam entgegen zu treten. Den Einsatz des meistverwendeten Pestizids spürbar zu beschränken, wäre ein erster wichtiger Schritt, um eine Trendwende einzuläuten.

Jetzt haben es die Mitgliedstaaten in der Hand, den Vorschlag abzulehnen oder zumindest so nicht passieren zu lassen. Was wir brauchen, ist eine europaweite und keine zersplitterte Lösung, die mehr Probleme schafft als sie löst. Denn die Mitgliedsstaaten können den schwachen EU-Vorschlag national allenfalls durch weitere Auflagen beschränken, aber keine nationalen Verbote erlassen.

Insbesondere Umweltministerin Barbara Hendricks muss jetzt unter Beweis stellen, dass sie ihren Worten, einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft in Europa einen Riegel vorzuschieben, auch Taten folgen lassen kann.
 
Deutschland hat es in der Hand, den untauglichen Vorschlag für Europa zu Fall zu bringen und Mitte Juni im Ständigen Ausschuss mit NEIN zu stimmen, anstatt ihm erneut durch eine deutsche Enthaltung oder gar Zustimmung den Weg zu bereiten.“
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04.04.2017

Avocado oder Wasser: Boomfrucht zerstört in Chile ganze Regionen

Chile MadimaAvocado ist Gesundheit pur, heißt es. Doch der Anbau der in Europa immer beliebteren Trendfrucht hat ganz erhebliche Nebenwirkungen für die Bauern und Bevölkerung vor Ort. Im November 2016 bin ich nach Chile gereist, um mir selbst ein Bild zu machen und Betroffene wie Akteure zu treffen.
Fazit: Wer bewusst konsumiert, sollte dabei nicht nur die eigene Gesundheit im Blick haben und Avocados aus Chile boykottieren. Denn solange der Absatz boomt, wird es bei den desaströsen Folgen für Menschen und Umwelt in Chile bleiben.

Ich unterstütze das Anliegen der Aktivisten von Modatima, denn zur Bewässerung der Monokulturen wird ihnen buchstäblich das Wasser abgegraben.

24.03.2017

Bienengifte: Schmidt und EU-Kommission müssen endlich handeln

Zu Berichten über ein geplantes Verbot der EU-Kommission für bienengiftige Insektizide (Neonikotinoide), erklären Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, und Martin Häusling, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament:
 
Es ist ein Meilenstein für den Bienenschutz, wenn die EU-Kommission tatsächlich ein vollständiges Verbot der Neonikotinoide vorschlägt. Angesichts des anhaltenden Insektensterbens muss die Kommission die Notbremse ziehen. Agrarminister Schmidt sollte seine nutzlosen Bienen-PR-Aktionen gegen echte Unterstützung eintauschen und jetzt zusammen mit Frankreich ein solch umfassendes Verbot auf EU-Ebene unterstützen und durchsetzen.
Angesichts der erdrückenden wissenschaftlichen Beweislast hunderter Studien, die eine Gefährdung für Honig- und Wildbienen, andere Insekten und weitere Tiergruppen belegen, müssen die Neonikotinoide vom Markt. Dies muss auch für alle Wirkstoffe gelten, die bislang nicht von Beschränkungen erfasst sind, insbesondere Thiacloprid und Acetamiprid. Die bisherigen Teilverbote für vier Wirkstoffe werden dem Gefahrenpotential dieser Wirkstoffgruppe nicht gerecht und haben in Deutschland auch nicht zu einer verringerten Gesamteinsatzmenge der Neonikotinoide geführt.
 
Das geplante Verbot ist die konsequente Anwendung des Vorsorgeprinzips - auch im Interesse der Landwirtschaft selbst, die auf Bestäuber und andere Nützlinge wie die ebenfalls gefährdeten Schlupfwespenarten angewiesen ist. Es reicht nicht, nur die erste Generation der Neonikotinoide im Blick zu haben. Auch neuere Wirkstoffe wie Cyantraniliprol, Flupyradifuron und Sulfoxaflor verfügen über den gleichen Wirkmechanismus. Laut der EU-Risikobewertungsbehörde EFSA können auch für diese Substanzen Risiken für Bestäuber und andere Gliederfüßer nicht ausgeschlossen werden.
 

09.03.2017

Palmöl: Fluch für den Regenwald und das Klima - EP für schrittweisen Ausstieg

Nachhaltige Produktions- und Exportkriterien für Palmöl sowie der schrittweise Ausstieg aus der Pflanzenspritförderung sollen den Regenwald und in ihm lebende bedrohte Arten besser schützen. Dafür hat sich heute der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments bei der Abstimmung über  einen Bericht zu den Themen Palmöl sowie Entwaldung von Regenwäldern ausgesprochen Martin Häusling, umweltpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, kommentiert:

„Ein Großteil der Palmöl-Importe der EU, nämlich 46 Prozent, wird derzeit als Biokraftstoff verbrannt, wofür rund eine Million Hektar Land in den Tropen benötigt werden. Dieser  Anbau stellt ein ökologisches Desaster dar: Für die Palmölplantagen werden im großen Stil tropische Wälder hauptsächlich in Südostasien gerodet, jede Menge CO2 freigesetzt und Lebensräume bedrohter Arten zerstört. Aufgrund der steigenden Nachfrage rücken mittlerweile auch Zentral- und Westafrika in den Fokus der Plantagenbetreiber. Wir Grünen haben uns im Umweltausschuss deshalb für die Aufnahme eines stufenweisen Ausstiegs aus der Pflanzenspritförderung der EU im Bericht erfolgreich eingesetzt.

