Grüne Europagruppe Grüne EFA

Klima-, Umwelt-, Natur-, Bodenschutz & Pestizide

23.07.2017

EU-Naturschutzrecht - Nicht die Richtlinien, sondern Umsetzung und Kontrolle müssen fit gemacht werden!

Brüssel -   Zur heutigen Beratung und Vorstellung der vorläufigen Ergebnisse des Fitness-Checks der EU-Naturschutzgesetzgebung im Rahmen einer Konferenz der EU-Kommission erklärt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA und Mitglied des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments:

„Die vorläufigen Ergebnisse des sogenannten Fitness-Checks der EU-Naturschutzrichtlinien durch die EU-Kommission bestätigen vor allem eins: Nicht die Richtlinien, sondern ihre Umsetzung und Kontrolle sind mangelhaft. Der Fitness-Check bestätigt sogar, dass die Richtlinien bei guter Umsetzung sehr wohl das Zeug dazu haben, innerhalb der ausgewiesenen Gebiete Arten und Lebensräume wirksam zu schützen.
Zugleich macht der Bericht deutlich, dass die EU ihre selbstgesteckten Biodiversitätsziele nur dann erreichen kann, wenn die Naturschutzpolitik finanziell besser ausgestattet wird. Klar ist auch, dass Europa die Bewahrung der Artenvielfalt auch als Teil eines Umsteuerns, zum Beispiel in der Agrarpolitik und anderen Politikbereichen, begreift.
Um es klar zu sagen: Es geht kein Weg an einer neu orientierten EU-Agrarpolitik vorbei. Die letzte Agrarreform hat Europa wertvolle Jahre gekostet. Doch statt agrarindustrielle Strukturen abzubauen und eine Ökologisierung in der Fläche zu erreichen, wurde Zeit verplempert, die nun fehlt.
Dass diese Schritte lohnenswert sind und sich auch finanziell auszahlen, stellt der Bericht ebenso fest: Gebiets- und Artenschutz sind Kassenschlager. Sie übersteigen die  Umsetzungskosten bei weitem und spiegeln sich mit milliardenschweren Einnahmen im Tourismus wider.
Mehr als eine halbe Millionen EU-Bürger haben in den letzten Monaten der EU-Kommission den Rücken für diesen Kurs gestärkt und die Kampagne „Naturealert“ zahlreicher europäischer Natur- und Umweltschutzorganisationen unterstützt.
Im Ergebnis ihres eigenen Berichts erwarte ich nun von der EU-Kommission, dass sie die Diskussion über eine mögliche Zusammenlegung der beiden Naturschutzrichtlinien ein für alle mal beendet. Stattdessen muss sie konsequente Vorschläge erarbeiten, wie die EU die Trendwende beim Verlust der Artenvielfalt bis 2020 gemeinschaftlich meistern kann.
Als EU-Parlamentarier verlange ich, dass die EU-Kommission die Konsequenzen aus ihrem eigenen Bericht und dem Votum der EU-Bevölkerung zieht und die für Beginn des nächsten Jahr angekündigten Schlussfolgerungen sich auch politisch daran messen lassen.“

23.07.2017

Nur eine konsequente Politik schafft mehr Biodiversität: Rechtsrahmen erhalten, Umsetzung stärken und Strategie ökologisieren!

Brüssel - Zur gestrigen Anhörung des Umweltausschusses  zur EU-Biodiversitätsstrategie erklärt der grüne Abgeordnete Martin Häusling, Mitglied des Agrar- und Umweltausschusses des Europaparlaments:

„Sowohl der Anfang Oktober von der EU-Kommission vorgestellte Zwischenbericht der EU-Biodiversitätsstrategie als auch die gestern vorgestellte Bilanz des Umweltbundesamtes zu 30 Jahren des Ringens um mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft lassen keinen Zweifel: Die EU und im besonderen Deutschland sind weit davon entfernt, ihre selbst gesteckten Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2020 zu erreichen.
Alle hoffungsvollen Ansätze und partiellen Erfolge zum Erhalt der Biodiversität täuschen nicht darüber hinweg, dass der Verlust der Artenvielfalt nicht einmal annähernd gestoppt werden konnte. Vielmehr gibt es nicht einmal die Aussicht, dass sich das Blatt zum Besseren wenden könnte.
Bemerkenswert ist der Hinweis des deutschen Umweltbundesamtes auf die Agrarreform: Das Greening, heißt es dort, sei bedauerlicherweise derart verwässert worden, dass von ihrer Umsetzung voraussichtlich wenig Positives für die Biodiversität zu erwarten ist.  
 Diese Einschätzung der Experten macht deutlich, dass wir keine neue Rechtsunsicherheit gebrauchen können, wie sie die EU-Kommission mit ihren Plänen zum Fitness-Check in Aussicht gestellt hat. Denn nicht die Richtlinien sind für die verfehlten Ziele verantwortlich. Sie wirken und zeitigen dort, wo sie konsequent umgesetzt wurden, sichtbare Erfolge.
Das reicht aber bei weitem nicht. Um die Trendwende im Artenrückgang bis 2020 zu erreichen, sind sowohl die EU-Kommission als auch die Mitgliedsstaaten gefordert, dem Naturschutz mehr Priorität einzuräumen. Umsetzungsdefizite müssen identifiziert und gezielt in Angriff genommen und mehr Mittel für die Naturschutzfinanzierung bereitgestellt werden, um die mühevolle Aufbauarbeit der letzten Jahre abzusichern, fortzusetzen und auszubauen.
Es ist bedauerlich, dass die EU-Kommission die Antworten auf diese drängenden Fragen und vor allem eine echte Strategie schuldig bleibt. Dazu gehört auch, in aller Deutlichkeit den Beitrag der Landwirtschaft am Verlust bzw. den Erhalt der Biodiversität zu bilanzieren. Schon jetzt liegt auf der Hand, dass auch die letzte Agrarreform ihr Ziel verfehlt hat, Subventionen zu ökologisieren. Kein Weg führt daran vorbei, dass hier umgesteuert werden muss.
Auch für den Meeresschutz gilt: Sauberes Wasser, gute Luft und qualitative Böden sind von unschätzbarem Wert, der die Kosten von Schutzmaßnahmen bei weitem übertrifft. Je länger wir warten, umso höher ist der Preis. Für alle.“

