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Agrarpolitik

15.10.2019

FR - Das Comeback der Butterberge

Frankfurter Rundschau/  Von Stephan Börnecke

Deutsche Bauern haben ihre Milchproduktion massiv ausgeweitet, die Preise dürften kräftig fallen. Nun drohen den Landwirten aber hohe Strafen wegen Überschreitung des Limits. Der Bauernverband fordert Straferlass.

Die Erinnerung an Butterberge und Milchseen sind bei vielen EU-Bürgern noch frisch. Sie waren Sinnbild für die völlig aus dem Ruder gelaufene Milchproduktion in Europa, die 1984 schließlich mit der Einführung der Milchkontingentierung, besser bekannt als Milchquote, beendet wurde. Nun könnte sich Geschichte wiederholen. Denn in elf Monaten soll die Milchquote fallen. Und schon jetzt haben die Landwirte die Produktion stark ausgeweitet. Der Milchpreis, der derzeit noch auf einem Höchststand notiert, dürfte spätestens bis Anfang kommenden Jahres kräftig purzeln. Schon werden Erinnerungen an die Milchkrise von 2008/2009 wach.
Millionenstrafen drohen

Im Hintergrund steht ein seit mehr als einem Jahr anhaltender Trend, der zu einer Marktübersättigung führen kann. Wegen der Dürreperioden in den USA und in Neuseeland sowie einer um fast sechs Prozent gestiegenen Nachfrage aus China sind die Milchpreise zuletzt kräftig gestiegen. Sie liegen derzeit bei rund 40 Cent, manche europäische Molkerei zahlt sogar Spitzenpreise von mehr als 45 Cent. Die Folge daraus ist: Europäische Bauern „geben Gas“, wie es Björn Börgermann vom Milchindustrieverband ausdrückt. So, als gäbe es die Milchquote schon jetzt nicht mehr. Sie haben im vergangenen Jahr vier Prozent und in den ersten Monaten dieses Jahres sogar 5,3 Prozent mehr Milch erzeugt als im jeweiligen Vorjahreszeitraum. Und weltweit sieht es ganz ähnlich aus: In Neuseeland werden sieben Prozent mehr Milch gemolken, in den Vereinigten Staaten immer noch zwei.

Dabei ist die Milchproduktion in der EU limitiert. Landwirte dürfen nur jene Menge melken, für die sie auch ein Kontingent besitzen. Wer mehr melkt, muss eine Strafe zahlen, Superabgabe genannt. Allerdings eröffnet das System den Bauern eine Möglichkeit zum Zocken. Mit ein bisschen Glück können sie der Strafe entgehen. Der Grund dafür liegt darin, dass nicht alle Landwirte ihre Milchproduktion steigern und zudem jedes Jahr zwei bis drei Prozent ihren Beruf aufgeben – womit Melkkontingente nicht ausgeschöpft oder frei werden. Denn Unter- und Überlieferung werden zunächst auf Ebene der Molkereien und dann auch noch auf Bundesebene gegeneinander aufgerechnet. Da kann es passieren, dass gar keine oder nur eine kleine Strafe übrigbleibt.

Allerdings: „Diese Rechnung geht diesmal nicht auf“, sagt Hans Foldenauer vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM). Deutsche und andere europäische Bauern haben im angelaufenen Jahr um die fünf Prozent mehr Milch gemolken als im Vorjahr. Die Folge: Sie müssen Millionen Euro Strafe zahlen, je Liter bis zu 27,83 Cent. Auf um die 100 Millionen schätzen die Experten der „Agrarzeitung“ die Gesamtsumme, 130 bis 160 Millionen kalkuliert der BDM. Kein Wunder, dass der Deutsche Bauernverband bereits verlangt, angesichts der bevorstehenden Abschaffung der Quote zum 1. April 2015 die Strafe zu erlassen. Doch EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos denkt gar nicht daran. Denn das würde all jene benachteiligen, die sich ans Limit gehalten haben.
Wohin mit der Milch?

Derweil melken die Bauern immer mehr und nutzen damit die hohen Preise aus. Wollen sie noch einmal kräftig verdienen, bevor der Absturz kommt? Sogar Lieferrechte werden auf den letzten Drücker zugekauft, die Preise dafür sind zuletzt wieder geklettert – von einem Cent auf jetzt acht. Sie lagen in der Spitze allerdings schon einmal bei fast einem Euro.

Die meisten Experten rechnen mit einer weiteren, moderaten Ausdehnung der Erzeugung. Es gibt allerdings auch andere Stimmen: Der Präsident des österreichischen Bauernbunds, Jakob Auer, sagt einen europaweiten Ausbau der Milcherzeugung um satte 15 Prozent voraus. Spätestens dann, warnt der Europaabgeordnete der Grünen, Martin Häusling, „droht der Big Bang“ in Form abstürzender Preise für die Bauern. Auch EU-Agrarkommissar Ciolos ist beunruhigt und warnt vor sinkenden Milchpreisen im kommenden Jahr, was aus seiner Sicht vor allem kleine Bauern treffen wird.

Denn wohin mit der Milch? Der deutsche Inlandsmarkt ist gesättigt, der europäische Markt ebenfalls. Bleiben Drittländer wie Russland oder China, die aber nur etwa 16 Prozent der EU-Exporte ausmachen. Diese Märkte sind aber unsicher. Russland etwa blockiert etliche Importe derzeit und beruft sich dabei auf nicht eingehaltene Hygienevorschriften.

Gerhard Meier, Chef von Die Export-Union, hält denn auch China für den „Importmarkt Nummer eins“, und schwört: „Hier wollen wir präsent sein.“ China aber ist heiß umkämpft. So plant Australien sogar Frischmilch nach Peking zu liefern – kein Wunder bei Preisen oberhalb von 4,60 Euro je Liter. Dennoch setzen gerade die deutschen Molkereien auf das Reich der Mitte und verweisen auf stolze Steigerungsraten: Der Pro-Kopf-Verbrauch in China liegt bei weniger als 25 Liter, in Deutschland aber bei mehr als 300 Liter, rechnet Börgermann vor.