Palmöl ist außerdem ein weit verbreitetes Pflanzenöl in der Lebensmittelindustrie, das sich in fast jedem zweiten Supermarktprodukt befindet. Mit dem Kauf von alltäglichen Produkten wie Waschmittel, Seife und Schokoaufstrichen fördern wir zusätzlich die Zerstörung des Regenwaldes und seiner Lebensräume für Nashörner, Tiger und Orang-Utans.

Mit dem Bericht, den wir Grüne unterstützen, zeigt der Umweltausschuss eine klare Haltung für den Schutz des Regenwaldes und fordert, dass Palmöl nur aus nachhaltiger Produktion in die EU importiert werden darf. Geregelt werden soll das durch verpflichtende Mindeststandards für den Anbau von Palmöl und ein Nachhaltigkeitszertifikat für Produzenten und Händler von Palmöl, welches über die aktuell bekannten weit hinausgehen muss. Wir Grünen fordern außerdem, dass es keine EU-Investitionen in nicht nachhaltige Palmölprojekte mehr geben darf.

Nachdem der Bericht heute im Umweltausschuss positiv abgestimmt wurde, erwarte ich ein ebenso gutes Ergebnis für die Abstimmung im Plenum im April. Dann ist die EU-Kommission an der Reihe, aus der wichtigen Initiative eine Gesetzgebung vorzulegen.“

weitere Informationen:

• PM: EU-Parlament erhöht mit Initiativbericht den Druck für Initiativen gegen Urwald vernichtenden Palmöl-Anbau

Entwurf des EP-Berichtes über Palmöl und die Entwaldung von Regenwald, 3. 11. 2016

Studie der Umweltorganisation Transport &Environment über Palmöl im Tank, Nov. 2016

• Greenpeace Magazin (06/16) „Die Spur des Palmöls”

• Film „Landraub“ über Akteure sowie Ursachen und Folgen des Palmöl-Anbaus

08.03.2017

Schluss mit Hinterzimmer-Abstimmungen – für echte Transparenz-Regeln

170214 Junker KomitologieKOMITOLOGIE
Wer entscheidet eigentlich in Europa über Gentechnikzulassungen oder ein Verbot von Umwelthormonen? Die Kommission, die Mitgliedsstaaten oder das Europäische Parlament? Die Antwort ist entscheidend, um die politisch Verantwortlichen überhaupt benennen zu können. Da sie kaum einer kennt, eröffnen sich Spielräume, die Verantwortung für unpopuläre Entscheidung anderen zuzuschieben. Kommissionspräsident Juncker ist die Schwarze-Peter-Karte, die ihm die EU-Mitgliedsstaaten in der Angelegenheit gern zuschieben, leid. Er hat eine neue Verordnung mit neuen Abstimmungsregeln vorgeschlagen. Macht Juncker damit endlich sein Versprechen war, für ein transparentes und demokratisches Verfahren zu sorgen? Vorsicht ist geboten. Denn mit seinem ersten Reform-Anlauf hat er Europa einen gentechnischen Flickenteppich und der Gentechnik-Industrie ein Mitspracherecht auf politische Entscheidungen beschert.

08.03.2017

Schluss mit Hinterzimmer-Abstimmungen – für echte Transparenz-Regeln

170214 Junker KomitologieKOMITOLOGIE
Wer entscheidet eigentlich in Europa über Gentechnikzulassungen oder ein Verbot von Umwelthormonen? Die Kommission, die Mitgliedsstaaten oder das Europäische Parlament? Die Antwort ist entscheidend, um die politisch Verantwortlichen überhaupt benennen zu können. Da sie kaum einer kennt, eröffnen sich Spielräume, die Verantwortung für unpopuläre Entscheidung anderen zuzuschieben. Kommissionspräsident Juncker ist die Schwarze-Peter-Karte, die ihm die EU-Mitgliedsstaaten in der Angelegenheit gern zuschieben, leid. Er hat eine neue Verordnung mit neuen Abstimmungsregeln vorgeschlagen. Macht Juncker damit endlich sein Versprechen war, für ein transparentes und demokratisches Verfahren zu sorgen? Vorsicht ist geboten. Denn mit seinem ersten Reform-Anlauf hat er Europa einen gentechnischen Flickenteppich und der Gentechnik-Industrie ein Mitspracherecht auf politische Entscheidungen beschert.