23.07.2017

Zika – eindeutiger Nachweis für Mikrozephalie erbracht: EP-Antrag zum rechten Zeitpunkt abgestimmt

Straßburg -  Aktuelle Meldungen[1]  bringen endlich Gewissheit: Das Zika-Virus ist verantwortlich für die Entstehung der Schädelfehlbildung Mikrozephalie bei Babys. Martin Häusling, Mitglied des Umwelt- und Gesundheitsausschusses des Europäischen Parlaments, der als verantwortlicher grüner EU-Parlamentarier für die Erarbeitung des gestern verabschiedeten Entschließungsantrages zu Zika zuständig war, kommentiert:

„Die Bestätigung, dass das Zika-Virus tatsächlich verantwortlich ist für Mikrozephalie, schafft Klarheit. Nun ist es möglich, zielgerichtet zu agieren, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken und den betroffenen Menschen bestmöglich zu helfen. Der gestern vom Europäischen Parlament verabschiedete Antrag kommt gerade zum rechten Zeitpunkt. Er präsentiert die wichtigsten Handlungsaspekte bei der Erforschung und Bekämpfung dieses aggressiven Virus.
Viele Fragen sind aber noch ungeklärt, zum Beispiel wie häufig eine Ansteckung mit dem Virus tatsächlich Mikrozephalie auslöst. Weitere Forschung ist also dringend erforderlich. Der von mir in den Antrag eingebrachte Punkt zu den Rechten des geistigen Eigentums, der von der Mehrheit der Abgeordneten angenommen wurde, besitzt deshalb hohe Brisanz: Er gewährleistet, dass die Ergebnisse von Forschungen, die von öffentlichen Geldern finanziert werden, frei von Rechten des geistigen Eigentums sind und die entwickelten Produkte zu für die Patienten erschwinglichen Preisen angeboten werden. Da die große Mehrheit der bislang von Zika betroffenen Menschen über geringe finanzielle Mittel verfügt, ist dies entscheidend bei der gezielten Behandlung der Patienten.
Klar aber ist eines: Ein Chemiekrieg gegen die Mücke wird nicht zu gewinnen sein. Vielmehr muss die Bekämpfung bei den Ursachen der Zika-Mücken-Verbreitung ansetzen.
Auf keinen Fall dürfen sich Fehler, die bei Ebola gemacht wurden, wiederholen. Damals wurde zu spät mit der Eindämmung und Bekämpfung des Virus begonnen. Wir sollten zudem nicht vergessen, dass Zika keine Sache des fernen Südamerikas allein ist: Spätestens im Sommer zur Fußballweltmeisterschaft und den Olympischen Spielen werden Menschen aus der ganzen Welt nach Brasilien reisen - das am stärksten vom Virus betroffene Land. Rasches Handeln ist also gefragt, wenn eine globale Ausbreitung verhindert werden soll“

Link zum Entschliessungsantrag: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+MOTION+B8-2016-0449+0+DOC+XML+V0//DE
 
Mehr zu Zika von Martin Häusling findet sich hier:
http://www.martin-haeusling.eu/themen/klima-umwelt-bodenschutz-pestizide/1282-zika-ep-stimmt-seine-position-ab-und-fordert-kommission-zum-handeln-auf.html

http://www.martin-haeusling.eu/presse-medien/pressemitteilungen/1259-zika-geht-uns-alle-an.html

-------------

[1] http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/zika-forscher-weisen-zusammenhang-mit-mikrozephalie-nach-a-1087072.html und http://www.tagesschau.de/ausland/zika-165.html

23.07.2017

1: 0 für die Bienen - Umweltausschuss lehnt Einspruch gegen Neonikotinoid-Verbot ab!

