Grüne Europagruppe Grüne EFA

Berlin - Anlässlich der heutigen Tagung „Lieber heute als morgen, nur nicht von gestern: Mit visionärer Politik aus der Agrarkrise“ erklären Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und ReferentInnen der Tagung:

„Europas gemeinsame Agrarpolitik (GAP), einstiger Vorreiter einer europaweiten Politikgestaltung, verfehlt in wachsendem Maße die Anforderungen an eine zeitgemäße Politik: Sie vernachlässigt den Schutz von Umwelt und Ressourcen, gesellschaftliche Erwartungen und gefährdet durch ihre zunehmende agroindustrielle Ausrichtung und Exportorientierung die Existenz bäuerlicher Betriebe in und außerhalb Europas.
Daher fordere ich eine umfassende politische Reform und den Umbau der Agrarförderung, die auf eine nachhaltige Ökologisierung unserer Landwirtschaft ausgerichtet ist, damit neue Einkommensfundamente für eine tier- und umweltschutzgerechte Erzeugung schafft und sich auf die Stärke regionaler Strukturen und Märkte besinnt.“

Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, kommentiert:
„Die Milchkrise stellt die grundsätzliche Fragen nach der Landwirtschaft der Zukunft: Ist eine weitergehende Kostenminimierung mit dem Ziel möglichst große Weltmarkanteile zu sichern, richtig, mit allen Konsequenzen wie Hofaufgaben, Industrialisierung, Lohnmast, Fremdkapital? Das ist zumindest ein zu risikoreicher Weg und wir sollten versuchen, einen anderen einzuschlagen.“

Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Institutes, erklärt:
„Wahrscheinlich wird die EU-Agrarpolitik auch über 2020 hinaus durch die begrünten Direktzahlungen geprägt sein. Dabei wären ganz andere Politikinstrumente nötig, um wichtige agrarpolitische Herausforderungen bewältigen zu können. Wenn die EU-Agrarpolitik dazu nicht in der Lage ist, sollte die deutsche Politik verstärkt darauf setzen, kraftvolle nationale Strategien zu entwickeln und die EU-Agrarpolitik als eine (unter mehreren) Finanzierungsquellen zu nutzen.“

Romuald Schaber, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, ergänzt:
„Für eine deutliche Korrektur der GAP ist es für die meisten Milchbauern schon längst viertel nach Zwölf. Ökologischere Produktionsweisen und den Erhalt der Produktion in der Fläche können wir nur mit marktsteuernden Rahmenbedingungen erhalten. So wie es jetzt läuft, werden Bauern zwischen der marktorientierten Kostenreduktion und den hohen Verbraucherwünschen zerrieben.“

Reinhild Benning, Sprecherkreis des Berliner Ernährungsrates und Germanwatch e.V. fügt an:
„Die Ziele, die die GAP sich selber setzt sind unter anderem Einkommensstabilisierung sowie Klima-, Boden-, Tier- und Wasserschutz. Diese Ziele widersprechen einer Förderung einer industrialisierten Landwirtschaft mit Fokus auf den Exportmarkt. Daran ändert auch das Greening nichts. Wir brauchen eine Konzentration auf unseren europäischen Binnenmarkt und transparenter erkennbarer Qualitätsproduktion. Für Bauern, Umwelt, Tiere und Verbraucher.“

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft, erklärt:
 „Bauern in den Ländern der Exportmärkte zahlen oft den Preis für unsere Überproduktion. Sie werden vom Markt verdrängt. Für eine politische Ausrichtung, die nicht einmal hier in Europa Existenzen der Bauern sichern kann. Und noch auf Kosten der Umwelt geht. Auf diese Weise sind alle Verlierer. Das agrarindustrielle Modell ist keines für die Zukunft. Wir brauchen ein agrarökologisches und das in Europa und weltweit.“


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