24.06.2016

EurActiv - EU-Abgeordnete: Glyphosat wird Landwirte teuer zu stehen kommen

Von: Nicole Sagener | EurActiv.de

Über die Wirkung von Glyphosat auf die Gesundheit wird weiter heftig diskutiert. Doch es gibt noch andere heikle Seiten des Pflanzengifts.

Glyphosat steht nicht nur im Verdacht krebserreged zu sein. Es wird auch zu hohen Kosten für Landwirte führen und die Umwelt zerstören, warnen Dutzende EU-Parlamentarier vor der erneuten Abstimmung.

Das Ringen um die Zulassungs-Verlängerung von Glyphosat geht in die nächste Runde. Eine qualifizierte Mehrheit für den Kommissionsvorschlag zur Verlängerung hatte sich bei der vergangenen Brüsseler Sitzung des zuständigen Ausschusses nicht gefunden. Nun wird sich am morgigen Freitag ein Berufungsausschuss mit dem heiß debattierten Thema befassen. Sollten die Mitgliedsländer weiterhin keine gemeinsame Position finden, kann die EU-Kommission die zeitlich befristete Weiterverwendung von Glyphosat selbst genehmigen.

Entsprechend erhitzt laufen nun die Diskussionen. Hintergrund des Streits sind vor allem unterschiedliche Meinungen darüber, ob das Herbizid krebserregend ist. Doch das, so warnen nun mehrere EU-Abgeordnete nachdrücklich, sei längst nicht der einzige heikle Punkt an Glyphosat.

Viele Insekten und Tierarten verschwinden

“Neben der Diskussion um die krebserregende Wirkung muss auch die zunehmende Zerstörung der Tier- und Pflanzenwelt berücksichtigt werden”, warnt der Grüne Europaabgeordnete Martin Häusling im Gespräch mit EurActiv.de. “Wenn wir Glyphosat weiterhin in diesen Mengen austragen, zerstören wir die Biodiversität weiter.” Die Ziele der Biodiversitätstrategie 2020, mit der die EU bis 2020 den Verlust der biologischen Vielfalt aufhalten und die geschädigte Natur wiederherstellen will, seien dann nicht zu erreichen.

Glyphosat gilt momentan zwar als eines der effizientesten Mittel gegen Unkräuter. Doch das Pflanzengift ermöglicht keine gezielte Einwirkung auf bestimmte unerwünschte Umkräuter, sondern wirkt auf alle Pflanzen. “Über die Wildkräuter verlieren wir auch viele darauf angewiesene Insekten- und Tierarten, die sich davon ernähren”, sagt Häusling, der in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und Umweltministerin Barbara Hendricks sowie das zuständige Mitglied des Glyphosat-Berufungsausschusses dazu auffordert, am Freitag gegen jede technische Zulassungsverlängerung zu stimmen. Der Brief ist von 66 Abgeordneten des Europäischen Parlaments unterzeichnet.

Unkräuter werden zunehmend resistent gegen Glyphosat

„Es wird darum gehen, die Abhängigkeit der Landwirtschaftsbetriebe von zunehmend kostspieligen Produktionsmitteln zu reduzieren”, heißt es unter anderem in dem Schreiben. Dass Glyphosat, mit dem der US-amerikanische Konzern Monsanto vergangenes Jahr Milliardenumsätze gemacht hat, auf Dauer teuer für die Landwirte sein wird, dafür gibt es laut Häusling mehrere Gründe: “Die massenhafte Anwendung von Glyphosat aus ökonomischen Gründen führt dazu, dass wir uns schnell Resistenzen der Unkräuter gegen das Herbizid einhandeln”, sagt er.

Dieses Phänomen ist jetzt schon in den USA zu beobachten, wo Glyphosat deutlich mehr eingesetzt wird. Dort müssen die Dosen der Chemikalie massiv erhöht werden, dennoch reagieren manche Pflanzen gar nicht mehr darauf. “Darum sollte die Landwirtschaft solche Herbizide nur noch in Ausnahmefällen nutzen und mehr mechanische Methoden einsetzen”, mahnt Häusling.

Mehr Unabhängigkeit vom Soja-Import

Auch die Bundesumweltministerin und die SPD-geführten Ministerien lehnen eine Verlängerung der Zulassung inzwischen ab. Hendricks hatte diesbezüglich auch kritisiert, die bisherige staatliche Förderung der Bauern nach der Größe der Landwirtschaftsfläche sei “ein unsinniges Prinzip”. Die Förderungen sollten auch an die Umweltleistung gekoppelt werden – eine Forderung, die Häusling unterstützt. “Bio sollte hier das Leitbild sein, aber auch nicht der nicht-ökologische Landbau  kann umweltschonender arbeiten, zum Beispiel durch größere Fruchtfolgen und den Anbau von Leguminosen, sagt er.