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat heute mit großer Mehrheit eine Resolution abgelehnt, die sich gegen ein Verbot der drei als besonders bienengefährlich geltenden Neonikotinoide richtet. Dazu erklärt Martin Häusling, agrar- und umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

„Mit der heutigen Abstimmung hat der Umweltausschuss des Europaparlaments gezeigt, dass eine Mehrheit der Abgeordneten ebenso große Bedenken gegen den Einsatz der bienengefährlichen Neonikotinoide hat, wie sie auch von der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) geäußert wurden. Der Versuch seitens der „Konservativen und Reformer“ (Fraktion der EU-Kritiker und Populisten), der Kommission bei einem möglichen Verbot eine unwissenschaftliche Haltung und Kompetenzüberschreitung zu attestieren, hat nicht gegriffen.
Ein Verbot wäre ein richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wenn auch nicht weit genug: Lediglich drei der bienengefährlichen Mittel zu verbieten wird dem Anspruch eines Totalverbotes nicht im Ansatz gerecht. Es muss darum gehen, die gesamte Wirkstoffgruppe hochgefährlicher systemischer Nervengifte, die für den massiven Verlust von Bienen und Biodiversität verantwortlich ist, aus der Anwendung zu verbannen. Und das sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus.
Darüber hinaus wird das Verbot erst dann wirklich wirksam, wenn es auch angewendet wird. Das ist für das seit 2013 bestehende Teilverbot dieser Mittel kaum der Fall. Sowohl Absatz- als auch Einsatzmengen sind nahezu gleich geblieben, da von den Mitgliedstaaten immer wieder großzügig Ausnahmegenehmigungen beantragt und von der Kommission genehmigt wurden. Europa und alle seine Mitgliedsstaaten stehen in der Pflicht, endlich wirksame Maßnahmen gegen das Sterben unserer wichtigsten Bestäuber zu ergreifen.“


Veranstaltungshinweis:
Studien-Relaunch (erweiterte und aktualisierte Auflage): Die (un-)heimliche Artenerosion in Europas Agrarlandschaften am 7.7.2017 in Berlin

23.07.2017
23.07.2017

2. Briefing Revision EU-Öko-Verordnung April 2014

agriculture-91153 640Im Folgenden finden Sie eine grüne Bewertung des Ende März von der EU-Kommission vorgelegten Entwurfs zur Revision der EU-Öko-Verordnung.

Es ist richtig, die Bio-Branche im Sinne des Vertrauensschutzes der Verbraucher künftig noch stärker als bisher zu kontrollieren. Die aktuellen Vorfälle etwa bei Importware aus südlichen EU-Staaten oder bei der Missachtung bestehender Vorschriften in der Legehennenhaltung in Norddeutschland zwingen dazu, die Kontrollmechanismen zu überdenken.

Besondere Pestizid- oder Gentechnikgrenzwerte für Bio-Lebensmittel sind allerdings strikt abzulehnen. Die Kommission darf der Bio-Branche Verfehlungen der konventionellen Landwirtschaft nicht anlasten. Es kann nicht sein, dass dem Bio-Landwirt ein Schaden angelastet wird, für dessen Ursache nicht er, sondern sein konventioneller Nachbar verantwortlich ist. Das verdreht die Tatsachen und untergräbt das Verursacherprinzip.

23.07.2017

80 Prozent weniger Plastiktüten bis 2025

Europaparlament setzt mehr Umweltschutz vor Ort durch

Gute Nachrichten für unsere Umwelt: Das Ende der Plastiktüte ist absehbar. Nach der Entscheidung des Europäischen Parlaments vom heutigen Dienstag muss der Verbrauch bis zum Jahr 2025 um 80 Prozent reduziert werden. Derzeit sind es fast 200 Tüten pro Person und Jahr. Ab 2025 dann maximal 40 Tüten. "Das ist ein Meilenstein für den Umweltschutz", freut sich der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Martin Häusling.

Jährlich werden in der EU 100 Milliarden Plastiktüten verbraucht. Fast 90 Prozent landen schon nach einmaliger Verwendung im Müll. "Und damit nicht genug: Etwa acht Milliarden Tüten werden achtlos weggeworfen und landen dann in der Umwelt, vor unserer Haustür, in unseren Wäldern und Meeren", so Martin Häusling.
Der Beschluss erlaubt außerdem allen Staaten in der EU, eine feste Gebühr für Plastiktüten einzuführen. "Ein weiterer wichtiger Schritt zur Reduzierung von Plastikmüll, für den wir uns als Grüne im Europaparlament stark gemacht haben ", macht Martin Häusling deutlich.

Besonders gefährlich sind die so genannten "Oxo-Tüten". Sie zersetzen sich in langlebige Kleinstteile und landen oftmals in den Mägen von Tieren und Fischen. Die Umweltverträglichkeit dieser Tüten muss nun von der Europäischen Kommission untersucht werden. Im Anschluss soll es auch für die Oxo-Tüten eine gesetzliche Regelung geben. "Das ist zumindest ein Teilerfolg. Leider gab es keine Mehrheit für unseren Vorschlag, die Tüten in den kommenden Jahren komplett abzuschaffen", so Martin Häusling.

"Die Auseinandersetzung in Brüssel war nicht einfach. Wir mussten für unsere Ziele kämpfen", erläutert der Europaabgeordnete. Der ursprüngliche Vorschlag der EU-Kommission war in allen Bereichen deutlich schwächer. "Erst durch die Verbesserungen, die wir im Europaparlament erstritten haben, wird Plastikmüll jetzt nachhaltig reduziert. Verbindliche Ziele und die Möglichkeit für alle Staaten, feste Abgaben für Plastiktüten einzuführen, sind unsere wichtigsten Erfolge."