Tatsächlich schnellte die Ausfuhr von Milchprodukten im vergangenen Jahr um 45 Prozent auf 120 000 Tonnen hoch. Doch das ist ein Klacks angesichts der 30 Millionen Tonnen Milch, die allein deutsche Bauern jedes Jahr melken. Häusling warnt deshalb: „Die Prognose, dass man immer mehr Milch auf Drittmärkten absetzen kann, ist gewagt.“ Ähnlich Foldenauer, der dahinter „ein gefährliches Spiel“ der Molkereien wittert. Denn Länder wie die USA oder Neuseeland können China billiger beliefern als die EU-Bauern. Laufen die Landwirte also sehendes Auges ins Verderben?
 
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15.10.2019

GAP-Reform: Umweltausschuss will grünere Landwirtschaftspolitik

Die Abgeordneten des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments stimmten heute über die Reform der Europäischen Landwirtschaftspolitik ab und fordern eine deutlich grünere Politik, als die Europäische Kommission sie vorschlägt
Martin Häusling, Schattenberichterstatter der Grünen/EFA-Fraktion im Landwirtschaftsausschuss für den Verordnungsvorschlag zu den so genannten „strategischen Plänen" der EU-Mitgliedstaaten und stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss, kommentiert:

„Die Abgeordneten des Umweltausschusses wollen eine deutlich grünere Gemeinsame Europäische Landwirtschaftspolitik. Eine nachhaltige europäische Landwirtschaftspolitik muss die Landwirte belohnen, die Artenvielfalt, Klima und Böden schützen. Der Umweltausschuss sagt nein zu einer Landwirtschaftspolitik, die blind nach Größe bezahlt, die Ausbeutung der Böden fördert und die Umwelt zerstört. Die Abgeordneten des Landwirtschaftsausschusses sind aufgefordert, bei ihrer Abstimmung über die Reform der Europäischen Landwirtschaftspolitik nicht vor den Wünschen der Agroindustrie einzuknicken.“

Die Stellungnahme des Umweltausschusses zur GAP-Reform:

Die Ziele, die die EU-Mitgliedstaaten bei der Umsetzung ihrer strategischen Pläne für die Gemeinsame Europäische Landwirtschaftspolitik erreichen müssen, wurden erheblich verstärkt:

  • Die Erzeugung von Biokraftstoffen wurde als Ziel gestrichen
  • Schwerpunkt Bodenqualität
  • Reduzierung von Pestiziden
  • Eindämmung des Verlusts der Artenvielfalt

Verbesserte und zusätzliche Indikatoren zur Messung der Zielerreichung:

  • Schutz der Böden, mehr lokale Produktion, weniger Pestizide, Bindung von Tierhaltung Fläche

Strengere und verbesserte Konditionalität, die für alle Landwirte gilt:

  • Schutz von Dauergrünland
  • Vorgeschriebene Brache von sieben Prozent
  • Mindestens vierjährige Fruchtfolge einschließlich Leguminosen

Geld für Umwelt und Klima:

  • Umweltausschuss will Bindung von mindestens 40 Prozent an Umweltzwecke im Rahmen der ländlichen Entwicklung, mindestens 30 Prozent für Ökosysteme
15.10.2019

Geheime Papiere zum Handelspakt mit Mercosur - Fatale Folgen für Verbraucher sowie Erzeuger in Südamerika und Europa

Die bekannt gewordenen Verhandlungstexte des geplanten Handelsabkommens der EU mit vier südamerikanischen Staaten (Mercosur) kommentiert Martin Häusling, der agrarpolitische Sprecher der Fraktion DIE Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

„Es ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht von Erzeugern und Verbraucher, was die EU-Kommission klammheimlich mit Brasilien und anderen südamerikanischen Ländern verhandelt: Werden diese Texte einmal Vertrag, dann heißt es freie Fahrt für Gentech-Soja und andere mit Pestiziden hochbelastete Rohstoffe, Agro-Treibstoffe aus zweifelhaften Quellen sowie Tonnagen von Hormon- und Gammelfleisch. All diese Produkte verursachen massive Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie erhebliches Tierleid. Sie haben mit einer nachhaltigen Landwirtschaft nichts zu tun - nicht in Europa und erst recht nicht in den südamerikanischen Staaten, in denen ortsansässige Bürger und Bauern zusätzlich von Korruption und Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Um es klar zu sagen: Die EU verhandelt hier mit dem brasilianischen Präsidenten Tema, der unter massivem Korruptionsverdacht steht.
Nach dem bereits unfassbar riesige Gebiete des Amazonas abgeholzt wurden, wird nun mit dem Cerrado bis zum Jahr 2022 eine einzigartige Savanne von der Größe der Bundesrepublik Deutschland dem Agribusiness geopfert. Und das, obwohl dort Soja nur drei oder vier Jahre angebaut werden kann – danach ist der Boden verbraucht. Kleinbauern und Gemeinden werden dort vertrieben, die Biodiversität aufgegeben, wenn die letzten Bäume ihrer Art Eukalyptuskulturen oder Sojafeldern weichen.
Faire Handelspraktiken und die Einhaltung von Umwelt-, Tierschutz- und Menschenrechtsstandards sind keine Angelegenheit von Sonntagsreden, sondern erklärte Grundsätze europäischer Handelspolitik. Sie selbst einzuhalten ist das Mindeste, um das auch von anderen einzufordern. Genau das geschieht aber hier nicht, wie aus den bisher geheim gehaltenen Papieren  hervorgeht.
Europas Verbraucherinnen und Verbraucher haben bereits mit massiven gegen die Handelsabkommen CETA und TTIP deutlich gemacht, dass eine solche Handelspolitik nicht in ihrem Interesse und Namen ist. Dabei ist die Brisanz eines solchen Abkommens weit heftiger einzuschätzen, als die von Ceta: Die Exportmenge, um die es hier geht, ist sechs Mal so groß wie die mit Kanada. Die EU-Kommission hat daraus offensichtlich nichts gelernt.“

Hinweis: Vom 26.Oktober bis 4. November 2017 war Martin Häusling im Nord- und Südosten Brasiliens unterwegs, um sich einen eigenen Eindruck über die massive agrarindustrielle Expansion und ihre Folgen für die Menschen und Umwelt vor Ort zu verschaffen. Mehr Informationen:
https://www.boell.de/de/2017/11/10/europa-muss-massstaebe-menschenrechten-und-umweltstandards-setzen

 

15.10.2019

Gen-Mais 1507 - Kommission darf diesen Mais nicht zulassen

Brüssel - Der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA, Martin Häusling, warnt die EU-Kommission davor, kurz vor den Europawahlen ein Gentechnik-freundliches Zeichen zu setzen.