Europa importiert zurzeit sehr viel Soja als Futtermittel vor allem aus Südamerika. Würden die Bauern  jedoch mehr heimische Leguminosen wie Erbsen, Lupinen, Klee oder Luzerne anbauen, könnten sie zum einen Mineraldünger sparen und zum anderen dafür sorgen, dass der Acker ohne die Verwendung von Glyphosat umkrautfrei ist, ist Häusling überzeugt. “Das wären relativ einfache Maßnahmen, die nebenbei auch zu mehr Import-Unabhängigkeit führen. Aber den Einsatz von Leguminosen hat man den Bauern aberzogen, denn dann würden chemische Industrie und Handel weniger profitieren.” Hier sei ein Umdenken dringend nötig.
Weitere Informationen

Im Fachausschuss zur weiteren Zulassung des Herbizids Glyphosat hatten zuletzt 20 Länder für den Vorschlag von EU-Kommissar für Gesundheit, Vytenis Andriukaitis plädiert, demzufolge Glyphosat zunächst für einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten - bis zur Vorlage eines Gutachtens der EU-Chemieagentur - zugelassen werden soll. Die Kommission, so Andriukaitis, tue alles Mögliche, um eine auf verlässicher wissenschaftlicher Grundlage stehende Lösung in der Diskussion zu finden. Die bisherige Frist für die Verwendung des Mittels läuft am 30. Juni aus.

14.06.2016

REACH simplification should be about more than SMEs

www.theparliamentmagazine.eu -Written by Martin Häusling on 14 June 2016 in Opinion

When it comes to fixing the current problems with REACH, SMEs' concerns are addressed, and there are more pressing issues to be dealt with, argues Martin Häusling.

REACH dictates that by May 2018, all companies will need to register their chemical substances with the European chemicals agency (ECHA).

This includes substances produced in Europe, as well as those imported to the continent from a quantity of one tonne per year. Ten years after REACH came into force - or so ECHA promises - European citizens and businesses will, for the very first time, have a complete picture of the safety of the chemicals that they consume on a daily basis.

10.05.2016

Why soil matters – Boden, der vergessene Schatz!

160512 Titel Konferenzbericht Soil nov15Am 18.11.15 veranstaltet die Grüne/EFA die Bodenkonferenz "Why soil matters – Boden, der vergessene Schatz!" in Brüssel.

Nun liegt auch der Konferenzberichtvor.

Martin Häusling: „Böden sind Grundlage unserer Ernährung. Sie zu schützen und ihre Fruchtbarkeit zu erhalten, muss wichtigstes Prinzip der Landwirtschaft sein. Der Zustand der landwirtschaftlichen Böden in Europa zeigt allerdings, dass dies in der Praxis nicht passiert. Dies offenbart eine kürzlich in meinem Auftrag veröffentlichte Studie. Enge Fruchtfolgen, Pestizideinsatz, ein exzessive Stickstoffdüngung, Rückstände von Antibiotika und anderen Medikamenten belasten unsere Böden und zerstören die biologische Vielfalt in der Erde.
Die Auswirkungen sind offensichtlich und alarmierend: Belastetes Grundwasser, Rückgang der Bodenfruchtbarkeit, Bodenverdichtung und Erosion.
Europa braucht dringend eine gemeinsame Bodenschutzstrategie. Deutschland muss nach jahrelanger Blockade der europäischen Boden-Rahmenrichtlinie endlich seine Verantwortung für den europäischen Bodenschutz wahrnehmen und eine konstruktive, gestaltende Rolle einnehmen.

22.04.2016

Epoch Times - EU will Pflanzengift Glyphosat kaum beschränken

Epoch Times- Einsatzbeschränkungen fordert Berlin nicht, zum Kummer des grünen EU-Abgeordneten Martin Häusling: "EU-Kommission und Bundesregierung verteidigen Glyphosat mit Klauen und Zähnen, denn es ist ein wichtiger Pfeiler der chemiebasierten Landwirtschaft. Wenn dieser fällt, fängt das ganze System an zu bröckeln."

Nach dem Willen des EU-Parlaments soll das umstrittene Herbizid Glyphosat im Mai für nur sieben statt weitere 15 Jahre zugelassen und der Gebrauch streng reglementiert werden. Die Kommission will hingegen nicht so streng sein. Im Entwurf der Umsetzungsverordnung schlägt sie auf Drängen der Niederlande eine Zulassung für 10 Jahre vor, ohne weitere Restriktionen, schreibt der "Spiegel" in seiner am Samstag erscheinenden Ausgabe. Selbst Hobbygärtner sollen das Pflanzengift weiter ausbringen dürfen.

Deutschland hat einzig eine wachsweiche Formulierung eingebracht, wonach Mitgliedstaaten auf Risiken für Diversität und Artenvielfalt achten sollen. Einsatzbeschränkungen fordert Berlin nicht, zum Kummer des grünen EU-Abgeordneten Martin Häusling: "EU-Kommission und Bundesregierung verteidigen Glyphosat mit Klauen und Zähnen, denn es ist ein wichtiger Pfeiler der chemiebasierten Landwirtschaft. Wenn dieser fällt, fängt das ganze System an zu bröckeln."

