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Landschaft - Martin Häusling

FAQ

Martin Häusling

Das EU-Gericht hat entschieden: Studien zum umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat müssen allen EU-Parlamentariern zugänglich gemacht werden. Umweltschützer, Grüne und Sozialdemokraten bewerteten das Urteil aus Luxemburg als Etappensieg.

Erhöht der Unkrautvernichter Glyphosat das Krebsrisiko? Darauf gibt es nach wie vor keine eindeutige Antwort. Sicher ist jetzt aber, dass Studien zum Pestizid dem EU-Parlament zugänglich gemacht werden müssen. Damit erklärt das Gericht eine Entscheidung der EU-Lebensmittelbehörde Efsa für nichtig. Unter anderem vier grüne EU-Parlamentarier hatten gegen die Entscheidung der Efsa geklagt, diese wiederum mit dem Schutz der Interessen von Unternehmen argumentiert. Die Luxemburger Richter urteilten nun, das Interesse der Öffentlichkeit an Informationen, die Emissionen in die Umwelt beträfen, sei höher als der Schutz von Geschäftsinteressen.

Glyphosat-Gegner feiern Etappensieg

Umweltschützer, Grüne und Sozialdemokraten bewerten das Urteil aus Luxemburg als großen Erfolg. "Die Entscheidung des Gerichts wird mehr Klarheit in die öffentliche Diskussion um Pestizide bringen. Jetzt steht fest, dass die Öffentlichkeit Zugang zu Informationen aus bisher nicht veröffentlichten Studien über die langfristigen Folgen dieser Wirkstoffe hat", sagte die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior.

"Jetzt wird ans Tageslicht kommen, was die Geschäftemacher uns vorenthalten wollten. Wir müssen jetzt auf sofortige Herausgabe aller Studien drängen und diese umgehend analysieren. Wenn sich die vermuteten Belege dafür finden, dass Glyphosat tatsächlich krebserregend ist, wäre das ein Skandal mit weitreichenden Veränderungen: Glyphosat müsste sofort verboten werden." Martin Häusling, Europaabgeordneter (Grüne)

Greenpeace-Lebensmittelexpertin Franziska Achterberg sagte: "Es ist schockierend, dass Efsa vor Gericht daran erinnert werden musste, dass ihre Aufgabe der Schutz der öffentlichen Gesundheit ist, nicht der Schutz der Geschäftsinteressen von Glyphosatherstellern."

Großflächiger Glyphosat-Einsatz in Bayern

Laut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gibt es zwar keine offizielle Statistik zum Glyphosat-Einsatz im Freistaat, Erfahrungswerte aber zeigten, dass Glyphosat im Jahr 2018 auf ca. 240.000 Hektar bayerischem Boden verwendet wurde, vor allem im Zusammenhang mit Getreide, Raps und Mais. Das entspricht elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern. Nach einer Umfrage des Bund Naturschutz haben im vergangenen Jahr 16 bayerische Molkereien ihren Lieferanten ein Glyphosatverbot bei der Acker- und Grünlandbewirtschaftung auferlegt. Über die mangelnde Transparenz im EU-Zulassungsverfahren für Pestizide hat BR Recherche im vergangenen Jahr ausführlich berichtet.

WHO-Organisation: Glyphosat "wahrscheinlich" krebserregend

Hintergrund des Urteils ist der langwierige Streit um die weitere Nutzung von Glyphosat in der EU. Das Mittel war 2017 von den Mitgliedsstaaten für weitere fünf Jahre zugelassen worden. Der damalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte entgegen der Weisungslage der Bundesregierung auf EU-Ebene seine Zustimmung für die Lizenzverlängerung gegeben. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat im März 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für den Menschen ein. Die Lebensmittelbehörde Efsa, die Chemikalienagentur Echa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung sahen dafür aber keine Bestätigung. Gegen das Mittel hatte es vor allem in Deutschland heftige Proteste gegeben.

 

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/dauerstreit-thema-glyphosat,RK2uXHk

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