„Es wäre ein fatales Signal, wenn die EU-Kommission mit einer Zulassung des Gen-Mais 1507 kurz vor den Wahlen für ein neues Europäisches Parlament den Willen der Bevölkerung ignorieren würde. Es ist nach wie vor völlig klar, dass die breite Mehrheit der Europäer keine Gentechnik im Essen und auf unseren Feldern wünscht. Diesen erklärten Willen der Menschen muss die Kommission berücksichtigen. Andernfalls verspielt sie das Vertrauen.
Auch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vor einem Monat gibt es keine Verpflichtung  für die EU, der vom US-Konzern Pioneer vor zwölf Jahren beantragten Zulassung zum Anbau des Gen-Mais 1507 zu entsprechen. Der EuGH hat lediglich eine Entscheidung verlangt, nicht aber auferlegt, wie diese nun auszusehen hat.
Eine Zulassung dieser Maisvariante ist aus meiner Sicht höchst bedenklich.

15.10.2019

Genmaiszulassung: Friedrichs nationales Anbauverbot ist unrealistische Mogelpackung!

Brüssel - Zu den Äußerungen von Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, eine Zulassung von Genmais durch ein nationales Anbauverbot zu verhindern, erklärt Martin Häusling:

„Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich handelt wider besseres Wissen, wenn er durch die Lande zieht und nationale Anbauverbote gegen Genmais verspricht.
 
Mit diesem durchsichtigen Manöver will sich die deutsche Bundesregierung offenbar aus der Verantwortung für ihre gestrige Entscheidung ziehen, mit der sie die Genmais-Zulassung in der Europa möglich gemacht hat, den Schwarzen Peter aber der EU zuschiebt.

Jetzt nationale Anbauverbote zu versprechen ist nichts anderes als vorsätzliche Täuschung. Weder ist Deutschland eine ummauerte Insel, die auf Dauer eine gentechnikfreie Landwirtschaft sichern könnte, noch hält es Friedrich mit der ganzen Wahrheit. So ist es wiederum Deutschland, das in der EU die starken Opt-out-Vorschläge blockiert, die das Europaparlament beschlossen hat. Desweiteren verschweigt Friedrich, dass nationale Anbauverbote nur aufgrund neuer wissenschaftlicher Argumenten für eine vorliegende Gefährdung erlassen werden können.

Es steht der deutschen Bundesregierung schlecht zu Gesicht, in Sonntagsreden für die Überwindung von nationalstaatlichem Denken und mehr Europa zu predigen, im tatsächlichen Regierungshandeln ein starkes Europa mit einheitlichen Märkten und Regeln jedoch zu hintertreiben und nicht zuletzt den Landwirten und Verbrauchern die Kosten dieser Politik aufzubürden, die für die Gentechnikfreiheit ihrer Produkte teuer bezahlen müssen.“


Hier finden Sie die Pressemitteilung von Rebecca Harms und Dany Cohn-Bendit dazu:
"… Falls die Kommission trotz des demokratischen Widerstandes unverdrossen das Zulassungsverfahren für den Genmais 1507 fortsetzt, werden wir Grüne einen Misstrauensantrag im Europäischen Parlament einbringen. …"

Weitere Informationen:
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament - Martin Häusling
Tel. +32-2-284-5820, Fax +32-2-284-9820 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

15.10.2019

Geschichte im Ersten - Die Macht der Bauernlobby (2019)

2019 01 14 ARD Bauernlobby

Die ARD Doku skizziert die Geschichte des deutschen Bauernverbandes. Martin erläutert das Aufkommen der ökologischen Landwirtschaft in den 1980er Jahren ab 23:20min.

 

Quelle:

Das Erste - Geschichte im Ersten: Akte D (1) - Die Macht der Bauernlobby

Der Deutsche Bauernverband ist eine der mächtigsten Lobbyorganisationen, die es in der Bundesrepublik gibt. Ein Grund dafür liegt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Lebensmittel waren knapp und Landwirte wichtig.

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuLzZlMjJkY2E2LWI2MjItNGMwYS1hMmNkLWE2MDY4YjQ4YzYwZA/geschichte-im-ersten-akte-d-1

15.10.2019

Grüne Agrarminister erzielen entscheidende Verbesserungen!

 Brüssel - Zum Ergebnis der Verhandlungen zur Umsetzung der Agrarreform in Deutschland auf der Sonderkonferenz der Agrarminister in München, erklärt der Europaabgeordnete und Agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA Martin Häusling:

„Das Ergebnis kann nicht wirklich zufriedenstellen, aber nach hartem Ringen konnten die Grünen Minister das Konzept der Bundesregierung zur Umsetzung der Agrarreform in Deutschland in ein paar wenigen, aber entscheidenden Punkten verbessern.

15.10.2019

Grüner, gerechter, gesünder!

 130907 Personenbroschüre

„Wir haben es satt“, unter diesem Motto machen seit 2011 jährlich zehntausende Menschen in  Demonstrationen ihrem Unmut Luft. Und Sie? Was haben Sie satt? Die geplante Mega-Mastanlage um die
Ecke, die fehlende Vielfalt auf unseren Feldern oder schon heute den nächsten Lebensmittelskandal? Es gibt viele gute Gründe und wenig Zweifel am Reformbedarf unserer Agrar- und Verbraucherschutzpolitik.
Als Biobauer setze ich mich seit 2009 im Europaparlament dafür ein, dass in Europa Klasse statt Masse gefördert, Gelder fairer und an Umweltleistungen gebunden verteilt sowie Regeln einfacher, demokratischer,
aber auch wirkungsvoller gestaltet werden. Es geht um Ihr gutes Recht. Mischen Sie sich ein. Kommen Sie mit mir ins Gespräch.

15.10.2019

Häusling empört über Pflanzenschutz-Pläne auf Vorrang-Flächen

13.12.2013 topagrar-online
 
Die Mitgliedsstaaten der EU drängen Agrarkommissar Dacian Ciolos dazu, das Verbot des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auf ökologischen Vorrangflächen zu lockern. Für den Europaabgeordneten Martin Häusling ist das „völlig absurd“ und konterkariert alle Bemühungen für mehr Balance zwischen Landwirtschaft und Artenvielfalt zu sorgen.
 