10.03.2016

GRÜNE ZUKUNFTSWERKSTATT - Europäische Umweltpolitik wieder zum Motor einer gestärkten EU entwickeln (Bericht)

160305 Zukunftskonferenz2„Mut zu Veränderungen – Ja zu Europa“ – unter diesem Motto debattierten am 4. März 2016 Grüne aus siebzehn Ländern Europas mit zahlreichen Gästen über Europas Zukunft.
Im Forum „Better (De)Regulation?“ der Gemeinschaftskonferenz der grünen Bundestags- und Europaparlamentsfraktion ging es um Risiken, aber auch die Chancen der EU-Agenda einer besseren Rechtssetzung für die europäische Umwelt- und Agrarpolitik.

24.02.2016

EurActiv.de - Experten kritisieren Zulassung von Glyphosat für weitere 15 Jahre

EurActiv.de - Obwohl Glyphosat als gesundheitsschädlich gilt, will die EU-Kommission das Pestizid weiterhin erlauben. Derweil ergab ein Test des Umweltinstituts München, dass viele deutsche Biere mit Glyphosat belastet sind.

Die EU-Kommission will die Zulassung des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat um 15 Jahre verlängern. Darauf wies deragrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling, am Mittwoch in Brüssel hin. Aus Kreisen der Kommission verlautete, die Entscheidung werde am 7. und 8. März in einem Ausschuss zusammen mit Experten und Vertretern der EU-Mitgliedstaaten fallen.

Mit der Verlängerung der Zulassung bis 2031 verstoße die EU-Kommission gegen das Vorsorge-Prinzip und werfe „alle Bedenken von Wissenschaftlern über Bord“, kritisierte Häusling. „Die EU-Kommission hat offenbar nicht die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Blick, sondern die Interessen der Agrarindustrie wie die des Herstellers des Pestizids, Monsanto“, bemängelte Häusling. Seinen Angaben zufolge soll die Wiederzulassung „weitgehend ohne Mengen- und Anwendungsbeschränkung“ erfolgen.

„Sogar die schon sehr vorsichtigen Bedenken der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA berücksichtigt die EU-Kommission in ihrem Vorschlag nicht“, Häusling. Die EFSA habe immerhin auf die negativen Folgen für Biodiversität hingewiesen.

Glyphosat ist welt- und deutschlandweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Das Mittel ist seit vielen Jahren umstritten. Umweltschützer halten den Stoff für hochgiftig und fordern seit Jahren ein Verbot von Glyphosat.

Grünen fordern von der Bundesregierung, der Wiederzulassung nicht zuzustimmen

Die Zulassung in Europa läuft im Sommer aus. Die Grünen fordern von der Bundesregierung, der Wiederzulassung nicht zuzustimmen, und wollen dazu am Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Bundestag zur Abstimmung bringen.

„Gerade Deutschland muss jetzt bremsen in Brüssel“, forderte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Er appellierte vor allem an die SPD, für den Antrag seiner Partei zu stimmen. So könne die Partei zeigen, dass sie es ernst meine „mit ihren glyphosatkritischen Äußerungen der letzten Tage und Wochen“.

Derweil ergab eine heute veröffentlichte Untersuchung des Umweltinstituts München, dass deutsche Biere snd Glyphosat belastet sind. Ein Labor hatte im Auftrag des Umweltinstituts Biere der 14 beliebtesten Biermarken Deutschlands auf Spuren des Pestizids getestet und fand bei allen geprüften Produkten Spuren.
In einer nun vom Umweltinstitut gestarteten Online-Aktion können sich Verbraucher nun direkt an die Hersteller der getesteten Biere wenden können. Doch auch die Politik stehe in der Pflicht, heißt es aus dem Institut: Die Bundesregierung müsse auf europäischer Ebene gegen eine erneute Zulassung von Glyphosat stimmen.

Die EU-Kommission stützt sich auf eine Stellungnahme der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die das Mittel im vergangenen November als wahrscheinlich nicht krebserregend beurteilte. Kritiker warnen dagegen seit Jahren vor möglichen Gesundheitsgefahren durch Glyphosat, beispielsweise Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Sogar die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat eine Gefährdung festgestellt. Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Agentur urteilte im März 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ sei.

24.02.2016

Deutschlandfunk - EU-Kommission schlägt Glyphosat-Verlängerung vor

Deutschlandfunk- Pflanzenschutzmittel - Die EU-Kommission hat sich bereits jetzt festgelegt und den EU-Mitgliedsländern empfohlen, dass Glyphosat weiterhin zugelassen bleibt. Seit Monaten wird über die Gefährlichkeit des Pflanzenschutzmittels erbitterter Streit geführt.