"Das war heute ein Erfolg für den Schutz der Umwelt. In Europa und bei uns vor Ort. Aber klar ist auch: Wir stehen noch am Anfang. Wenn schon eine Wegwerftüte, dann sollte es zukünftig eine biologisch abbaubare oder kompostierbare sein", so die Forderung von Martin Häusling.


http://www.gruene-europa.de/80-prozent-weniger-plastiktueten-bis-2025-13898.html

 

23.07.2017

Abgas-Betrug bei VW - Nicht der Skandal ist neu, sondern das Ausmaß

Brüssel -  "Der Skandal um manipulierte Schadstoffemissionen ist wahrscheinlich keine Sache des VW-Konzerns allein", meint Martin Häusling, für die Fraktion der Grünen/EFA Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments.

Zur heutigen Aussprache im Umweltausschuss des EU-Parlaments kommentiert Häusling: „Das Ausmaß dieses Betrugs am Autofahrer und an der Umwelt ist neu, nicht aber neu ist der Betrug an sich. Denn das Verfälschen von Abgaswerten ist in Deutschland und anderen europäischen Staaten seit langem Praxis. Das haben etliche Untersuchungen immer wieder zu Tage befördert. Nur haben weder die zuständigen Länder-Behörden und Regierungen der Mitgliedstaaten noch die EU-Kommission auf diesen offensichtlichen, seit Jahren bestehenden Skandal reagiert.
Es ist erstaunlich und beschämend zugleich, dass nun in den USA eine Praxis ans Tageslicht kommt, die im Grunde schon vor Jahren von europäischen Institutionen hätte verfolgt und abgestellt werden müssen. Spätestens jetzt kann keiner mehr die Augen davor verschließen, dass VW und vermutlich auch die anderen Hersteller von Dieselfahrzeugen nur mit Manipulationen Grenzwerte eingehalten haben.
Was wir jetzt brauchen, sind penible Testverfahren, die nicht nur im Labor funktionieren, sondern die die alltägliche Fahrpraxis realistisch abbilden. Gefordert  sind die Mitgliedstaaten, die der  Kommission die nötigen Daten an die Hand geben, um das wahre Ausmaß des Skandals erkennen und möglichst rasch die Konsequenzen ziehen zu können. Denn diese Affäre gefährdet, wenn nicht umgehend gehandelt wird, auch die Glaubwürdigkeit der EU Umweltpolitik. “  

23.07.2017

agrarheute - Union gegen pauschales Umbruchverbot

ganzer Artikel

[...] Ein Kernpunkt, der von der Grünen-Fraktion kritisiert wird, ist beispielsweise der Unions-Vorschlag zum Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen und Mineraldüngern auf ökologischen Vorrangflächen. Dies würde das Greening "verwässern", sagt der Europaabgeordnete der Grünen, Martin Häusling. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos hatte im Rahmen der Grünen Woche in Berlin bereits erklärt, dass Maßnahmen auf Vorrangflächen angewendet werden dürfen, sofern sie die Biodiversität und die Bodenqualität erhöhen. [...]

23.07.2017

Agrarindustrie ignoriert unsere Lebensgrundlagen

Brüssel - Zum heutigen Welttag der freilebenden Tiere und Pflanzen (World Wildlife Day)  appelliert der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling, an die EU-Kommission, nicht weiter die Augen vor dem rapiden Artenschwund in der Kulturlandschaft zu verschließen.

„Die Veröffentlichung des ersten Berichts des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), dessen Auftrag sich an den Weltklimaberichten des IPCC orientiert, hat die Sensibilität unserer Natur erneut drastisch beschrieben: Würden zwei winzige Mückenarten aussterben, dann gäbe es keine Schokolade. Denn diese Mücken bestäuben Kakaopflanzen und ermöglichen so ihre Vermehrung. Dieses Beispiel beschreibt, dass die Menschheit gehörig aufpassen muss, diese enge Interaktion nicht zu zerstören.

Ich möchte auch an diesem Tag, an dem es zunächst um den Schutz bedrohter wildlebender Arten  geht, die durch Handelsinteressen gefährdet werden, daran erinnern, dass die Gefährdung des wilden Lebens bei uns vor der Haustür beginnt.  Eine blind auf Wachstum und Eroberung der Weltmärkte gepolte Landwirtschaftsindustrie ignoriert die Artenvielfalt, auf die wir aber angewiesen sind.

Es trifft den örtlich bereits ausgerotteten Feldgrashüpfer genauso wie den Feldhasen, den Feldhamster oder das Rebhuhn. Arten, die früher in großen Zahlen auf unseren Feldern lebten, sind verdrängt, vergiftet und verfolgt. Europa verfügt über ein in seiner Konstruktion vorbildhaftes Naturschutzsystem. Doch dieses Netzwerk Natura 2000 wird von vielen Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, nur schleppend  angewendet.

