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Darmstädter Echo - Von Cornelia von Poser

LANDWIRTSCHAFT Europa-Politiker Martin Häusling spricht in Fahrenbach über Fehlentwicklungen in der EU-Agrarpolitik

FAHRENBACH - Fast nirgendwo hat die Europa-Politik so direkte Folgen für die Menschen wie in puncto Landwirtschaft und Umweltschutz. Und so kamen denn auch rund 30 Personen am Donnerstag im Landgasthof Hölzing in Fahrenbach zusammen, um mit dem Grünen Europa-Politiker Martin Häusling über Themen wie Massentierhaltung, Pestizide oder Klimaerwärmung zu diskutieren. Eingeladen hatte der Kreisverband Bergstraße und der Ortsverband Fürth von Bündnis 90/Die Grünen.

Agrar- und Umweltexperte Häusling informierte dabei zunächst über die aktuellen Entwicklungen auf europäischer Ebene und wies gleich eingangs darauf hin, dass mit der Agrar- und der Umweltpolitik bisher lediglich zwei Bereiche in Europa „vergemeinschaftet“ seien. So sei Europa beispielsweise für circa 80 Prozent aller Umwelt-Gesetzgebungen in Deutschland verantwortlich. Doch: Nur rund ein Prozent des deutschen Steueraufkommens ginge nach Brüssel, betonte der in Bad Wildungen geborene Häusling. „Das wird auf Dauer nicht reichen.“

Das Mitglied des Europaparlaments gab jedoch auch zu, es gäbe viel zu kritisieren an der Landwirtschaftspolitik der EU. Beispielsweise bei der Verteilung der Subventionszahlungen an europäische Bauern, die sich derzeit maßgeblich nach der Anzahl der bewirtschafteten Hektar richte. Auch die Verkäufe von Agrarprodukten – etwa von in der EU überproduzierter Milch oder Geflügelteilen – nach Südamerika oder Afrika prangerte der 55-Jährige an. Durch solche Agrarexporte würden beispielsweise die Märkte sowie Lebensgrundlagen der Bauern in den Abnehmerländern kaputtgemacht.

Häusling, der von 2003 bis 2009 Mitglied des hessischen Landtages war und 2009 in das Europaparlament gewählt wurde, informierte zudem umfassend über das Thema Nitrate. So riskiere Deutschland derzeit teure Klagen der EU, weil die Nitratrichtlinien hierzulande oftmals nicht eingehalten würden. Aufgrund der Massentierhaltung käme es vielerorts zu Überdüngungen, bestätigt der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europaparlament. Aktuell würde tonnenweise Gülle quer durch Deutschland transportiert, um sie an weniger belasteten Orten auszubringen.

Auch berichtete der Nordhesse über Soja-Anbaupraktiken in Südamerika, und den umfangreichen Einsatz von Glyphosat, etwa in Argentinien, um zu verdeutlichen: Gentechnik bedeute nicht, dass weniger, sondern dass mehr Chemie in der Landwirtschaft benutzt würde. Hier forderte der Europapolitiker, etwas „am System“ zu ändern. Doch auch die Verbraucher müssten ihr Kaufverhalten in Sachen Lebensmittel überdenken. Häusling weiß, wovon er spricht, schließlich ist er gelernter Landwirt. Seinen Hof, den er 1987 auf Ökologischen Landbau umgestellt hat, hat er bereits seinen beiden Söhnen übergeben.

Der zweite Teil des Abends war als offene Diskussionsrunde angelegt. Hingewiesen wurde unter anderem auf das in der Region voranschreitende „Aussterben“ des Bauernstandes. Zudem fehlten nahe gelegene Schlachthöfe. Zum Problem der Flächenversiegelung merkte Häusling an, ländliche Räume mehr wertzuschätzen und die Sanierung der Innenstädte dem Bau von außerhalb liegenden Gewerbegebieten vorzuziehen. Doch diese Entscheidungen lägen in der Verantwortung regionaler Politiker

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