Von Jörg Münchenberg

Bis Ende Juni war eigentlich noch Zeit, um sich in der Frage, ob die Zulassung für das umstrittene Pestizid Glyphosat verlängert werden soll oder nicht, zu positionieren. Doch die EU-Kommission hat sich schon jetzt festgelegt: Demnach wird sie den EU-Mitgliedsländern empfehlen, dass der weit verbreitete Unkrautvernichter in Europa weiterhin zugelassen bleibt. Und zwar bis zum Jahr 2031. Einschränkungen sind dabei nur bedingt vorgesehen.

So steht es in einem Kommissionspapier, das diesem Programm vorliegt. Ein Sprecher der Kommission bestätigte die Position auf Nachfrage. Die Grünen im Europäischen Parlament reagierten heute dagegen mit Unverständnis auf die Empfehlung, wenngleich man, so deren Agrarexperte Martin Häusling, damit gerechnet habe:

"Das hatte man befürchten müssen, nachdem sowohl die EFSA als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung in Deutschland positive Stellungnamen abgegeben haben. Und die Kommission nicht gewillt, daran etwas zu ändern. Obwohl sie auch die Möglichkeiten hätte, auf diese Stellungnahmen nicht einzugehen. Überrascht hat es nicht, geärgert hat es schon, dass man trotz der Risiken um 15 Jahre verlängert".

30.01.2016

Tagungsbericht: Wir sind dann mal weg: Die (un)heimliche Artenerosion in Europas Agrarlandschaften

DSC 0240web1Wie schaffen wir die politische Trendwende für den Erhalt der Artenvielfalt – in der Naturschutz- und Agrarpolitik? Diese Kernfrage stand im Mittelpunkt unserer diesjährigen Auftakt-Tagung am 12. Januar 2016, wenige Tage vor Beginn der Grünen Woche in Berlin. Einen herzlichen Dank allen Referent*innen und Teilnehmer*innen für die gelungene Veranstaltung und engagierte Debatte!

26.11.2015

Boden gutmachen: Eine Diskussion zu Landwirtschaft und Bodenschutz

sinsheim-lokal.de - BA 4(zg) Landwirte haben eine Schlüsselposition beim Erhalt der Böden als wichtiger Teil des Naturhaushalts. Darin waren sich Landwirte und Naturschutzbund (NABU) einig bei einer Podiumsdiskussion im Grünen Baum, zu der die Böll-Stiftung gemeinsam mit dem NABU Sinsheim Naturinteressierte aus allen Bereichen eingeladen hatte. Unter den knapp 70 Besuchern waren mehr als die Hälfte Landwirte, und so war eine lebhafte und vielseitige Diskussion garantiert.

Die Podiumsdiskussion eröffnete der Europaabgeordnete Martin Häusling, Mitglied des Agrarausschusses und Biolandwirt. Er erläuterte die Gefahren der Intensivlandwirtschaft und berichtete, dass jährlich 24 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden durch Erosion verlorengeht. Dabei ist Boden keine schnell nachwachsende Ressource: Die Bildung von einem Meter Boden dauert mindestens 20000 Jahre.

28.10.2015

FR - EU Emissionsziele: Bauern fürchten um ihre Rinder

Frankfurter Rundschau -  Von Stephan Börnecke

Die geplanten Emissionsziele der EU verärgern die deutschen Landwirte. Für Kritik sorgt vor allem, dass auch Methan Teil der Richtlinie werden soll. Das Gas entsteht in den Mägen von Rindern und anderen Wiederkäuern.

Die Landwirtschaftspresse tobt seit Wochen: „Unrealistische Emissionsvorgaben gefährden Tierhaltung“, „Jedes zweite Rind in Bayern müsste weg“ oder „NEC-Richtlinie stellt Bauern vor unlösbare Aufgaben“. Aber droht aus Brüssel tatsächlich ein Schlag gegen die Fleischerzeugung in Deutschland, weil die EU deutliche Reduktionen von Ammoniak- und Methan-Emissionen verlangt?

Die Richtlinie, um die es geht und über die das Europäische Parlament am Mittwoch berät, regelt die „nationalen Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe“. Im Wesentlichen sind das die Ozon-Vorläufersubstanzen, allen voran die Stickoxide, die wiederum großteils aus dem Straßenverkehr stammen. Für sie gelten Obergrenzen in der EU.

Aber auch für die Stickstoffverbindung Ammoniak, das zu 95 Prozent aus der Landwirtschaft stammt, sieht die Richtlinie Höchstmengen vor. Ammoniak entsteht unter anderem bei der Düngung mit mineralischem Stickstoff, besonders aber dann, wenn der Dünger in Form von Harnstoff verwendet wird. Das ist vor allem in größeren Betrieben der Fall, denn Harnstoff ist zwar billiger als herkömmlicher Mineraldünger, erfordert aber eine teurere Technik beim Ausbringen. Deutschland soll nun den Ausstoß von Ammoniak um 46 Prozent bis zum Jahr 2025 reduzieren. Das wird ohne Veränderungen in der Landtechnik nicht gehen, nötig wären weniger Mineraldünger und stattdessen ein Umschwenken zum Anbau Stickstoff sammelnder Futterpflanzen.