Vor allem aber der Mangel, dass die Feldflur in dem Netzwerk praktisch nicht auftaucht, sorgt dafür, dass unser Frühling immer leiser wird. Diese Lücke muss geschlossen werden. Die europäische Agrarpolitik muss ökologischer werden, sie muss den Pestizidverbrauch drastisch einschränken, denn sie darf nicht länger die Augen vor dem rapiden Artenschwund in der europäischen Kulturlandschaft verschließen. Unser aller Leben hängt daran.“

23.07.2017

Agrokraftstoffe und Klimaschutz: Neue Regeln verlängern Probleme mit Agrokraftstoffen

Brüssel - Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat an diesem Dienstag einem Kompromiss für neue Regeln für Agrokaftstoffe zugestimmt. Die neuen Bestimmungen sollten die negativen Folgen der Nutzung von Anbauflächen für Kraftstoff mindern (1). Der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, Martin Häusling, bezweifelt das:

"Dieser Kompromiss zwischen EU-Parlament und den Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten bringt keine Verbesserung für den Umgang mit Agrokraftstoffen. Schon lange ist klar, dass die angeblich klimaschützende Wirkung dieser Kraftstoffe eine Fata Morgana ist. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Agrokraftstoffe das Klima sogar mehr belasten können als fossile Kraftstoffe. Wir brauchen deshalb eine komplett neue Bewertung der Agrokraftstoffe. Die Chance auf eine verantwortliche Politik für Agrokraftstoffe hat die Mehrheit im Umweltausschuss heute verspielt.
Die Deckelung der Förderung von Agrokraftstoffen bei sieben Prozent reicht nicht aus. Die enorme Förderung von Agrokraftstoffen hat mit zur Zerstörung von Regenwald geführt. Die großzügige Deckelung wird diesen Raubbau weiter fördern. Außerdem wurden die indirekten Landnutzungsänderungen nicht in die Nachhaltigkeitsbilanz für die Förderung der Kraftstoffe einbezogen. Dies ist höchst bedauerlich.   
Was dem Klima wirklich helfen würde, wäre eine vollständige Überarbeitung unserer Verkehrs- und Mobilitätskonzepte. Nur wenn weniger Kraftstoff verbraucht wird, haben wir eine Chance auf einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und effektiven Klimaschutz."
Dabei geht es vor allem um die Berücksichtigung von sogenannten indirekten Landnutzungsänderungen. Darunter versteht man die Verdrängung von Nahrungspflanzen durch Pflanzen für Agrokraftstoffe. Sie werden zwar auf Flächen angebaut, die als nachhaltig zertifiziert sind. Durch die Verdrängen müssen aber Wald- oder Brachflächen in Ackerland umgewandelt werden. Dies bedingt enorme zusätzliche CO2-Emissionen.

 

23.07.2017

ARTENVIELFALT STATT SOJAWAHN

Titelbild Artenvielfalt statt SojowahnDER EIWEISSMANGEL IN DER EU: Wie lässt sich das seit langem bestehende Problem lösen?
Autorinnen: Andrea Beste & Runa Boeddinghaus
September 2011 - Eine Studie Im Auftrag Von Martin Häusling, MDEP

WENN AUS VEREDELUNG NAHRUNGSMITTELVERNICHTUNG WIRD…

Die Fähigkeit von Wiederkäuern, Rindern, Schafen und Ziegen, gesundheitlich wertvolle und schmackhafte Lebensmittel wie Rindfleisch und Milch aus für die menschliche Ernährung wenig nutzbarem Weideland zu erzeugen, ist ein wesentlicher Grund für die Nutzung dieser Tiere und ihrer Produkte in der Geschichte der Menschheit gewesen. Sie erhöhen das Lebensmittelangebot und leisten einen wichtigen Beitrag zur Produktion: Sie liefern Dünger, tragen zur Bodenbearbeitung bei, arbeiten als Zug- und Transporttiere, verwerten Abfälle und stabilisieren als Rücklage die Ernährungssicherheit ihrer Besitzer. Viele Flächen – vor allem im subtropischen Klima – sind anders kaum für die menschliche Ernährung nutzbar. Hier macht der Begriff „Veredelung“ durchaus Sinn.

23.07.2017

ARTENVIELFALT STATT SOJAWAHN

Titelbild Artenvielfalt statt SojowahnDER EIWEISSMANGEL IN DER EU: Wie lässt sich das seit langem bestehende Problem lösen?
Autorinnen: Andrea Beste & Runa Boeddinghaus
September 2011 - Eine Studie Im Auftrag Von Martin Häusling, MDEP

WENN AUS VEREDELUNG NAHRUNGSMITTELVERNICHTUNG WIRD…

Die Fähigkeit von Wiederkäuern, Rindern, Schafen und Ziegen, gesundheitlich wertvolle und schmackhafte Lebensmittel wie Rindfleisch und Milch aus für die menschliche Ernährung wenig nutzbarem Weideland zu erzeugen, ist ein wesentlicher Grund für die Nutzung dieser Tiere und ihrer Produkte in der Geschichte der Menschheit gewesen. Sie erhöhen das Lebensmittelangebot und leisten einen wichtigen Beitrag zur Produktion: Sie liefern Dünger, tragen zur Bodenbearbeitung bei, arbeiten als Zug- und Transporttiere, verwerten Abfälle und stabilisieren als Rücklage die Ernährungssicherheit ihrer Besitzer. Viele Flächen – vor allem im subtropischen Klima – sind anders kaum für die menschliche Ernährung nutzbar. Hier macht der Begriff „Veredelung“ durchaus Sinn.