Laut dem Grünenpolitiker trägt die konventionelle Landwirtschaft in erheblichen Umfang zum Artenverlust bei. „Diesen fatalen Trend müssen wir umkehren. Das gelingt aber nur, wenn wenigstens auf den 5 und später 7 % der Ackerflächen keinerlei Pestizide ausgebracht werden dürfen“, so Häusling.
 
Die 23 Mitgliedsstaaten und eine konservative Mehrheit im EU-Parlament nutzten aus, dass die Vorrangflächen im Zuge der Verhandlungen auch für den Anbau von stickstoffsammelnden Eiweißpflanzen wie Soja, Erbsen oder Bohnen freigegeben wurden. Dieses Zugeständnis dürfe nun aber nicht dazu führen, dass der an sich sinnvolle Leguminosenanbau zu mehr statt zu weniger Gift auf den Äckern führt.
 
„Wir wollen mit den ökologischen Vorrangflächen die Biodiversität fördern und nicht blockieren. Wenn Extraprämien für ein „Greening“ der Landwirtschaft mit Agrargiften in Einklang stehen sollen, ist das eine Täuschung der Steuerzahler, denen weißgemacht wird, dass sie für eine Ökologisierung der Landwirtschaft zahlen“, kritisiert der Politiker. Statt über den Pesitizideinsatz zu streiten, sollten die Mitgliedsstaaten ihre Landwirte viel mehr ermuntern und sie darin beraten, den Leguminosenanbau ohne Pestizide hinzubekommen. „Jeder Öko-Landwirt macht ihnen vor, wie das gehen kann.“

15.10.2019

Hearing on "The milk package and the prospects for the dairy sector"

EUROPEAN PARLIAMENT Committee on Agriculture and Rural Development

DRAFT PROGRAMME

15.10.2019

Heimische Eiweißversorgung fördern und Klima schützen – aber nachhaltig und fair!

Zur heutigen Abstimmung über den Bericht zur Eiweißstrategie und den Bericht zu Landwirtschaft und Klimaschutz im EU-Parlament, erklärt Martin Häusling, Koordinator der Grünen/EFA im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments und Mitglied im Umweltausschuss:

„Die EU braucht aktuell 17 Mio. Hektar Ackerland außerhalb, um ihren Eiweißbedarf zu decken. Der größte Anteil davon liegt in Südamerika. Ich selbst habe auf meinen Reisen nach Südamerika in den letzten Jahren gesehen, was das anrichtet: Regen- und Trockenwald (Chaco, Cerrado) werden zerstört und zu Soja-Monokulturen umgewandelt, Menschen werden vertrieben oder durch den Pestizidnebel vergiftet.
Es ist klar, dass wir in Europa dringend eine Förderung des einheimischen Eiweißpflanzenanbaus brauchen und daher begrüße ich die heutige Verabschiedung des Eiweißberichts grundsätzlich. Damit die Strategie Erfolg hat, müssen wir jetzt zunächst das Blair-House-Abkommen abschaffen*. Dann dürfen wir aber nicht die gleichen Fehler machen, wie in Südamerika. Der Anbau von Eiweißpflanzen hat riesige Potentiale für den Klima-, Boden-, und Gewässerschutz. Aber nur, wenn man ihn richtig macht!
Mittels Stickstofffixierung über Leguminosen in der Fruchtfolge können im Vergleich zum Mineraldüngereinsatz bis zu 70% Treibhausgase eingespart werden. Das wäre schon ein großer Schritt für einen Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz. Boden- und Gewässerschutz sind dabei automatisch mit im Paket und die Biodiversität profitiert ebenfalls. Allerdings funktioniert das nicht mit intensiven Mega-Soja-Monokulturen, wie es in Osteuropa inzwischen zunehmend geschieht und unter anderem auch Landgrabbing zur Folge hat. Ackerbohnen, Lupinen und feinsämige Leguminosen, Klee und Luzerne müssen zuallererst gefördert werden. Dies fordert der Bericht leider nicht ausdrücklich genug. 16 Mitgliedstaaten haben schon gekoppelte Zahlungen für Eiweißpflanzen im Programm. Deutschland hat sich trotz hochgelobter Eiweißpflanzenstrategie aus marktideologischen Gründen entschieden, dies nicht zu tun. Stattdessen plädiert man hier heftig für den Einsatz von Pestiziden auf ökologischen Vorrangflächen, obwohl dort nur ein Bruchteil der Eiweißpflanzen wächst. Konservative Parlamentarier hatten diese Forderung auch in den Bericht gestimmt, weswegen wir Grüne uns enthalten haben. Ich halte diese fadenscheinige Argumentation in hohem Maße für unklug.
Ich fordere daher die Kommission auf, beim Verbot von Pestiziden auf ökologischen Vorrangflächen standhaft zu bleiben und eine Eiweißstrategie zu fördern, die konsequent einen nachhaltigen Anbau beinhaltet. Von Deutschland fordere ich dringend ein Umdenken bei gekoppelten Zahlungen!“

Artikel von Martin Häusling im Kritischen Agrarbericht: „Wege aus der Eiweißlücke“.
Studie zum EU-Eiweißdefizit: „Artenvielfalt statt Sojawahn“.
Hintergrundpapier zu LULUCF.


* Historisch beruht das Eiweißdefizit in Europa einerseits auf internationalen Handelsabkommen insbesondere mit den USA, die es der EU gestatteten, ihre Getreideproduktion zu schützen, im Gegenzug jedoch die zollfreie Einfuhr von Eiweißpflanzen und Ölsaaten in die EU forderten (GATT sowie das Blair-House-Abkommen von 1992). Andererseits hatte dies zur Folge, dass Züchtung und Erzeugung von Eiweißpflanzen wegen der billigen Importe wirtschaftlich nicht mehr attraktiv war. Darüber hinaus trat die Dünge- und Fruchtbarkeitsleistung der stickstofffixierenden Leguminosen im Zuge des wachsenden Einsatzes von Mineraldünger und Gülle immer mehr in den Hintergrund und die Fruchtfolgen verengten sich massiv.