Seltsamerweise aber sorgt nicht die Ammoniak-Reduktion für Aufregung in der Landwirtschaft, sondern das Methan. Denn auch Methan gilt als Vorläuferstoff von Ozon und ist damit ebenfalls an Atemwegreizungen oder gar Asthma beteiligt, war bislang aber nicht Teil der Richtlinie. Doch nun soll auch das Gas, das aus den Mägen der Rinder und anderer Wiederkäuer kommt, reduziert werden, und zwar gleich um 39 Prozent bis 2030.

Der Anteil des Agrarsektors an der Gesamtemission von Methan beträgt laut Umweltbundesamt 53 Prozent. Es ist unbestritten, dass auch die Landwirtschaft ihren Teil zur Reduzierung von Methan beitragen soll. Die Frage ist nur: Wie und mit welchen Methoden?
Weniger Import-Soja

Annette Grass, Luftexpertin bei der Deutschen Umwelthilfe, hat vor allem die industrielle Landwirtschaft im Visier. Betriebe, die weniger als 80 oder 100 Rinder im Stall und auf der Weide haben, sollten aus ihrer Sicht nicht herangezogen werden. Da nach ihrer Rechnung durch technische Veränderungen wie bessere Filtertechnik in der Stallhaltung oder Abdeckung von Gülle und Festmist bereits ein Großteil der avisierten Reduktion erreicht werden könne, bliebe ein Rest von gerade acht Prozent. Diese Lücke könne durch neue Biogasanlagen zur Vergärung von Gülle und durch eine Verringerung der Fleischexporte geschlossen werden.

Martin Häusling, EU-Abgeordneter der Grünen, warnt vor einer überwiegend technischen Lösung des Problems. Statt neue, für viele Bauern unbezahlbare Biogasanlagen und Stallfilter zu fordern, sollte sich die Politik auf die Vorzüge einer extensiveren, ökologischen Wirtschaftsweise besinnen. Weniger Eiweiß etwa aus Import-Soja im Futter helfe, den Methanrülpser zu reduzieren. Mehr extensive Weidewirtschaft und ein Verzicht auf Turbo-Kühe täten ein Übriges. Denn Hochleistungskühe haben oft ein kürzeres Leben, doch die Nachzucht muss erstmal zweieinhalb Jahre gefüttert werden, bevor sie auch nur einen Liter Milch gibt. Langlebige Kühe helfen also ebenfalls, das Methan-Problem zu verringern.

16.10.2015

Berliner Zeitung - Wenn die Erde sich vom Acker macht

Berliner Zeitung - Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche geht immer weiter zurück. Die Folgen sind dramatisch

VON STEFAN SAUER

Jedes Jahr geht in der EU die gigantische Menge von 970 Millionen Tonnen fruchtbaren Bodens durch Erosion verloren. Diese Menge würde ausreichen, um ganz Berlin um einen Meter anzuheben. Und sie reicht aus, um ernste Sorgen hervorzurufen. Denn fruchtbares Land ist im wörtlichen Sinne Grundlage für die Ernährung der Menschen. Anders als die wachsende Weltbevölkerung schrumpft die landwirtschaftlich nutzbare Fläche durch menschliches Handeln rasant, wie die Agrarwissenschaftlerin Andrea Beste in einer Studie anhand einer Vielzahl aktueller Daten nachweist.

Die Untersuchung, die im Auftrag der Grünen erstellt wurde, zeigt eindrücklich auf, warum und wofür gute Böden so wichtig sind: Sie dienen als Anbaufläche für Nahrungs- und Futtermittel, bauen Schadstoffe ab, bilden wertvolle Mineralverbindungen und sorgen als Filter für sauberes Grundwasser. Möglich machen dies unzählige - und höchst empfindliche - Kleinlebewesen: In einem einzigen Gramm fruchtbarer Krume finden sich 600 Millionen Mikroorgansimen. Hinzu kommen Asseln, Milben, Pilze, Fadenwürmer, Larven und Algen. Sie werden durch Luftschadstoffe, Überdüngung, Pestizide, Bodenverdichtung und den Bau von Verkehrswegen und Gebäuden beeinträchtigt oder schlicht ausgelöscht. EU-weit verwandeln sich jedes Jahr land- und forstwirtschaftliche Flächen von der Größe Berlins in städtische Siedlungsräume.

Lebensgrundlage in Gefahr

Global geht jährlich bis zu einem halben Prozent der nutzbaren Böden verloren. Das klingt nach wenig, ist aber dramatisch. Denn damit schrumpft der verfügbare Boden 30 bis 40 Mal schneller, als er auf natürlichem Wege neu entsteht. Agrarwissenschaftlerin Beste gibt einen Zeitraum zwischen 20 000 und 200 000 Jahren an, die abhängig von Klima, Feuchtigkeit und Gestein für die Bildung einer Bodenschicht von einem Meter Tiefe nötig sind. Die rasante Bodenzerstörung ist auch deshalb so bedenklich, weil die agrarisch nutzbaren Regionen des Planeten durchaus begrenzt sind: Nur zwölf Prozent der Festlandsfläche ist den Angaben zufolge für eine intensive Bewirtschaftung geeignet, weitere 22 Prozent können zumindest eingeschränkt genutzt werden.