23.07.2017

Avocado oder Wasser: Boomfrucht zerstört in Chile ganze Regionen

Chile MadimaAvocado ist Gesundheit pur, heißt es. Doch der Anbau der in Europa immer beliebteren Trendfrucht hat ganz erhebliche Nebenwirkungen für die Bauern und Bevölkerung vor Ort. Im November 2016 bin ich nach Chile gereist, um mir selbst ein Bild zu machen und Betroffene wie Akteure zu treffen.
Fazit: Wer bewusst konsumiert, sollte dabei nicht nur die eigene Gesundheit im Blick haben und Avocados aus Chile boykottieren. Denn solange der Absatz boomt, wird es bei den desaströsen Folgen für Menschen und Umwelt in Chile bleiben.

23.07.2017

Avocado oder Wasser: Boomfrucht zerstört in Chile ganze Regionen

Chile MadimaAvocado ist Gesundheit pur, heißt es. Doch der Anbau der in Europa immer beliebteren Trendfrucht hat ganz erhebliche Nebenwirkungen für die Bauern und Bevölkerung vor Ort. Im November 2016 bin ich nach Chile gereist, um mir selbst ein Bild zu machen und Betroffene wie Akteure zu treffen.
Fazit: Wer bewusst konsumiert, sollte dabei nicht nur die eigene Gesundheit im Blick haben und Avocados aus Chile boykottieren. Denn solange der Absatz boomt, wird es bei den desaströsen Folgen für Menschen und Umwelt in Chile bleiben.

Ich unterstütze das Anliegen der Aktivisten von Modatima, denn zur Bewässerung der Monokulturen wird ihnen buchstäblich das Wasser abgegraben.

23.07.2017

Badische Ztg. - Gefahr für die Ernte

Badische Zeitung - Unkraut ist zunehmend resistent gegen Pflanzenschutzmittel

 Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist umstritten. Für Bauern sind sie ein bequemer Weg, um lästiges Unkraut vom Acker fernzuhalten. Allerdings hat das auch viele negative Auswirkungen.  

 Eine davon ist, dass Schädlinge wie auch Unkraut Resistenzen entwickeln. Dadurch drohen massive Ernteverluste.
 Iowa ist tiefste Provinz. Nun zeigt sich dort eine Entwicklung, die auch für Europa einige Lehren bereithält. Dort drohen den Bauern bei Mais und Soja enorme Ernteverluste, weil sich 14 Unkrautpflanzen ausbreiten, die gegen sämtliche Unkrautvernichtungsmittel resistent sind.

 Nach Angaben von Christoph Then von der Münchener Firma Testbiotech, betreffen die Resistenzen so viele Nutzpflanzen, dass es wenig nützte, stärker auf Fruchtfolge zu setzen – also darauf, dass die Farmer nicht jahrelang auf demselben Acker die gleiche Pflanze anbauen, sondern Kulturen variieren. "Viele verschiedene Nutzpflanzen haben sich perfekt an Glyphosat angepasst", meint Then.

 Glyphosat ist unter dem Namen "Roundup" bekannt und ein weltweit häufig genutztes Herbizid. Als der amerikanische Konzern Monsanto im Jahr 2000 in den USA die Zulassung für "Roundup" beantragte, behauptete er, dass auch der "langjährige ausgiebige" Gebrauch von Glyphosat nur in wenigen Fällen Resistenzen mit sich bringen werde. Nach gut zehn Jahren des ausgiebigen Einsatzes, so Then, stehe nun fest, dass das Gegenteil richtig sei.


Nach Ansicht des Europa-Abgeordneten Martin Häusling (Grüne) ist die Lage in Europa zwar weniger dramatisch als in den USA: "Aber auch in Europa entwickeln Unkräuter zunehmend Resistenzen gegen gängige Pflanzenschutzmittel." In Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland seien jeweils zwischen 30 und 25 dieser Unkräuter bekannt. Die chemische Industrie setze nun darauf, den "Chemiecocktail" zu verstärken und mache in Brüssel Druck, dass die Zulassung von Herbiziden beschleunigt und erleichtert werde. Damit sei aber nichts gewonnen. Die Landwirtschaft müsse stärker auf Wissen statt auf Technik abstellen und dabei auf ökologische Methoden zurückgreifen. Dass die EU-Kommission bei der jüngsten Reform der EU-Agrarförderung versucht habe, die Fruchtfolge zu stärken, sei richtig. Leider sei dieser Ansatz gerade auf Druck des Bauernverbands stark verwässert worden. "Den Druck in diese Richtung müssen wir trotzdem aufrechterhalten", sagt Häusling. Sonst werde die Belastung der Oberflächengewässer mit Pflanzenschutzmitteln zunehmen. Und mehr Herbizide auszubringen, ändere nichts an der Gefahr von Resistenzen.

 Wie das Problem gelöst werden kann, macht Jan Plagge, Präsident von Bioland deutlich. Gerade in Bayern und Baden-Württemberg arbeiten Biobauern und konventionell arbeitende Bauern zusammen, wobei es auch um die mechanische Beseitigung von Unkraut geht. Viel sei gewonnen, wenn konventioneller und ökologischer Landbau voneinander lernten.