15.10.2019

HNA-Interview - "Der größte Feind des Bauern ist nicht die Politik, sondern der Bauer selbst"

HNA- Interview: Europaabgeordneter Häusling zur Situation der Landwirtschaft

Fritzlar. Wir sprachen mit dem Europa-Abgeordneten Martin Häusling aus Bad Zwesten-Oberurff über Massentierhaltung und die geplante Erweiterung eines großen Schlachtbetriebes in Gudensberg.

Wie kommt es, Herr Häusling, dass sich die Landwirtschaft immer stärker von den Menschen und die Menschen immer stärker von der Landwirtschaft entfremden?

Häusling: Das hat damit zu tun, dass die Landwirtschaft nicht mehr so prägend ist und viele Menschen keinen direkten Bezug mehr zur Landwirtschaft haben.

Liegt es auch daran, dass in den Dörfern Raum für Entwicklung fehlt?

Häusling: Früher hatte man freien Zugang zu den Ställen, heute stehen sie an den Ortsrändern, und die meisten wissen nicht mehr, wie Tierhaltung heute funktioniert. Das hat sich in den vergangenen 20 Jahren schon gravierend verändert.

Sind die Menschen heute auch sensibler geworden, was beispielsweise Geruchsbelästigungen angeht?

Häusling: Heute ist das Problem die Konzentration der Tiermastanlagen. Sowohl die Abluft als auch das Ausbringen von Gülle von tausenden von Schweinen und Hühnern ist extrem belastend.

Wann sind den Grenzen erreicht, was Massentierhaltung betrifft?

Häusling: Der Schwalm-Eder-Kreis entwickelt sich zu einer Region wie wir sie auch in Niedersachsen haben, mit der Konzentration von Tieren rund um Schlachthöfe. Wie das am Ende aussehen kann, kann man in Cloppenburg besichtigen. Das hat dort vor 20 Jahren auch so angefangen. Die Möglichkeiten dieser Region sind jetzt ausgeschöpft, und meine Sorge ist, dass sich die Entwicklung nach Nordhessen verlagert. Der Schlachthof in Gudensberg ist ein starker Anziehungspunkt.

Im Schwalm-Eder-Kreis wächst der Widerstand zwar, aber er ist noch nicht so groß wie im Landkreis Cloppenburg. Jetzt nimmt der Landkreis dort im Gegensatz zum Schwalm-Eder-Kreis seine Verantwortung wahr und macht stärkere Auflagen.

Kann es denn überhaupt ein Zurück zur bäuerlichen Landwirtschaft geben?

Häusling: Es ist schwer zu definieren, was bäuerliche Landwirtschaft ist. Politik und Verbraucher haben es aber in der Hand, wie sich eine Landwirtschaft entwickelt.

Es klingt ja immer so, als hätten die Betriebe eigentlich gar keine andere Chance als zu wachsen - oder?

Häusling: Das ungezügelte Wachstum bei fallenden Preisen hat der Landwirtschaft überhaupt nichts gebracht. Der größte Feind des Bauern ist nicht die Politik, sondern der Bauer selbst.

Klingt provokativ.

Häusling: Wenn man sieht, wie sich Bauern bei den Pachtpreisen gegenseitig aus dem Markt schießen, übersteigt das jede Vernunft. Auch innerhalb der Landwirtschaft findet also ein Verdrängungswettbewerb statt.

Sie haben die Preise angesprochen. In vielen Bereichen sind die Erzeugerpreise nicht mehr auskömmlich. Was sind die Ursachen?

Häusling: Das ist eine Politik, die mit Unterstützung des Bauernverbandes den Eindruck erweckt, dass der Weltmarkt nur auf die Produkte aus Deutschland wartet. Das war offenbar ein Selbstbetrug, wie man jetzt sieht. Die massenhafte Billigpolitik schlägt jetzt auf die Bauern zurück. Bei der Milch haben wir die Situation, dass die Bauern Amok melken.

Was tun die Bauern?

Häusling: Es wird gemolken wie noch nie, in der Hoffnung, dass man die Milch los wird. Das führt zwangsläufig zu einem Zusammenbruch des Preises. Bei Milch müsste man dringend eine Bremse einziehen und nur so viel produzieren wie der Markt abnimmt.

Also war die Milchquote, die 2015 abgeschafft wird, ein vernünftiges Instrument?

Häusling: Danach werden sich spätestens in einem Jahr noch viele Menschen zurücksehnen. Der Preisverfall wird noch drastischer werden.

Wie wird sich das im Schwalm-Eder-Kreis auswirken?

Häusling: Hier haben wir es ja bereits mit einem ziemlich drastischen Strukturwandel zu tun. Bundesweit hatten wir 2008 noch 130 000 Milchviehbetriebe, jetzt haben wir schon 40 000 weniger.

Welche Rolle spielen dabei die großen Handelsketten?

Häusling: Das sind ja keine sozialen Unternehmen. Wenn es ein Überangebot gibt, drücken sie die Preise. Wenn die Politik diese Monopole nicht hinterfragt, ändert sich nichts. Die Frage an die Bauern ist, ob sie nicht besser auf Qualität und Regionalität setzen sollten.

Wird das denn wirklich von den Verbrauchern honoriert? Die wollen ja möglichst günstige Lebensmittel kaufen.

Häusling: Es gibt schon klar einen Trend, dass die Leute wissen wollen, woher ihre Nahrungsmittel kommen und wie die Qualität ist.

Es können aber wohl nicht alle Bauern auf Bio setzen.

Häusling: Darum geht es nicht, aber die Produkte müssten klarer gekennzeichnet werden. Wenn die Qualität stimmt, zahlen die Menschen auch ein paar Cent mehr. Die Verbraucher haben eine große Macht, man muss ihnen aber auch die Möglichkeit geben, sie sinnvoll einzusetzen.

Aber fördert die EU nicht geradezu den eben beschriebenen Strukturwandel?

Häusling: Richtig ist: Bauern werden nicht mehr für ihre Produkte bezahlt, sondern es gibt Beihilfen pro Hektar. Daraus ergibt sich, dass große Betriebe entsprechend ihrer Hektarzahl mehr bekommen. Das ist keine Förderung wie ich sie mir vorstelle.

Ich wäre dafür, dass es eine Obergrenze für die Förderung von 100.000 Euro gibt. Agrarindustrieunternehmen sollten gar kein Geld bekommen. Das Geld fehlt uns für Strukturmaßnahmen und zur Förderung der ländlichen Entwicklung.