"Diese Fläche lässt sich nicht vergrößern", so Beste. "Bluten wir unsere Böden weiter aus, riskieren wir den Verlust unserer wichtigsten Lebensgrundlage, wir riskieren die Verschärfung von Hochwasserereignissen und das Trinkwasser gerät in Gefahr", warnt der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling.

Land wird zu Spekulationsobjekt

Im Ergebnis produzieren die entwickelten Länder weltweit mehr Landflucht und Hungernde, aber nicht mehr Nahrungsmittel. Dies gilt umso mehr, als die Bodenverluste bereits seit Jahrzehnten anhalten und sich durch das weltweite Bevölkerungswachstum und die zunehmende Verstädterung noch beschleunigen. Nach Angaben der EU-Generaldirektion Umwelt kamen 1965 auf jeden Europäer noch 5 000 Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche. Heute sind es nur noch 1 000 Quadratmeter. Einen wesentlichen Anteil am Bodenverlust haben Überschwemmungen, die durch versiegelte Böden und begradigte Flüsse zugenommen haben.

Die Knappheit führt auch dazu, dass fruchtbares Land immer mehr zum Spekulationsobjekt wird. Und dies nicht nur in armen Ländern des Südens, sondern auch in der EU. Brüssel schüttet pro Jahr Zahlungen in Höhe von 300 Euro pro Hektar aus. In Zeiten niedriger Zinsen lohnt da der Kauf selbst dann, wenn das Land gar nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Zugleich haben solche Spekulationen zum starken Anstieg der Kauf- und Pachtpreise in den vergangenen Jahren beigetragen, was wiederum das Entstehen großer Agrarbetriebe mit meist starkem Pestizid-und Maschineneinsatz beziehungsweise hoher Viehdichte und Gülleüberschüssen begünstigt: ein Teufelskreis.

Der falsche Weg

Warnung: Eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft könne nicht Teil der Lösung sein, um die wachsende Weltbevölkerung zu versorgen, sondern sei Teil des Problems, urteilt der grüne Europaangeordnete Martin Häusling.

Naiv: Es sei eine naive bis scheinheilige Darstellung, dass die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung nur mit einer noch intensiveren Landwirtschaft erreicht werden könne, so Häusling. Das Gegenteil sei der Fall: "Sinkt die Bodenfruchtbarkeit, sinken auch die Erträge."

Dokument BERLRZ0020151016ebag0001a

15.10.2015

Studienvorstellung "Down to earth - Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft“

151015 BodenVAMartin Häusling lädt zur Studienvorstellung am 15. Oktober 2015 von 13 bis 15 Uhr im Europäischen Haus, Unter den Linden 78, Berlin ein:

„Down to earth - Der Boden, von dem wir leben: Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft“

Etwa 970 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden gehen der EU jedes Jahr durch Erosion unwiederbringlich verloren. Immer mehr Böden erleiden einen regelrechten „Burn-out“ ihrer Bodenfruchtbarkeit. Besorgniserregende Fakten, die die Agrarwissenschaftlerin und Co-Autorin des Bodenatlas, Dr. Andrea Beste, aus einer Vielzahl von Forschungsprojekten zum Zustand der Böden in Europa zusammen getragen hat.


In der vorliegenden Publikation zeigt sie die Ursachen dieser Entwicklung auf. Zugleich erläutert sie, welche Therapie Europas Böden dringend benötigen, um sich wieder zu erholen und fit für die Extremwetterereignisse zu werden, die im Zuge des Klimawandels drohen.

15.10.2015

Studienvorstellung "Down to earth - Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft“

151015 BodenVAMartin Häusling lädt zur Studienvorstellung am 15. Oktober 2015 von 13 bis 15 Uhr im Europäischen Haus, Unter den Linden 78, Berlin ein:

„Down to earth - Der Boden, von dem wir leben: Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft“

Etwa 970 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden gehen der EU jedes Jahr durch Erosion unwiederbringlich verloren. Immer mehr Böden erleiden einen regelrechten „Burn-out“ ihrer Bodenfruchtbarkeit. Besorgniserregende Fakten, die die Agrarwissenschaftlerin und Co-Autorin des Bodenatlas, Dr. Andrea Beste, aus einer Vielzahl von Forschungsprojekten zum Zustand der Böden in Europa zusammen getragen hat.


In der vorliegenden Publikation zeigt sie die Ursachen dieser Entwicklung auf. Zugleich erläutert sie, welche Therapie Europas Böden dringend benötigen, um sich wieder zu erholen und fit für die Extremwetterereignisse zu werden, die im Zuge des Klimawandels drohen.