23.07.2017

Begrenzung von Luftschadstoffen - EU-Parlament für klare Grenzwerte

Straßburg -  Am heutigen Mittwoch hat das Europäische Parlament über einen Vorschlag der EU-Kommission abgestimmt, der die Obergrenzen für bestimmte Luftschadstoffe festlegen soll. Jedes Land soll Grenzwerte für 2020, 2025 und 2030 bekommen. Trotz Widerstands der Agrarlobby wurden Ammoniak und Methan in die Liste der zu begrenzenden Schadstoffe aufgenommen. Mit dem Ergebnis geht das Europäische Parlament in Verhandlungen mit den EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission. Das Ergebnis kommentiert der umwelt- und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, Martin Häusling:

"Dieses Ergebnis ist eine gute Nachricht für die Gesundheit der EU-Bürgerinnen und –Bürger. Das Europäische Parlament will gesundheitsschädliche Schadstoffe in der Luft minimieren. Die Abgeordneten haben sich für eine Reihe von Schadstoffen für verbindliche Grenzwerte für 2020, 2025 und 2030 ausgesprochen und damit den Vorschlag der Europäischen Kommission verschärft. Nun müssen die EU-Mitgliedsstaaten diesem Votum folgen und schnellstmöglich die Grenzwerte verabschieden. Es geht nicht um technische Details, sondern um die öffentliche Gesundheit. Jedes Jahr sterben bis zu 450 000 Menschen an Luftverschmutzung.

Die Landwirtschaftslobby hatte starken Druck auf die Parlamentarier ausgeübt, Methan und Ammoniak von der Liste der zu reduzierenden Schadstoffe zu streichen; teilweise mit haarsträubenden Argumenten, etwa dass eine Reduzierung dieses Stoffes, dazu führen würde, dass Kühe in Bayern geschlachtet werden und die Produktion zurück gefahren werden müsse. Eine Mehrheit der Abgeordneten hat deshalb dafür gestimmt, Wiederkäuer von der Methan-Regel auszunehmen. Die Gesetzgebung wird dadurch geschwächt, obwohl Landwirte genug Möglichkeiten haben zum Beispiel durch andere Futter- oder Düngemittel den Ausstoß des Schadstoffes zu reduzieren."


Nähere Informationen zur NEC-Richtlinie finden Sie im aktuellen Briefing

23.07.2017

Berliner Zeitung - Wenn die Erde sich vom Acker macht

Berliner Zeitung - Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche geht immer weiter zurück. Die Folgen sind dramatisch

VON STEFAN SAUER

Jedes Jahr geht in der EU die gigantische Menge von 970 Millionen Tonnen fruchtbaren Bodens durch Erosion verloren. Diese Menge würde ausreichen, um ganz Berlin um einen Meter anzuheben. Und sie reicht aus, um ernste Sorgen hervorzurufen. Denn fruchtbares Land ist im wörtlichen Sinne Grundlage für die Ernährung der Menschen. Anders als die wachsende Weltbevölkerung schrumpft die landwirtschaftlich nutzbare Fläche durch menschliches Handeln rasant, wie die Agrarwissenschaftlerin Andrea Beste in einer Studie anhand einer Vielzahl aktueller Daten nachweist.

Die Untersuchung, die im Auftrag der Grünen erstellt wurde, zeigt eindrücklich auf, warum und wofür gute Böden so wichtig sind: Sie dienen als Anbaufläche für Nahrungs- und Futtermittel, bauen Schadstoffe ab, bilden wertvolle Mineralverbindungen und sorgen als Filter für sauberes Grundwasser. Möglich machen dies unzählige - und höchst empfindliche - Kleinlebewesen: In einem einzigen Gramm fruchtbarer Krume finden sich 600 Millionen Mikroorgansimen. Hinzu kommen Asseln, Milben, Pilze, Fadenwürmer, Larven und Algen. Sie werden durch Luftschadstoffe, Überdüngung, Pestizide, Bodenverdichtung und den Bau von Verkehrswegen und Gebäuden beeinträchtigt oder schlicht ausgelöscht. EU-weit verwandeln sich jedes Jahr land- und forstwirtschaftliche Flächen von der Größe Berlins in städtische Siedlungsräume.

Lebensgrundlage in Gefahr

Global geht jährlich bis zu einem halben Prozent der nutzbaren Böden verloren. Das klingt nach wenig, ist aber dramatisch. Denn damit schrumpft der verfügbare Boden 30 bis 40 Mal schneller, als er auf natürlichem Wege neu entsteht. Agrarwissenschaftlerin Beste gibt einen Zeitraum zwischen 20 000 und 200 000 Jahren an, die abhängig von Klima, Feuchtigkeit und Gestein für die Bildung einer Bodenschicht von einem Meter Tiefe nötig sind. Die rasante Bodenzerstörung ist auch deshalb so bedenklich, weil die agrarisch nutzbaren Regionen des Planeten durchaus begrenzt sind: Nur zwölf Prozent der Festlandsfläche ist den Angaben zufolge für eine intensive Bewirtschaftung geeignet, weitere 22 Prozent können zumindest eingeschränkt genutzt werden.

"Diese Fläche lässt sich nicht vergrößern", so Beste. "Bluten wir unsere Böden weiter aus, riskieren wir den Verlust unserer wichtigsten Lebensgrundlage, wir riskieren die Verschärfung von Hochwasserereignissen und das Trinkwasser gerät in Gefahr", warnt der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling.