Aber hängen die Betriebe nicht vielfach am Tropf der EU?

Häusling: Ja, perspektivisch wäre es viel sinnvoller, dass die Bauern von ihren Erträgen leben können. Dann müssten die Bauern aber auch mindestens 45 Cent für den Liter Milch bekommen und nicht wie jetzt nur 30 Cent.

Derzeit bekommen die Verbraucher zwar günstige Lebensmittel, die Steuerzahler bringen aber auch die Subventionen auf.

Wie wird sich die Situation durch das Freihandelsabkommen TTIP für die Landwirtschaft verändern?

Häusling: Ich sehe für die Landwirtschaft wenig Chancen. Das US-amerikanische System ist ja noch viel stärker auf eine Industrialisierung der Landwirtschaft ausgerichtet. Dagegen kann die europäische Landwirtschaft nicht standhalten. Die Bauern hier müssten noch günstiger produzieren. Es ist auch völlig inakzeptabel, dass die Kriterien für das Freihandelsabkommen in den Hinterzimmern ausgehandelt werden. Die Parlamente sind nach wie vor nicht involviert.

Welche Perspektive sehen Sie also?

Häusling: Ich sehe keine Perspektive in dem Freihandelsabkommen. Der Deal könnte so sein, dass unsere stärkeren Normen im Verbraucherschutz und im Tierschutz gelockert werden, zugunsten des Exports von Industriegütern.

Martin Häusling ist 53 Jahre alt. Er ist gelernter Agrartechniker, seinen Hof im Bad Zwestener Ortsteil Oberurff, der nach Bioland-Richtlinien arbeitet, führen seit Jahren schon Häuslings Ehefrau Marianne und sein Sohn. Martin Häusling gehörte für Bündnis 90/Die Grünen von 2003 bis 2008 dem hessischen Landtag an. 2009 zog er erneut in den Landtag ein, legte das Mandat aber im Juni 2009 nieder, als er in das Europaparlament gewählt wurde. Er ist dort Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung.

Von Heinz Rohde

15.10.2019

Hogan wirbt für ungesund hohen Fleischverzehr und ignoriert Klimaschutz

EU-Agrarkommissar auf Werbetour

EU-Agrarkommissar Phil Hogan wirbt für mehr Fleischverzehr innerhalb der Europäischen Union und will zugleich den Fleischexport ankurbeln. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, kommentiert:
„Satte 15 Millionen Euro will EU-Agrarkommissar Phil Hogan in eine Werbe-Kampagne stecken, damit wir alle mehr Fleisch-, vor allem aber mehr Rindfleisch essen. „Taste Europe“, schmecke Europa, heißt sein Programm, aus dem er seine Werbebotschaft bezahlt. Ein Programm, das an sich schon fragwürdig ist, denn es enthält keinerlei Kriterien zur Erzeugung und bezieht sich allein auf die europäische Herkunft des Produkt.

Hogan ignoriert den Zeitgeist, er blendet die aktuelle Diskussion um die Reduzierung von Fleisch in der Nahrung aus und übergeht sämtliche Anforderungen, die die Gesellschaft heute an die Landwirtschaftspolitik stellt. Klimaschutz, Tierwohl, aber auch die menschliche Gesundheit haben bei Hogan, der Mann mit dem Tunnelblick, keinen Platz. Während einerseits die Landwirtschaft vor der Herausforderung steht, ihren Anteil an den Treibhausgasen zu senken, schlägt der Agrarkommissar den umgekehrten Weg vor und will den Absatz von Fleisch steigern. Wohl wissend, dass damit ein Mehr an Treibhausgasen entsteht, zumal dieses Fleisch in der Regel aus klimaproblematischer Massenerzeugung stammt.

Aber Hogan geht noch einen Schritt weiter und verweist auf seine umfänglichen Markterkundungsreisen, ob nach Vietnam, Kolumbien oder die Türkei, um auch dort nach Absatzmärkten europäischer Produkte zu schielen. Statt Millionen in sinnlose Werbeaussagen zu versenken, statt die Welt mit billigen Massenprodukten aus Europa  beglücken zu wollen, sollte Hogan sein Augenmerk auf die Erzeugung von Qualitätsprodukten richten. Die Welt braucht diese austauschbaren, auf dem Rücken der Umwelt produzierte Güter nicht, die im Zweifel überdies dann auch noch lokale Märkte zerstören.“


Weitere Informationen:
Schweizerbauer vom 10.10.16: Agrarkommissar will Fleischkonsum ankurbeln
https://www.schweizerbauer.ch/politik--wirtschaft/international/agrarkommissar-will-fleischkonsum-ankurbeln-31306.html

Martin Häusling: Kommentar zur Agrarkrise - Agrarvertreter on Tour: Alles muss raus!
http://www.martin-haeusling.eu/themen/welthandel-und-welternaehrung/1355-kommentar-zur-agrarkrise-agrarvertreter-on-tour-alles-muss-raus.html

15.10.2019

Klöckners Tierwohllabel: Wir brauchen EU-weite Vorgaben statt Pseudo-Kennzeichnung

Die Vorstellung der Kriterien des staatlichen Tierwohllabels durch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kommentiert Martin Häusling, Agrarkoordinator der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Was Frau Klöckner heute vorgestellt hat, ist weniger als ein halbherziger Versuch in Deutschland endlich auf einheitliche Standards beim Tierwohl zu setzen. Mit der Freiwilligkeit des Labels und der Beschränkung auf Schweinehaltung wird nichts Ganzes und nichts Halbes umgesetzt. Der Marktanteil der gekennzeichneten Produkte wird sich voraussichtlich auf lediglich 20-30% der Schweinehaltung beschränken. Außerdem bringt die erste Stufe des Labels kaum Verbesserungen mit sich: Schwänze werden weiterhin kupiert, der Platz im Stall wird um lächerliche 0,2 Quadratmeter vergrößert und der Kastenstand wird ebenfalls nicht abgeschafft. Es stellt sich einem die Frage, was hiermit überhaupt erreicht werden soll.
Wenn man ein bisschen mehr Weitsicht walten lässt, würde man erkennen, dass die einzig wirksame Lösung für Tierwohl im Sinne des Verbrauchers eine einheitliche europäische gesetzliche Regelung zum Tierwohl darstellt. Die Abschaffung der Käfighaltung auf EU-Ebene gibt hier ein gutes Beispiel dafür, dass ein eng vernetzter europäischer Binnenmarkt auch europäische Lösungen verlangt.
Mit einem freiwilligen Tierwohllabel wälzt die Regierung mal wieder das auf den Verbraucher ab, was eigentlich Verantwortung des Staates wäre: Tiergerecht und verantwortungsvoll produzierte Lebensmittel für die Bürgerinnen und Bürger zu sichern.“

Mehr Info zu den Kriterien: https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierwohl/_texte/Einfuehrung-Tierwohllabel.html

15.10.2019

Konferenz im Europäischen Parlament „Eine Gemeinsame Agrarpolitik für Kleinlandwirte und Bürger“

180523 via cap Letzte Woche habe ich zusammen mit La Via Campesina, der Vertretung der Kleinbauern in Europa sowie dem Abgeordneten Eric Andrieu, S&D aus Frankreich und Lidia Senra, Abgeordnete der GUE (Linken) aus Spanien zu einer Konferenz zur Zukunft der GAP geladen. Die Resonanz war groß. Insgesamt haben ca. 200 Bäuerinnen und Bauern aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal sowie interessiertes Fachpublikum die Debatteverfolgt.

Der Appellder Kleinbauern war deutlich. Es muss etwas getan werden, damit die Diversität in der Landwirtschaftnicht weiter verloren geht. Die Europäische Kommission könne jetzt die Weichen hierfür stellen und Kriterien zur Erhaltung von Biodiversität definieren, die Produktion von qualitativ hochwertigen Produkten ausreichend honorieren.

Weitere Information:

Programm

Videoaufzeichnung der Konferenz (Auswahl der Sprache möglich)

 

15.10.2019

Kritischer Agrarbericht 2019 - Schwerpunkt Europa: "Die Uhr tickt"

KAB

Zunehmende Probleme beim Pestizideinsatz erfordern entschiedenes Umdenken

von Martin Häusling im Kritischen Agrarbericht 2019

Pestizide gelten in der Agrarindustrie seit dem Zweiten Weltkrieg als »unentbehrlich«. Dabei ist die Geschichte ihres Einsatzes gekennzeichnet von Sicherheits- und Unbedenklichkeitserklärungen, von auftretenden Problemen und daraus zwingend erforderlichen Verboten. Die Grundlagen eines auf intensiven Pestizideinsatz setzenden Anbausystems sind die Züchtung auf Hochertrag, intensive Stickstoff düngung und enge Fruchtfolgen. Doch anstatt dieses System angesichts der Folgen für Mensch, Natur und Umwelt insgesamt infrage zu stellen, wird am Pestizideinsatz festgehalten – trotz zunehmender Zweifel an diesem Anbausystem auch aus der Wissenschaft. Die eigentlich fortschrittliche EU-Gesetzgebung zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden, die auf Pestizidreduktion setzt, wird von allen Mitgliedstaaten mehr oder weniger unterlaufen. Für den Autor des folgenden Beitrages ist die Zeit der Agrarchemie vorbei und agrarökologische Anbausysteme notwendig. Ähnlich dem Klimaabkommen von Paris fordert er ein internationales Abkommen zum
Pestizidausstieg.

Link zum vollständigen Beitrag "Die Uhr tickt"

Online Vollversion Kritischer Agrarbericht 2019

15.10.2019

Lackmustest für Reformwillen: Pestizid-Verbot auf Greening-Flächen muss kommen!

Zur heutigen Abstimmung im Agrarminister-Rat über ein Pestizid-Verbot auf Greening-Flächen erklärt der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion Martin Häusling:

Die heutige Abstimmung der Agrarminister der europäischen Mitgliedsstaaten ist ein Lackmustest über die Reformfähigkeit der EU-Agrarpolitik: Kippen sie das von der EU-Kommission vorgeschlagene Pestizid-Verbot auf den für den Schutz der Biodiversität vorgesehenen Greening-Flächen*, den sogenannten „ökologischen Vorrangflächen“, kommt dies einer Aufkündigung des Minimalkompromisses der letzten Reformrunde zu Europas Gemeinsamer Agrarpolitik (GAP) gleich, diese ökologischer auszurichten.

Eine rückwärtsgewandte Politik, die auch den kleinsten Wandel für eine grünere, gerechtere und gesündere Landwirtschaft zu verhindern versucht, gefährdet die Akzeptanz für eine europäische Landwirtschaft der Zukunft.

Ab 2020 muss die Reformbereitschaft deutlich weiter gehen:  „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ darf dann nicht nur in Worten, sondern muss konsequent im Gesetz gelten.

Es verbietet sich, die vereinbarten Minimalauflagen zum Erhalt der Biodiversität argumentativ gegen eine erhöhte Eiweißpflanzen-Erzeugung aufzurechnen: Greening-Flächen heißen aus gutem Grund ökologische und nicht ökonomische Vorrangflächen. Fällt dieser Mehrwert aus, rechtfertigt das keine Greeningprämien. Den Eiweißpflanzenanbau hätte man anders besser fördern können: Deutschland hatte in der letzten EU-Agrarreform die Möglichkeit, zwei Prozent seines Budgets für eine gezielte Eiweiß-Förderung einzusetzen, hat davon allerdings keinen Gebrauch gemacht.

 

* Greening-Flächen verpflichten Landwirte dazu, zum Bezug von Direktzahlungen (Flächenprämie) auf fünf Prozent ihres Ackerlandes konkrete Umweltleistungen zu erbringen bzw. Dauergrünlandflächen zu erhalten.