Land wird zu Spekulationsobjekt

Im Ergebnis produzieren die entwickelten Länder weltweit mehr Landflucht und Hungernde, aber nicht mehr Nahrungsmittel. Dies gilt umso mehr, als die Bodenverluste bereits seit Jahrzehnten anhalten und sich durch das weltweite Bevölkerungswachstum und die zunehmende Verstädterung noch beschleunigen. Nach Angaben der EU-Generaldirektion Umwelt kamen 1965 auf jeden Europäer noch 5 000 Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche. Heute sind es nur noch 1 000 Quadratmeter. Einen wesentlichen Anteil am Bodenverlust haben Überschwemmungen, die durch versiegelte Böden und begradigte Flüsse zugenommen haben.

Die Knappheit führt auch dazu, dass fruchtbares Land immer mehr zum Spekulationsobjekt wird. Und dies nicht nur in armen Ländern des Südens, sondern auch in der EU. Brüssel schüttet pro Jahr Zahlungen in Höhe von 300 Euro pro Hektar aus. In Zeiten niedriger Zinsen lohnt da der Kauf selbst dann, wenn das Land gar nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Zugleich haben solche Spekulationen zum starken Anstieg der Kauf- und Pachtpreise in den vergangenen Jahren beigetragen, was wiederum das Entstehen großer Agrarbetriebe mit meist starkem Pestizid-und Maschineneinsatz beziehungsweise hoher Viehdichte und Gülleüberschüssen begünstigt: ein Teufelskreis.

Der falsche Weg

Warnung: Eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft könne nicht Teil der Lösung sein, um die wachsende Weltbevölkerung zu versorgen, sondern sei Teil des Problems, urteilt der grüne Europaangeordnete Martin Häusling.

Naiv: Es sei eine naive bis scheinheilige Darstellung, dass die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung nur mit einer noch intensiveren Landwirtschaft erreicht werden könne, so Häusling. Das Gegenteil sei der Fall: "Sinkt die Bodenfruchtbarkeit, sinken auch die Erträge."

Dokument BERLRZ0020151016ebag0001a

23.07.2017

Bienengifte: Schmidt und EU-Kommission müssen endlich handeln

Zu Berichten über ein geplantes Verbot der EU-Kommission für bienengiftige Insektizide (Neonikotinoide), erklären Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, und Martin Häusling, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament:
 
Es ist ein Meilenstein für den Bienenschutz, wenn die EU-Kommission tatsächlich ein vollständiges Verbot der Neonikotinoide vorschlägt. Angesichts des anhaltenden Insektensterbens muss die Kommission die Notbremse ziehen. Agrarminister Schmidt sollte seine nutzlosen Bienen-PR-Aktionen gegen echte Unterstützung eintauschen und jetzt zusammen mit Frankreich ein solch umfassendes Verbot auf EU-Ebene unterstützen und durchsetzen.
Angesichts der erdrückenden wissenschaftlichen Beweislast hunderter Studien, die eine Gefährdung für Honig- und Wildbienen, andere Insekten und weitere Tiergruppen belegen, müssen die Neonikotinoide vom Markt. Dies muss auch für alle Wirkstoffe gelten, die bislang nicht von Beschränkungen erfasst sind, insbesondere Thiacloprid und Acetamiprid. Die bisherigen Teilverbote für vier Wirkstoffe werden dem Gefahrenpotential dieser Wirkstoffgruppe nicht gerecht und haben in Deutschland auch nicht zu einer verringerten Gesamteinsatzmenge der Neonikotinoide geführt.
 
Das geplante Verbot ist die konsequente Anwendung des Vorsorgeprinzips - auch im Interesse der Landwirtschaft selbst, die auf Bestäuber und andere Nützlinge wie die ebenfalls gefährdeten Schlupfwespenarten angewiesen ist. Es reicht nicht, nur die erste Generation der Neonikotinoide im Blick zu haben. Auch neuere Wirkstoffe wie Cyantraniliprol, Flupyradifuron und Sulfoxaflor verfügen über den gleichen Wirkmechanismus. Laut der EU-Risikobewertungsbehörde EFSA können auch für diese Substanzen Risiken für Bestäuber und andere Gliederfüßer nicht ausgeschlossen werden.
 

23.07.2017

BIODIVERSITY, NOT SOYA MADNESS!

110923 Soya report ENBIODIVERSITY, NOT SOYA MADNESS!
How to solve the long-standing problem of protein deficiency in the EU

Authors: Andrea Beste & Runa Boeddinghaus
September 2011 - A report commissioned by Martin Häusling, MDEP

WHEN MEAT PRODUCTION BECOMES COUNTER-PRODUCTIVE
The ability of ruminants (cattle, sheep and goats) to turn pastureland that is of little use for food production into tasty, nutritionally valuable products like beef and milk is one of the main reasons why people started using these animals and their products in the first place.
Not only do such animals extend the range of available human foodstuffs; they play an important part in the production process, producing manure, helping to work the soil, working as draught animals, providing transport, processing waste and stabilising their owners’ food security. Without them, vast expanses of land, especially in subtropical climates, would be virtually useless for human food production. In this respect they certainly enrich our lives.

... and here the english version