15.10.2019

LZ Unfaire Handelspraktiken- EU-Staaten wollen Bauern vor Handelskonzernen schützen

Agrarausschuss stimmt Ausweitung zu; Federführender Ausschuss im EU-Parlament votiert für Verschärfung des Richtlinienvorschlags gegen „unfaire Handelspraktiken“
Lebensmittel ZeitungBender, Hanno

Straßburg. Nach dem Binnenmarktausschuss will auch der Agrarausschuss Großunternehmen in den Schutz vor „unfairen Handelspraktiken“ einbeziehen. Der EU-Rat votiert dagegen für den ursprünglichen Richtlinienentwurf von Agrarkommissar Phil Hogan.
Seit Wochenanfang stehen die Positionen für die Trilog-Verhandlungen zur EU-Richtlinie gegen „unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette“ (UTP) fest. Am späten Montagabend stimmte der Agrarausschuss im EU-Parlament (EP) über die Änderungsanträge der Abgeordneten ab. Und auch die EU-Mitgliedstaaten einigten sich am Montag auf die Verhandlungsposition des EU-Rats zu den nun anstehenden Trilog-Verhandlungen mit Parlament und Kommission.
Ende Oktober, nachdem das Parlament im Plenum das Votum der Ausschüsse auch formal bestätigt hat, will der EU-Rat unter dem österreichischen Vorsitz die Gespräche beginnen und bis zum Jahresende zum Abschluss führen. Die UTP-Richtlinie soll noch vor der Europawahl im Mai 2019 finalisiert werden, so das erklärte Ziel der österreichischen Ratspräsidentschaft.
Die Position des Rates baut auf dem Richtlinien-Vorschlag von Agrarkommissar Phil Hogan auf, wie das österreichische Landwirtschaftsministerium mitteilt. Der Hogan-Entwurf will europaweite Mindeststandards zum Schutz gegen unlautere Geschäftspraktiken schaffen – etwa verspätete Zahlungen bei „verderblichen Waren“, kurzfristige Stornierungen von Aufträgen oder einseitige und rückwirkende Vertragsänderungen verbieten.
Den EU-Parlamentariern gehen die Vorschläge von Hogan dagegen nicht weit genug. Wie bereits der Binnenmarktausschuss in der vergangenen Woche (lz 39-18), plädiert auch der federführende Agrarausschuss im EP für die Ausdehnung des Anwendungsbereichs der Richtlinie. Statt nur kleine und mittlere Unternehmen zu adressieren, sollen auch Großunternehmen in den Schutzbereich einbezogen werden.
Die Handelsverbände kritisieren die Ausweitung scharf. „Die Verhandlungsmacht großer Lebensmittelkonzerne wird gesetzlich gefördert“, meint der HDE. Aber auch innerhalb des EU-Parlaments gibt es kritische Stimmen: „Wir sind über das Ziel hinausgeschossen“, sagt der grüne Europa-Abgeordnete Martin Häusling zur LZ. „Der ursprüngliche Entwurf sollte die Landwirte vor den Konzernen schützen. Nun schützen wir Konzerne vor Konzernen“, so Häusling, der selbst als Bio-Landwirt tätig ist. „Jetzt sollen Coca-Cola und Nestlé gegen Edeka und Rewe klagen können, das war nicht das Ziel, für das wir angetreten sind.“
Selbst die Anträge der CSU-Gruppe um den Abgeordneten Albert Deß wurden vom Agrarausschuss angenommen (lz 38-18). Zusammenschlüsse von Groß- und Einzelhändlern wie Genossenschaften geraten damit in Gefahr, warnt der HDE. Auch dürften Händler keine Vereinbarungen zu Tier- und Umweltschutzstandards mehr vereinbaren, die über das gesetzliche Niveau hinausgehen. „Ein unsinniger Vorschlag“, so der EP-Abgeordnete Häusling. Schließlich sei der Handel hier doch oftmals der Vorreiter und der Gesetzgeber hinke hinterher. be/lz 40-18

15.10.2019

Markt, Export, Liberalisierung statt Ökologie: Mit Phil Hogan droht der EU-Agrarpolitik ein Rückfall in alte Zeiten

Brüssel - Zur Anhörung des designierten EU-Kommissars für Agrarpolitik, Phil Hogan, vor dem Europäischen Parlament erklärt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA:

„Als klassischer Vertreter des agrarindustriellen Modells steht der EU-Agrarpolitik mit Phil Hogan vor allem eins in Haus: eine rigorose Ausrichtung auf Markt, Export und Liberalisierung. Dieser Rückfall in eine vergangene Politikära hat keine Ansätze zur Reaktion auf bestehende und absehbare Krisen in Landwirtschaft und Umwelt anzubieten. Im Doppelpack mit der angekündigten verstärkten Exportorientierung droht eine Politik  des „Wachsens oder Weichens“ die den Strukturwandel nicht nur der bäuerlichen Landwirtschaft in Europa, sondern weltweit  beschleunigen wird. Mit allen absehbaren Folgen für Mensch, Umwelt und Klima.
Wir Grüne befürchten, dass der Ire Hogan unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus die mühsam ausgehandelten, ohnehin schon wachsweichen Kompromisse des Greenings der jüngsten EU-Agrarreform vollends kippen wird. Darauf lassen seine Äußerungen vor den Europaabgeordneten schließen.
Auch wenn der politisch und rhetorisch versierte Hogan die Anhörung für sich entscheiden konnte, so hat er mit elf Gegenstimmen, die auch aus meiner Fraktion kamen, eine deutlich geringere Rückendeckung für seine Politik erhalten als sein Amtsvorgänger Dacian Ciolos, der sich für eine ökologische Reform der europäischen Agrarpolitik stark gemacht hatte.
Wir hoffen, dass Hogan im Laufe seiner Amtstätigkeit erkennt, dass die Chancen einer zukunftsorientierten europäischen Landwirtschaft untrennbar mit mehr politischem Engagement für eine umwelt-, klima- und ressourcenschonende EU-Agrarpolitik verbunden sind. Nur ein ökologisches Reformprogramm kann die EU-Agrarpolitik aus ihrer Krise in die Zukunft führen.“


Weitere Informationen:
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament - Martin Häusling
Tel. +32-2-284-5820, Fax +32-2-284-9820 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

15.10.2019

Martin im Agrar-Ausschuss zum Kernproblem der GAP

2019 01 29 EU AGRI Martin Häusling 2In der Debatte um die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU. Martin spricht hier ein Kernproblem der Verhandlungen an. Eigentlich müsste das Parlament den ganzen Vorschlag der Kommission ablehnen, wenn dem letzten GAP-Bericht (Berichterstatter Dorfmann, daher "Dorfmann-Bericht") treu geblieben würde. Stattdessen verheddert man sich aktuell im Detail der Änderungsanträge auf den KOM-Bericht und spart politische Fragen, in welche Richtung es eigentlich gehen soll, einfach aus. Die Frage ist, ob Europa in der Agrarpolitik einen Systemwechsel hinbekommt und ökologische Ziele in die Agrarreform aufnimmt.